Wyk : Wenn du Grün willst, tu Rot dazu

Was die beiden Künstler jetzt malen, wird nächstes Jahr im Friesenmuseum gezeigt. Fotos: ubs
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Was die beiden Künstler jetzt malen, wird nächstes Jahr im Friesenmuseum gezeigt. Fotos: ubs

Margreet Boonstra und André Krigar arbeiten eine Woche auf Föhr. Sie müssen aufpassen, nicht alles malen zu wollen.

shz.de von
10. August 2018, 12:00 Uhr

Margreet Boonstra wollte unbedingt an den Strand und die Sommerstimmung malen. Jetzt steht sie auf der Promenade Höhe Leuchtturm und hat die DLRG-Station im Blick, dahinter den Hafen, dazwischen Strand. „Im Sommer ist das Sonnenlicht so scharf. Wie man das richtig rausholt, das ist ein spannendes Thema.“ Boonstra ist eine von elf Pleinair-Künstlern – Anhänger der Freiluftmalerei – die im Auftrag des Friesenmuseums die Insel so malen, wie sie ihnen beim Durchstreifen passiert. Gedacht sind die Kunstwerke dann nächstes Jahr für eine Ausstellung zur 200 Jahr-Feier des Seebades Wyk.

Die Sonne brennt. „Du musst ganz helle Gegenstände hell lassen und alles Dunkle viel dunkler malen, als du dir das vorstellst. Das ist eine Herausforderung.“ Margreet Boonstra kommt aus Friesland. Die 51-Jährige hat an der Kunstakademie in Groningen studiert und lebt mittlerweile in Drachten, im Osten Frieslands. Sie ist, genau so wie ihr Mit-Föhrfahrer, der Maler André Krigar, Mitglied der „Norddeutschen Realisten“.

Boonstra und Krigar sind zum ersten Mal auf der Insel.

Eine Woche werden sie malen, malen, malen. Sie waren schon am Hafen, hinterm Deich und einmal quer die Insel. „Es gibt ein Feld bei Utersum, das will ich noch malen“, sagt Krigar. „Eigentlich haben wir Frau Kollbaum-Weber versprochen, nicht so viel Landschaft zu malen“, fügt er hinzu und lacht. „Aber für den Künstler sind Farben alles. Wo die Leute Motive sehen, sehen wir Farben.“

Auch Krigar steht konzentriert auf der Promenade. Vor ihm auf der Bank genießen zwei Frauen schon längere Zeit den Schatten. Krigar hat sie sofort mit in seine Landschaft getuscht. „Das hat sich jetzt zu einem kleinen Porträt entwickelt“, scherzt er, „denn meistens ist es ja so, dass man die Personen gar nicht dazu bekommt, irgendwo länger sitzen zu bleiben.“

Die beiden Freiluftmaler können ihr Handwerkszeug problemlos mit sich herumtragen. Sie hat neben der Feldstaffelei eine Farbpalette, die zusammengeklappt in ihren Rucksack passt. „Die Ölfarben in dem Kästchen bleiben tagelang nass.“ Er hat neben sich einen Handwagen stehen mit unzähligen Tuben drin. Jeder hat ein Bündel Pinsel in der Hand, die beide mit einem dünnen Gummihandschuh schützen. „Die Pigmente in der Ölfarbe sind auf Dauer nicht gut für die Haut“, erklärt Krigar und macht sich an den Baum in seinem Bild. Kleine Farblehre: „Wenn du einen grünen Baum willst, musst du an der richtigen Stelle Rot dazugeben, damit das Grün grün aussieht.“

Beide lieben die Pleinair-Malerei. Landschaft, Porträts, die Spiegelungen von Licht, Wasser oder Wolken.









Wie gefällt Ihnen Föhr? „Ich muss versuchen, die Ruhe zu behalten“, sagt Boonstra. „So viele Eindrücke; das Wasser geht und kommt, das Wattenmeer ändert sich ständig, die Beweglichkeit der Menschen ... man muss aufpassen, dass man nicht die ganze Zeit nur über die Insel kreuzt.“ Sie würde gern noch ein Panoramabild mit den Halligen am Horizont malen. Die vielen Hügel, die Warften, erinnern sie an ihre Heimat.

Krigar, der mit seiner Staffelei in Blickrichtung Langeneß steht, zeigt auf ein paar kleine Farbklumpen am Horizont seines Bildes. „Hier sind meine Halligen, mehr biete ich nicht.“ Er lacht. „Dafür sind sie einfach zu weit weg.“ André Krigar hat schon mal auf Sylt gemalt. „Aber Föhr ist eine sehr vielseitige Insel, ich habe hier sofort viele Motive gefunden.“ Nach Nieblum möchte er unbedingt noch mal. Die Hauptstraße im Abendlicht an einer ganz bestimmten Ecke, die hat ihm gefallen. Und der

Glockenturm in Wyk bei Nacht, der gefällt ihm auch. Pleinair zu malen ist für den 66-Jährigen eine Lebenseinstellung. „Ich habe gemerkt, dass es mich davor bewahrt, immer in die gleiche Richtung zu denken.“ Er zitiert gern einen Freund, der sich an anderer Stelle diese Worte lieh: „Wenn man ein Leben lang im Atelier arbeitet, vergreist man“.

Margreet Boonstra hatte sich als geborene Friesin Hoffnung gemacht, das Föhrer Friesisch leicht zu verstehen. „Aber da sind schon viele Unterschiede“, sagt die Niederländerin und lacht. „Wir haben viel mehr I’s, und hier werden viele O’s und A’s gesprochen.“ Boonstra ist in ihrer Heimat von der Stadt zurück aufs Land gezogen. „Zurück in die Landschaft“, wie sie sagt. „Eigentlich sieht es bei mir aus, wie hier. Nur ohne Meer.“ André Krigar hat in Berlin an der Kunsthochschule studiert und lebt auch dort, und wenn man ihn fragt, dann sagt er, dass er schon sehr gerne in der Stadt male. Er steht mit seiner Staffelei oft auf der Straße Unter den Linden – neugierige Zuschauer um ihn herum. „Ich bin hier auf Föhr in den letzten Tagen oft gefragt worden, ob mich das nicht stört, ständig beim Malen angesprochen zu werden“, sagt er. „Aber das ist genau das, was ich brauche. Ich mag das, immer einem anderen Arbeitsrhythmus unterworfen zu sein.“

Die nächste Ausstellung, wo sie beide gemeinsam zu sehen sind, ist im September in Rendsburg in der Galerie Müllers. Allerdings nicht mit Bildern von Föhr. Die sind ganz speziell für das große Event der 200-Jahr-Feier. Über eine Handvoll Bilder hatten die beiden in ihren ersten Tagen auf der Insel bereits gemalt. „Ich werde meine mitnehmen nach Berlin und gucken, ob ich das Ziel erreicht habe“, sagt Krigar. Was ist das Ziel? „Wenn ich das in einem Wort beschreiben könnte, bräuchte ich ja nicht zu malen.“

Am Ende des Tages stehen die beiden immer noch an der Promenade. Die Sonne steht längst schräg, das Licht ist weich, die Schatten sind länger. Wie geht man um mit einer Natur, die sich verändert, während man sie malt? „Man malt eigentlich immer weiter und nimmt die Änderungen, die Zufälle und die guten Momente mit. Alles, was den Anfang verbessern kann, füge ich zu“, sagt Margreet Boonstra.

Die beiden Spaziergängerinnen sind

inzwischen von ihrer Pausenbank aufgestanden und haben sich neben André Krigar gestellt. Sie sind zufrieden mit ihren schemenhaften Konterfeis. „Und wenn es Ihnen nicht gefällt, können Sie uns ja wieder wegmalen.“

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