Alkersum : Wenn Trauer gar nicht traurig klingt

Die gute Laune des Trios war ansteckend.
Die gute Laune des Trios war ansteckend.

Schleswig-Holstein Musik Festival: Junge Musiker aus Bayern und alte Musik aus aller Welt ergaben einen wunderschönen Abend.

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13. August 2018, 17:00 Uhr

Trauermusik – für einen heiteren, lauen Sommerabend hörte sich das nach ziemlich schwerer Kost an. Nun gut, die, die dieses Programm im Museum Kunst der Westküste aufführen wollten, sind Kinder von Michael Well, einem der Begründer der legendären bayerischen Musikkabarett-Band „Biermösl Blosn“. Ja, und wenn die Kinder nur ein bisschen vom schrägen Humor des Vorfahren geerbt haben ...

Sie haben, sorgten mit launigen Ansagen und witzigen Geschwister-Frotzeleien dafür, dass in diesem Konzert so viel und so laut gelacht wurde, wie das nur selten bei Klassik-Abenden der Fall sein dürfte. Die beiden Wells können urkomisch sein, sie sind aber vor allem eins: ernst zu nehmende hervorragende junge Musiker. Maria, 29 Jahre alt, ist eine preisgekrönte Cellistin, Matthias, gerade erst 25, ein virtuoser Geiger, der dieses Trauer-Programm für den Fanny-Mendelssohn-Förderpreis zusammengestellt und damit prompt gewonnen hatte. Und der dritte im Bunde, Vladislav Cojocaru, ist – auch wenn Maria Well grinsend erzählte, dass sie „den Vlad“ als Straßenmusiker am Münchner Marienplatz aufgegabelt hätte – ein großartiger, ebenfalls mit Preisen bedachter Akkordeonist.

Trauermusik aus verschiedenen Kulturkreisen hatten die drei dem Föhrer Publikum mitgebracht, Musik, die zeigt, wie unterschiedlich die Menschen mit Trauer und Abschiednehmen umgehen, Musik, die oft ganz und gar nicht traurig, sondern von ansteckender Fröhlichkeit und Lebendigkeit ist. Aber – ob leise und getragen oder temperamentvoll und laut, vor allem bewirkt sie eines: Sie ist Balsam für die Seele.

Musik aus Italien und Indien, vom Balkan, aus Irland, aus Schottland und Amerika war an diesem Abend zu hören – und mit dem „Allerseelen-Jodler“ auch aus der bayerischen Heimat der Wells. Doch das Trio spielte nicht nur Trauerweisen, war bei den rumänischen Volkstänzen Béla Bartóks genauso virtuos, wie bei Tangos von Astor Piazzolla oder einer der Gymnopédies von Eric Satie.

Ein wunderschönes Konzert, dem die Zuhörer noch lange hätten weiter lauschen mögen. Und auch die drei Musiker hatten nach den zwei Stunden in „Grethjens Gasthof“ noch längst nicht genug. Auf der Fähre nach Dagebüll spielten sie munter weiter – eine tolle Zugabe für die Konzertbesucher, die vom Festland angereist waren und mit dem Trio zurück fuhren.

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