Föhr und Amrum : Wenn Fische und Menschen schwitzen

Mit einem Eisblock verschafft Walter Stubenrauch den Aquarientieren im Nationalpark-Haus Abkühlung.
Mit einem Eisblock verschafft Walter Stubenrauch den Aquarientieren im Nationalpark-Haus Abkühlung.

Die Sommerhitze sorgt für Besucherrückgänge in Ausstellungen, Museen und Wellenbad. Vor allem mittags suchen manche aber auch gezielt klimatisierte Räume auf.

shz.de von
08. August 2018, 12:00 Uhr

Ein Aquarium, das mit Eisblöcken gekühlt werden muss! Wer hätte das erwartet? Und dabei wollten wir nur anfragen, wie es sich bei diesem Obersupersommer denn mit dem Andrang bei den Drinnen-Aktivitäten verhält; wer sich langweilt und wer jetzt erst richtig ins Schwitzen kommt. Und dann diese Info: Dem Getier in den vier Becken des Wyker Nationalpark-Hauses muss Leiter Walter Stubenrauch täglich mit gefrorenem Salzwasser nachhelfen, damit die Schwimmumgebung wohl temperiert bleibt. 15 Grad sei optimal, 17,4 auch noch okay. „Wir hatten mal 19,7, und hätten wir nicht sofort etwas unternommen, wäre das Thermometer noch höher geklettert,“ sagt Stubenrauch. Für das Kühlaggregat gibt es eigentlich eine Klimaanlage. „Aber unsere Technik steht in der Abseite unter der Dachschräge und da ist es so heiß, dass auch die Klimaanlage kämpft.“ Also füllen er und seine Kollegen regelmäßig zig Fünf-Liter-Eimer mit Salzwasser aus dem Becken, frieren sie über Nacht ein und lassen sie als Block tagsüber in die Aquarien zurückgleiten, die alle vier durch einen einzigen Wasserkreislauf miteinander verbunden sind. Die Seesterne und Plattfische lassen sich von dem schwimmenden Eisblock nicht stören, aber der kleine Hai zeigt Regung. „Der Katzenhai ist immer sehr aufgeregt, wenn etwas Neues kommt.“

Wer mag bei so viel Aufregung noch weiter fragen, wie sich das mit den Besucherströmen verhält?! „Wir merken natürlich dass es jetzt viel, viel weniger sind“, sagt Stubenrauch. „Aber wenn wir bei Nieblum ins Watt gehen, da sind immer viele Interessierte dabei.“ Das kann auch Amrums Nationalparkwattführer Dark Blome bestätigen, der jeden Tag zwischen den Inseln wandert. „Und zur Kormoraninsel zwischen Sylt, Föhr und Amrum könnte ich jeden Tag gehen, so viele wollen da hin“, sagt er.

Im Wyker Friesenmuseum ist es inzwischen trotz Reetdach sehr warm. „Es kommen viel, viel weniger Menschen“, sagt Leiterin Jutta Kollbaum-Weber. Das umfangreiche Kinderprogramm werde noch wahrgenommen. „Aber uns fehlen die Regentage“, sagt sie lachend. „Es gibt ja einfach keine schlechten Tage mehr in diesem Ausnahmesommer.

„Wieso?“, fragt Amrums Inselbahnbetreiber Hinrich Friedrichs. „Wenn die Sonne scheint, ist die Welt doch in Ordnung.“ Er hat in seinen Fahrzeugen die Fenster auf und immer Gäste drin. Während durch den Zug „Paul“ eine leichte Brise weht, wird er beim „Paula“-Bus schon mal gefragt, wo die kühleren Plätze seien, sagt er. „Unten natürlich.“ Er könne gar nicht sagen, ob das nun mehr oder weniger Gäste seien. Auf jeden Fall sei Sonne kein Anlass für Beschwerden. „Die gibt es nur bei Regen.“ Auch sein Föhrer Kollege Uwe Piske hat in den zwei Wagen seines Friesenexpress alle Fenster auf. „Es ist draußen genauso warm wie drinnen, aber das passt schon.“

„Die Leute gehen in der Nordsee schwimmen und nicht bei uns“, stellt Kurt Weil gleich klar. Der Geschäftsführer der Wyker Tourismus GmbH macht sich da gar keine Illusionen, zurzeit sind auch Schwimmbecken mit Meerblick keine Verlockung. „Es ist deutlich weniger los als im vergangenen Jahr, da war im Juli und August jeden Tag die Bude voll.“ Wer morgens seine Bahnen schwimmt, kommt aber trotzdem weiterhin, und auch die Aqua-Jogging-Kurse seien gut besucht. „Wer sportiv unterwegs ist, kommt nach wie vor, aber die anderen Leute können sie jetzt wirklich nicht bewegen, ins Schwimmbad zu gehen.“

Im Amrumer Abenteuerland, der Großsportundspielhalle mit Billard, Kicker, Trampolin und Hüpfburg sei es derzeit „sehr übersichtlich“, wie Mario Arnoldo sagt. „Wobei gerade Familien mit ganz kleinen Kindern im Moment gern zu uns kommen, denn die Lütten bruzzeln am Strand ja weg.“ Junge Pärchen würden sich auch einfinden, um einfach mal zwei Stunden in Ruhe eine Runde Billard zu spielen.

Im Museum Kunst der Westküste haben sie unterm Strich zwar rund 15 Prozent weniger Besucher, sagt Shop-Leiterin Yvonne Nößler, „aber dafür kommen mehr Tagesgäste – sowohl von Amrum als auch vom nahen Festland. Und die kommen eben sehr gezielt, das freut uns.“ Dafür fehlten die Schlechtwettertouristen, was im Mittel das leichte Minus ausmache. „Gerade in der Mittagszeit merken wir, dass die Leute klimatisierte Räume suchen.“

„Nordsee ist Mordsee“ und „Insel der Seefahrer“ – trotz so erfrischender Themen erzählt auch Kai Quedens derzeit vor weniger Zuschauern. „Vor allem wenn abends Badezeit ist, kommen natürlich viel weniger“, sagt Quedens. Auf der anderen Seite nutzen viele das gute Wetter auch für einen Fahrradausflug zu seinen Vorträgen.

Im Inselkino auf Amrum ist es mittlerweile jeden Tag voll. Was vielleicht auch am neuen Amrum-Film „Luv & Lee“ liegt, bei dem schon das Plakat viel kühle Nordsee verspricht. „Die Leute hatten Sonne, Sonne, Sonne. Jetzt fliehen viele vor der Hitze“, sagt Theaterleiterin Anna Schmidt. „Selbst mittags spielen wir teilweise schon vor vollen Sälen.“ Es seien im Moment auch gute Filme im Angebot: „Mamma Mia“ sei der Renner und bald kommt der Horrorstreifen „Meg“. Mit Riesenhai und tiefstem Pazifik – auch das verspricht Kühle.

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