Nieblum : Wenn die Meere zum Meer wird

Die Enten freuen sich über ihr neues Terrain.
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Die Enten freuen sich über ihr neues Terrain.

Der Dorfteich läuft über. Anwohner ärgern sich über nasse Keller. Jetzt werden Pumpen eingesetzt.

shz.de von
28. Januar 2018, 15:30 Uhr

Besonders am Nieblumer Dorfteich Meere sind die Folgen des vielen Regens der letzten Wochen zu sehen: Bäume stehen unter Wasser, Wege sind überflutet. Die Enten freuen sich über ihr neues Terrain, ganz anders sieht es bei den Anwohnern aus. Fast jedes Haus mit Keller hat derzeit Probleme durch das Steigen des Grundwassers.

„Wie die Höhenschichtenkarte zeigt, liegt Nieblum ziemlich niedrig, nicht allzu hoch über dem Meeresspiegel und der tiefste Punkt ist die Meere“, erklärt der Geschäftsführer des Wasserbeschaffungsverbandes Föhr, Hark Ketelsen. „Umso niedriger die Geländeoberfläche, desto näher kommt man zum Grundwasser.“ Eine einfache Gleichung: In Nieblum steht derzeit das Grundwasser so hoch, weil das Land so niedrig liegt. Die Meere selbst stellt den Grundwasserspiegel dar, sie ist ein sogenannter „Grundwassersee“. Mit dem Grundwasserspiegel steigt also auch gleichzeitig der Pegel des Dorfteiches.

Der Grundwasserspiegel hat wegen des Reibungswiderstandes der Sandkörner, durch die das Wasser läuft, immer ein Gefälle. Deshalb hat er ein steileres Gefälle als zum Beispiel eine Wasseroberfläche, die frei liegt. Damit ist auch der hohe Wasserstand der Meere zu erklären: „Wenn man einen Teich gräbt, steigt das Gefälle meistens von der Teichmitte weg an. Hinzu kommt die Verdunstung im Teich“, verdeutlicht Ketelsen. „Wenn es jetzt regnet, steigt das Grundwasser und durch das Gefälle hin zum Teich läuft das Wasser dementsprechend auch schneller dorthin.“

Außerdem kann es passieren, dass sich das Grundwasser bei lehmigen Bodenschichten schnell oberflächennah aufstauen kann. Denn Lehmböden sind schwerer und das Wasser kann nicht gut durchsickern.

„Seit 25 Jahren hatten wir kein Wasser mehr im Keller“, berichtet Jürgen Hansen, der ein Haus in der Strandstraße besitzt „Am vergangenen Wochenende habe ich 25 Eimer Wasser aus unserem Heizungskeller geholt.“ Fast alle Häuser in Nieblum mit Keller haben derzeit das gleiche Problem in einem nie zuvor dagewesenen Ausmaß.

Die Gemeinde hat sich daher dazu entschlossen, das Grundwasser an der Meere abzupumpen – mit Erfolg: Seit gepumpt wird, trage ich weniger Eimer aus dem Keller “, so Hansen weiter. „Am Wochenanfang waren es elf, danach nur noch etwa fünf Eimer.“ Durch die Pumpe, die von morgens bis abends läuft, ist der Wasserspiegel der Meere bereits um etwa 40 Zentimeter abgesunken. Die Wege, die vorher noch überflutet waren, sind jetzt weitgehend frei.
„Wir lassen die Pumpe jetzt erstmal eine Woche lang weiterlaufen“, sagt Nieblums Bürgermeister Freddy Riewerts. „Und dann wollen wir mal sehen, ob das Wasser gleich wieder hochkommt.“

Die einfachste Lösung wäre aber wohl ein schnelles Ende dieses so nassen Winters.

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