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Prämienmaskerade : Wie Phönix aus der Asche

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Im letzten Moment fanden sich doch noch genug Mitwirkende für die Traditionsveranstaltung. Das Publikum bekam originelle Bilder zu sehen.

Mit der Prämienmaskerade der Nieblumer Feuerwehr verhält es sich so, wie mit dem Phönix aus der Asche. Alle paar Jahre sieht es so aus, als würde die Traditionsveranstaltung sterben, und dann geht es doch wieder mit jungen, motivierten Mitwirkenden weiter.

So auch in diesem Jahr. Noch zu Beginn der Woche hatte Wehrführer Hauke Brett erst zwei Anmeldungen und fürchtete, dass die Maskerade 2015 wohl wirklich die letzte sein würde. Dann hat er im Dorf noch mal ordentlich Dampf gemacht und so für den Sonnabend doch noch fünf Standbilder bekommen. Deren Akteure kamen angesichts der kurzen Vorbereitungszeit vorab ganz schön ins Schwitzen – und bei der Veranstaltung, wo sie eine Stunde bewegungslos unter ihren Masken ausharren mussten, erst recht.

200 Besucher hatten sich zum „Nieblumer Karneval“ im Haus des Gastes eingefunden, und – einziger Wermutstropfen für den Organisator – nur zwei Laufmasken. Die über 20 Darsteller hatten auch in diesem Jahr wieder aktuelle Themen nicht nur von der Insel aufgegriffen und den Föhrern und einigen Gästen in lustiger Form dargeboten. So waren neben dem neuen Bohlenweg am Nieblumer Strand und dem jüngsten Robbensterben in der Nordsee auch Kühe vertreten, die von der Insel Föhr fliehen, weil sie kaum noch Wiesen zum Grasen haben, da viele Flächen renaturiert werden oder die Gänse ihnen alles wegfressen.

Auf den zweiten Platz kam an diesem Abend eine Standmaske, die sich mit der Umwandlung der Sparkassen-Zweigstelle in Nieblum zur Selbstbedienungsfilliale auseinandersetzte. Eine alte Frau saß hier ratlos auf ihrem Rollator vor dem Geldautomaten. Den ersten Platz belegte das Bild „Whats App, Twitter, Facebook und co. – schnackt man überhaupt noch irgndwo?“. Hier sitzen im Wirtshaus an einem Tisch die Alten, reden miteinander und spielen Karten, während die Jungen am Nachbartisch nur noch auf ihre Smartphones starren.

Thema bei den Laufmasken waren angesichts der Rattenplage auf der Insel Rattenfänger, außerdem ging es hier um die bevorstehende Abschaffung der Milchquote.

Nach der Demaskierung und der Preisverleihung bedankte sich Hauke Brett bei den zahlreichen Zuschauern, den spendablen Sponsoren und allen Mitwirkenden. Angesichts des Erfolgs in letzter Minute will Brett die Prämienmaskerade auch im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder veranstalten. „Wenn ich aber wieder eine Woche vorher nur so wenige Anmeldungen habe, ist definitiv Schluss“, droht er. Doch im Moment ist der Wehrführer zuversichtlich, dass die Traditionsveranstaltung in Nieblum weiterleben wird. „Nach dem Fest haben viele gesagt, sie machen nächstes Jahr mit“, berichtet er. „Wenn davon nur ein Bruchteil kommt, ist es gut“. Besonders freut es ihn, dass das Sieger-Standbild das der jüngsten Teilnehmer ist. „Die sind jetzt hoch motiviert“, so Hauke Brett.

Die Chancen stehen also gut, dass die Tradition der Prämienmaskeraden, die auf dem Festland längst ausgestorben sind, in Nieblum weiter leben wird. Früher gab es diese Maskeraden übrigens in nahezu allen Inseldörfern. Wie lange diesr Brauch zurückreicht, weiß allerdings niemand so genau zu sagen, da es von den ersten Maskeraden keine Aufzeichnungen mehr gibt. Verbrieft ist lediglich, dass sie um 1900 bereits fester Bestandteil des insularen Winterprogramms waren. So sind denn die Heimatforscher gefordert herauszufinden wieviel Veranstaltungen es in dieser Form schon gegeben hat. Vielleicht steht uns ja bald ein besonderes Jubiläum bevor.

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