Nordfriesland 2010 / Teil I : Wetter-Kapriolen und ehrgeizige Pläne

Ein Motiv fürs Fotoalbum:   Postschiffer Fiede Nissen  vor seiner eingefrorenen 'Störtebekker', im Hintergrund die Hallig Langeneß. Foto: hn
Ein Motiv fürs Fotoalbum: Postschiffer Fiede Nissen vor seiner eingefrorenen "Störtebekker", im Hintergrund die Hallig Langeneß. Foto: hn

Bewegte Zeiten an der Westküste:

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05. Januar 2011, 11:21 Uhr

Nordfriesland | Der Anfang war auch das Ende: Zum Jahresbeginn 2010 hielt der Winter Nordfriesland lange in seinem eisigen Griff fest und brach im November erneut über Nordfriesland herein. Das weiße Märchen sorgte im vergangenen und zu Beginn des neues Jahres aber nicht nur für schöne Momente bei Spaziergängen oder Spaß im Schnee beim Rodeln am Deich, sondern für schwierige Verkehrsbedingungen - besonders für Berufspendler wurde die Fahrt zum Job länger und anstrengender.
Schiff blieb liegen

Eis und Schnee machten auch dem Postschiffer der Halligen, Fiede Nissen, das Leben schwer. So musste sein Motorboot "Störtebekker" über Weihnachten vor Langeneß liegen bleiben, während der 61-Jährige die Weihnachtspost per Lore nach Oland und Langeneß transportierte.

Und die kalte Jahreszeit kostet: Im Juni 2010 hatten die Kreistagsabgeordneten außer der Reihe 435 500 Euro bewilligen müssen, damit Winterschäden an Kreisstraßen repariert werden konnten. Wie die Rechnung nach diesem Winter aussehen wird, bleibt abzuwarten.
Klimakampagne in Nordelbien

Experten versichern, dass die strengen Winter in vielen Gegenden der Erde keineswegs die globale - von Menschen mit verursachte - Erwärmung in Frage stellen: Vielmehr sind Wetterextreme eine Folge des Anheizens des Klimas durch Treibhausgase. Es muss also dringend etwas geschehen, um die CO2-Bilanz in der Welt zu verbessern - das wissen auch die meisten Nordfriesen. Ihre Region soll laut Beschluss des Kreistages die klimafreundlichste in ganz Deutschland werden. Unterstützung gibt es von Seiten der Kirche: Im Christian-Jensen-Kolleg in Breklum rief die damalige Bischöfin Maria Jepsen eine "Klimakampagne" für ganz Nordelbien aus. Bis 2015 soll nun der energetische Zustand der etwa 5000 Gebäude der Kirche so verbessert werden, dass ein Viertel der CO2-Emissionen eingespart wird. Ein teurer Arbeitsauftrag auch für den Kirchenkreis Nordfriesland, in dessen Verantwortung rund 500 Pastorate, Kirchen, Kindergärten und Beratungsstellen fallen, die teilweise eine aufwendige Wärmedämmung benötigen.

Vorbildlich läuft es in Sachen Klimaschutz durch Solar-, Wind- und Biomasse-Nutzung bereits seit langem mitten im Meer: auf Pellworm. Im Herbst sind die Insulaner für ihr Modell für eine "100-Prozent-Erneuerbare-Energien-Kommune" mit dem ersten Platz bei der "Energie-Olympiade" des Landes belohnt worden - 30 000 Euro gab es obenauf. Die Pellwormer haben sich wie die Kirche ein ambitioniertes Ziel gesteckt: So soll ihre Insel bis 2020 zum Exporteur regenerativer Energien werden. Die Gemeinde hat dafür ein Konzept und einen Masterplan mit Dutzenden Maßnahmen und Bürgerbeteiligung aufgelegt. "Überzeugend", befand die Jury der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein, die den Wettbewerb ausgelobt hatte.

Die Mitarbeiter der Stiftung werden die Aktionen der Pellwormer allerdings nur noch bis Ende 2011 verfolgen können: Der Landtag hat im Zuge seines Spar-Haushalts die Auflösung der Einrichtung beschlossen.
Küstenschutz mit Extra-Tarif

Mehr sparen, mehr einnehmen - diese Marschrichtung wird künftig zwecks Sanierung der Landesfinanzen verfolgt. Von den vom Meeresspiegel-Anstieg besonders bedrohten Nordsee-Anliegern soll von 2012 an eine Küstenschutz-Abgabe erhoben werden. Das konnte auch massive Kritik von der Westküste, aus der Wirtschaft und den eigenen Reihen der Kieler Koalitions-Fraktionen nicht verhindern. Zunächst soll zwar noch geprüft werden, ob sich zusätzliche Millionen Euro für den Küstenschutz auch auf andere Weise auftreiben lassen. Aber man muss schon ein grenzenloser Optimist sein, um wirklich an einen Erfolg dieser "Bemühungen" glauben zu können.

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