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Marburger Forscher auf Föhr : Wie Friesen friesische Texte verstehen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ferienhaus in Oldsum wird zum Sprachlabor: Wissenschaftler aus Marburg schauen Insulanern ins Gehirn.

Beantwortet der Satz die vorher gestellte Frage exakt? Kam das auf dem Laptop gezeigte Wort im Satz vor?
Was hier eigentlich ganz banal klingt, ist Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie. Dass diese ausgerechnet auf Föhr stattfindet, ist kein Zufall, sondern genau geplant: Fakultätsübergreifend fördert das Land Hessen an der Marburger Philipps-Universität eine Studie, die neue Einblicke in linguistische Phänomene liefern soll. Und dabei interessieren sich die Sprachwissenschaftler Alexander Dröge und Elisabeth Rabs aus der Marburger Arbeitsgruppe Neurolinguistik vor allen Dingen auch für Regionalsprachen, insbesondere das Friesische. Nicht nur die Sprache selbst ist ihnen dabei wichtig, sondern auch die Verarbeitung dieser im Gehirn der Sprechenden, wobei die Wissenschaftler besonders der Vergleich mit Deutschsprachigen interessiert.

Da der Kontakt nach Föhr bereits existierte – in den vergangenen Jahren besuchten mehrmals Studenten und Wissenschaftler aus Marburg die Ferring-Stiftung –, lag es nahe, ein Ferienhaus in Oldsum anzumieten, das nun noch bis zum 17. Oktober als Labor dient, in dem den Probanden während des Versuchs ein Elektroenzephalogramm (EEG) abgeleitet wird. Dabei werden auf der Kopfhaut mehrere Elektroden platziert, über die bereits kleinste Veränderungen des elektrischen Signals gemessen werden können. Denn immer, wenn Menschen sprechen oder zuhören, entstehen in ihren Nervenzellen elektrische Ladungen, das EEG macht sie quasi sichtbar und auswertbar.

Verstehen nun Deutsche, Schweizer oder Friesen Texte in ihrer Muttersprache vergleichbar oder gibt es strukturelle Unterschiede? Wegen der Standardisierung des Verfahrens wurden die Fragen und Antworten, die bereits zuvor Deutsche und Schweizer in Versuchen gehört hatten, ins Friesische übersetzt. Der Proband hört sie aus einem Lautsprecher, beurteilt, wie gut sie zusammenpassen und tippt auf dem Laptop den entsprechenden Buchstaben ein.

„Meine Lieblingsprobanden sind langhaarige Männer“, meint Elisabeth Rabs lachend, während sie Testperson Kai Olufs verkabelt, der einen klassischen (Extrem)-Kurzhaarschnitt trägt. Kurzhaarigen sei mit der Zeit eine Art Schutzhaut gewachsen, so Rabs Erklärung, die den Hautwiderstand etwas erhöhe und damit die Vorbereitungszeit verlängere. Aber einerlei, ob lange oder kurze Haare, das Experiment ist überhaupt nicht schmerzhaft, mit einem kleinen Alkoholtupfer und Kontaktgel wird die Haut unter den Elektroden entsprechend präpariert. Und mit Hilfe der studentischen Hilfskräfte Nele Schneider und Meike Riewerts schrumpft die Vorbereitungszeit auf 30 bis 60 Minuten.

Nach einer Trainingsphase startet das Experiment. Während dieser Zeit wird konzentriert zugehört und gearbeitet, wobei selbstverständlich Pausen gemacht werden. Während des Experiments sollte nicht gestört werden, Reize von außen könnten das Ergebnis etwas verfälschen. Aber eine gute Portion Frischluft zwischendurch wird jedem Teilnehmer gegönnt.

Es werden noch dringend weitere Teilnehmer gesucht. Wer also Lust hat, sich im Dienste der Wissenschaft und seiner Muttersprache verkabeln zu lassen, kann sich noch bis zum 17. Oktober unter alexander.droege@uni-marburg.de oder meikeriewerts@web.de melden, vorausgesetzt er ist auf Föhr aufgewachsen, spricht Friesisch, hat Eltern, die Friesisch sprechen, ist Rechtshänder, zwischen 18 und 35 Jahren alt und leidet nicht unter einem Hörschaden und/oder neurologischen Erkrankungen. Das Experiment dauert zwischen 3 und 3,5 Stunden und wird mit einer Aufwandsentschädigung vergütet.

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erstellt am 08.Okt.2014 | 09:00 Uhr

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