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Baden anno dazumal (2) : Wie in der ersten Angriffsreihe

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein Rückblick auf die Bademoden in den vergangenen 125 Jahren: Baderegeln gaben Ratschläge für das richtige Betreten der Nordsee

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erstellt am 24.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Über den eigentlichen Vorgang des Badens verraten Prospekte und Regeln jener Tage die folgenden Ratschläge: „Beim Betreten der Nordsee ergreifen ängstliche Naturen ein Tau, halten sich an dasselbe fest und fallen auf die Knie, wie es beim Feuern der Grenadiere in der ersten Angriffsreihe üblich ist …“ Den Damen empfahl man, „sich mittels Hofknicks dem Meere anzuvertrauen …“

Nun konnte aber nicht beliebig ohne zeitliche Beschränkung munter drauflos geplanscht werden. Nach fünf- bis sechsmaligem Eintauchen war das Bad laut Vorschrift beendet. Der Gast schlüpfte wieder in den Badekarren, machte sich „landfein“ und setzte eine kleine Signalfahne. Wieder traten Ross und Reiter in Aktion und zogen Karren und Kurgast an Land.

Wie sein Kollege Dr. Jenner in Westerland auf Sylt, empfahl um 1890 auch der Wittdüner Badearzt Dr. Kurt Schlutius das Nacktbaden. Derselbe bedauerte, „dass es leider die gute Sitte verlangt, die mit unseren ärztlichen Anschauungen nicht selten im Widerspruch steht, dass Damen und Herren nicht ohne Badekostüm ins Wasser steigen. Denn soll das See- wasser seine volle Heilwirkung hervorrufen, so darf man nicht in bis zum Hals geschnürte Kleidung die Wirkung inhibieren …“ Den Herren riet Dr. Schlutius, mit weiten Badehosen ins Wasser zu gehen und diese dort ad libitum zum Zwecke des Nacktbadens aus- und vor dem Verlassen wieder anzuziehen“. Und den Damen hält der Doktor vor, dass sie in der Stadt bei Bällen und im Theater mit entblößten Armen und tiefen Dekolletés sich sehr viel freizügiger zeigen, als dies bei den eingemummten Figuren im Wasser zu sehen ist, die nicht selten eher Clowns als Gesundheitssuchenden ähneln.

Vorgeschrieben waren auch die Badeanzüge, von denen erlaubte Muster in der Kurverwaltung auslagen. Die Badekleidung der Damen ähnelte eher Trachten, während jene der Herren mit ihren Streifen wie Sträflingskittel aussahen. Dabei musste die Badekleidung sehr weit und luftig geschnitten sein, um keine speziellen Geschlechtsmerkmale zu betonen.

Die Weite des Amrumer Strandes und Kniepsandes lud Wanderer geradezu ein, entsprechend Lust und Laune spontan in die Brandung zu springen. Aber das verbot eine strenge „Polizeiverordnung“. Bekanntgemacht im Kurprospekt heißt es dort: „Das Baden außerhalb der dazu aufgestellten Karren respektive Zelten am Strande von Wittdün und Kniepsand wird hierdurch aufs Strengste verboten. Hoteliere und Logierhausbesitzer haften für ihr Personal. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder entsprechender Haft bestraft. Die Polizeiverwaltung“.

Es war nicht möglich, diese Strafandrohung zu ergründen. 30 Mark waren keine geringe Strafe, betrugen doch die täglichen Preise für Übernachtung und Vollpension zum Beispiel im noblen Hotel „Kaiserhof“ nur 2,75 Mark.

In Norddorf, am Strand vom Seehospiz und dem Hotel „Hüttmann“, wurde zunächst von Badezelten aus gebadet, ehe diese nach der Jahrhundertwende durch Strandkörbe ersetzt wurden.

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