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Friesische Redewendungen : Wenn es in Maasbüll donnert und von den Dünen riecht

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Alkersumer Ferring-Stiftung arbeitet an einem neuen Lexikon. Bei einem Vortrag wurde das Projekt vorgestellt.

„Hi as rocht wat apkalfaatet“ (Er ist ziemlich aufkalfatert ) sagt man einem Menschen nach, der sich betont jugendlich gibt beziehungsweise schönheitschirurgisch „aufgemöbelt“ wurde (kalfatern = hölzerne Schiffswände mit geteertem Werg in den Fugen abdichten). Ganz typisch für Föhr und Amrum seien Redewendungen, die einen Bezug zur Seefahrt hätten, so Dr. Volkert Faltings in seinem Referat in der Alkersumer Ferring-Stiftung über das Thema „friesische Redewendungen auf Föhr und Amrum“.

Im Gegensatz zu einem Sprichwort, das quasi wie ein Zitat vom Inhalt eines anderen Satzteiles abgelöst stehen könne und das die Form einer festen und unveränderlichen Formulierung habe, sei eine Redewendung durchaus veränderbar. Die phraseologischen Erscheinungen, so der Fachbegriff, verfügten auf den Inseln über einen schier unergründlichen Schatz, so der Referent, wobei Redewendungen in allen Sprachebenen vorkämen und auch keineswegs nur im Friesischen.

Das Besondere an den Föhr-Amrumer Redewendungen ist aber die Tatsache, dass sich seit Jahren ein Arbeitskreis von 16 Frauen regelmäßig in der Ferring-Stiftung trifft, um mit Faltings und seinem Amrumer Kollegen Reinhard Jannen zusammen diese in einem Lexikon zu sammeln. Bis heute hat der Arbeitskreis bereits 750 Din A4- Seiten zusammengestellt, Faltings erwartet nach Abschluss des Projektes sogar mehr als 900 Seiten. Nach dem Sprichwörterbuch, das 2012 herausgegeben wurde, wird es ein weiteres umfassendes Lexikon geben, das einen besonderen Sprachschatz der Inseln beherbergt.
„Passt gut auf Eure Frauen auf“, so denn auch der Ratschlag einer renommierten Sprachwissenschaftlerin der Universität Münster, die gleichermaßen mit Bewunderung und Neid auf das fleißige Streben auf der Insel Föhr blickt.

Redewendungen seien Charakterisierungen, keine Belehrungen, so Faltings, der anhand vieler Beispiele verdeutlichte, wie eine Redewendung eine Verhaltensweise oder das Wesen einer Person auf den Punkt bringen kann. „En swin käänt ham bi a snüütj“ (Ein Schwein erkennt man an der Schnauze) charakterisiert eine ordinäre Person, die man an ihren zotigen Reden erkennt; wer etwas altklug und naseweis wirkt, „snaaket, üüs wan’r al en romp apsleden hed“ (als hätte er bereits ein Leibchen aufgetragen).

Phraseologien finde man in Nebensätzen, im Gebrauch von Rufnamen („Piter Simpel“ ist der Einfaltspinsel) oder bei Vergleichen („hi sopt üüs en elk“ – er säuft wie ein Marder). Zumeist beträfen sie negative (menschliche) Eigenschaften, so Faltings, wobei die nordischen Länder eher zu Untertreibungen neigten, die Südländer eher zu Übertreibungen.

Gerade auch bei Tabu-Themen fänden Redewendungen ihren Einsatz, erklärte der Redner. So werde das Ableben oder die Sexualität eines Menschen gerne mit Phraseologien umschrieben. Wer mit „taarepshole“ (Dorfbulle) betitelt wird, kann davon ausgehen, dass er nicht nur in der unmittelbaren Nachbarschaft als Schürzenjäger verschrien ist.

Manchmal helfe ein Redewendung auch, peinliche Situationen zu entschärfen, denn ein Furz in der Öffentlichkeit, der mit dem Kommentar „diar tonert det jo wel bi Moosbel“ (da gewittert es ja wohl bei Maasbüll) ins Freie gelangt, sei für den Verursacher allenfalls ein kleines Missgeschick. Und der manchmal damit einhergehende Geruch werde von den Amrumern mit „diar komt so’n disem faan düünem“ (da kommt so ein heftiger Geruch aus den Dünen) abgemildert.

„Die Föhr-Amrumer Redewendungen sind vielfältig und komplex“, bestätigte Faltings den Zuhörern, „sie geben einen Eindruck, wie sich die Menschen hier fühlen und sind als Eingliederung in die gemeineuropäische Kultur und das gemeinsame Geistesbild zu sehen.“

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