Inselhelden : Wie bei Gott auf Föhr

Ein Band des Glaubens  Das Glaubensarmband von Hanna Wichmann hat sie individuell für sich zusammengestellt. Die goldene Perle steht für Gott. Die beiden roten Perlen liegen nebeneinander und stehen für Gottesliebe und Nächstenliebe. „Stille ist auch in dem Armband“, sagt sie. Die blaue Perle steht für die Stille und das Meer. Die Pastorin sagt: „Die Stille ist wie das Meer, sie kommt und geht. Man kann sie nicht erzwingen.“
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Ein Band des Glaubens Das Glaubensarmband von Hanna Wichmann hat sie individuell für sich zusammengestellt. Die goldene Perle steht für Gott. Die beiden roten Perlen liegen nebeneinander und stehen für Gottesliebe und Nächstenliebe. „Stille ist auch in dem Armband“, sagt sie. Die blaue Perle steht für die Stille und das Meer. Die Pastorin sagt: „Die Stille ist wie das Meer, sie kommt und geht. Man kann sie nicht erzwingen.“

Wolfram Kiwit sprach mit der Pastorin Hanna Wichmann

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21. Juli 2016, 22:38 Uhr

Wyk auf Föhr | Föhr ist eine Insel zum Runterkommen. Quasi eine Steigerung von Föhr ist: Gehen und Innegehen, Pilgern am Strand. Gestern Morgen, 9 Uhr am Veranstaltungspavillon von Wyk, treffe ich Hanna Wichmann (50). Die Pastorin von St. Nicolai bietet alle drei Wochen donnerstags „Pilgern für Einsteiger“ an. Die Gruppe heute ist klein, drei Frauen pilgern mit, beten mit den Füßen. Heike (32) kommt von der Insel, lebt jetzt in Troisdorf. Bei den beiden anderen ernte ich mit meinem Heimatsbekenntnis „Dortmund“ ein vertraut klingendes „Aaach nee“. Barbara (56) ist aus Lüdgendortmund, Christa (62) aus Dortmund-Kruckel.

Der 10 Kilometer lange Pilgerpfad beginnt am Strand und führt später an der Kirche St. Nicolai vorbei. Singen, Beten, Schweigen fügen sich meditativ in herrlicher Luft und besänftigender Natur ineinander. Man kommt voran. Auch innerlich. Nach dem ersten Lied („Geh aus, mein Herz“) sprechen Hanna (Pilger duzen sich) und ich über Gott, die Insel und die Welt.

Wie ist kirchliches Leben auf der Insel?
Wir haben drei Kirchengemeinden hier, in Süderende steht die älteste Kirche, in Nieblum der Friesendom, die St. Nicolai-Kirche ist die jüngste von den drei evangelischen Kirchen, wobei alle rund 800 Jahre alt sind. Wir haben vier evangelische Pfarrstellen, zwei in St. Nicolai.


… aber Dein Kollege verlässt Dich jetzt, oder?
Ja, der geht nach Schweden, er war 26 Jahre auf der Insel und erfüllt sich einen Traum in Stockholm.


Kommt jemand nach?
Die Stelle ist ausgeschrieben, und wir hoffen, dass jemand nachkommt.


Wie geht es Deinen Kindern auf der Insel?
Denen geht es gut, die haben sich hier verwurzelt. Toll ist, dass wir kurze Wege haben, alles mit dem Fahrrad machen können. In Hamburg hätten wir sie immer fahren müssen. Auch kann man sich nachts problemlos bewegen. Wir kennen uns alle. Natürlich kann auch hier was passieren, man lebt ja nirgends sicher.

Ist das Leben einer Pastorin auf Föhr mit vielen Terminen bestückt?
Das ist nicht anders als bei einer Gemeinde auf dem Festland. Man hat viele Termine, also das, was man mit der Insel nicht verbindet, Stress und einen engen Terminkalender. Es ist ein schöner Beruf.

Besonders ist, dass wir es hier mit Touristen zu tun haben und mit Menschen in den Kurkliniken und dem Krankenhaus. Menschen kommen auf die Insel und suchen Seelsorge. Die Insel an sich hat spirituelle Angebote. In sich. Man sagt ja auch: Wie bei Gott auf Föhr. An einem Tag wie heute muss man gar nicht viel machen. Es gibt hier viele Menschen, die Orte der Ruhe für sich finden.


Welche Rolle spielt das Meer?
Wenn Menschen das Meer sehen, erleben sie Spiritualität. Wir erfahren Lebensrhythmus, Kommen und Gehen, reiche und dürre Zeiten. Das kann man einfach so mitnehmen.


Wie entwickelt sich Deine Gemeinde?
Wir haben eine Kerngemeinde und leben im Austausch mit Menschen, die hier ihre zweite Heimat finden oder nur Urlaub machen. Die gehören dazu.

Bei uns im Ruhrgebiet haben Kirchen Nachwuchsprobleme.
Diese Themen erreichen uns hier auch. Der Pfarrstellenplan zum Beispiel sieht vor, dass eine ganze Stelle auf der Insel wegfallen soll.

Wir versuchen das gerade mit einer Eingabe an die Synode noch zu ändern. Wir haben rund 10 000 Menschen, die hier immer wohnen, und 40 000 sind wir in der Hochsaison. Und wir haben eigentlich nur zwei Monate, in denen es ruhiger ist, im November und Februar.


Was ist mit Terror und Angst, zum Beispiel Nizza und Würzburg, erreichen Dich diese Themen in dieser Abgeschlossenheit der Insel?
Natürlich. Und der Umgang damit kann zum Beispiel beim Pilgern eine Rolle spielen. Oder im Gottesdienst. Wir haben 100 Flüchtlinge auf der Insel, die wir gut integrieren, weil wir eine so kleine Gemeinde sind. Wir haben Gesprächskreise, in denen die Menschen genauso wie auf dem Festland fragen: Was ist mit dem Islam? Was ist mit dem Terror? Wird uns das auch hier erreichen? Wie soll es weitergehen? Wie sicher sind wir hier? Wir sind nicht sicher. Da bin ich ganz sicher.



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