Wyk : Wenn der Amtsschimmel wiehert

 Baubeginn im Haus Jansen (re.) neben dem Museumsgelände soll nun im Herbst sein.
Baubeginn im Haus Jansen (re.) neben dem Museumsgelände soll nun im Herbst sein.

Die Erweiterung des Friesenmuseums verzögert sich wegen immer neuer bürokratischer Hürden. Die Besucherzahlen wurden 2017 gehalten.

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08. Juni 2018, 12:00 Uhr

Behördenmühlen mahlen langsam. Das musste auch die Leiterin des Wyker Friesenmuseums, Jutta Kollbaum-Weber, erfahren. Schon vor einem Jahr hatte sie mit dem Umbau des neben dem Museum gelegenen Haus Jansen beginnen wollen, um das das Museum erweitert werden soll. Doch vor der Bewilligung von Fördermitteln stand Papierkram über Papierkram, wurden immer neue Unterlagen angefordert. „Sämtliche Anträge wurden im März beim zuständigen Ministerium eingereicht, eine Zusage wird Ende Juni erwartet“, berichtete sie bei der Versammlung des Museumsvereins. „Die Verzögerungen erklären sich mit zahlreichen Nachforderungen des Landes“, so die Museums-Chefin weiter. Die bereits vor zwei Jahren erteilte Baugenehmigung habe neu eingeholt werden und der Architekt habe die Kostenaufstellung überarbeiten müssen, weil sich in der Zwischenzeit die Baukosten erhöht hätten. Das Vergabeverfahren der Projektmittel gestalte sich äußerst kompliziert. „Es mussten zwei Anträge verfasst werden, einer für Tourismus und der zweite für Energie. Diese gesamten Unterlagen musste das Amt in dreifacher Ausführung auf Papier nach Kiel senden, hunderte von Seiten“, berichtet Kollbaum-Weber, die nun hofft, dass im Herbst endlich mit dem Bau begonnen werden kann.

Aber sie konnte den Vereinsmitgliedern auch Positives berichten. So hielten sich die Besucherzahlen im verregneten Jahr 2017 bei 31 000, und das, obwohl sich der Wegfall von Kinderheimen und Schulklassen in den zurückliegenden Jahren negativ ausgewirkt hätte. „Trotzdem haben wirgleich bleibende Zahlen, das bedeutet, dass wir erwachsene Einzelbesucher dazu gewonnen haben“, freut sich Kollbaum-Weber, die diese Entwicklung auf attraktive Angebote wie Sonderausstellungen und Führungen zurückführt. So sei im vergangenen Sommer die Cartoon-Ausstellung „Wale Kapitäne und Kollegen“ sehr erfolgreich gewesen. „Diese Ausstellung war Werbung für die ganze Insel“, so die Museums-Leiterin, die berichtete, dass nun angedacht sei, sie zu einem sich alle paar Jahre wiederholenden Inselereignis zu machen.

Die Sommer-Ausstellung 2018, die in Zusammenarbeit mit der Wyker Buchhandlung veranstaltet werde, habe ebenfalls maritimen Charakter. Gezeigt werden vom 14. Juli bis 30. September Arbeiten des Malers und Grafikers Ole West. Er habe sich in den letzten Monaten mit der Föhrer Geschichte und der Walfängertradition beschäftigt und speziell für die Ausstellung im Friesenmuseum Bilder angefertigt.

Und auch 2019, im Jahr des 200. Seebad-Jubiläums, ist eine große Sonderschau im Wyker Museum geplant. „Dazu planen wir eine Ausstellung mit der Künstlergruppe der Norddeutschen Realisten“, kündigt Kollbaum-Weber an. „Wir haben Künstler zu einem Maler-Symposium nach Föhr eingeladen mit der Aufgabe, die Insel und das Seebadleben aus der heutigen Perspektive zu malen“, berichtet sie. Dieser Einladung seien elf Maler gefolgt, die in einigen Wochen zum Arbeiten nach Föhr kommen werden.

Nicht nur zu den Sonderausstellungen lohnt sich ein Museumsbesuch, dank etlicher Schenkungen und Neuanschaffungen gibt es auch in der Sammlung immer wieder etwas zu entdecken. So wurden dem Museum im vergangenen Jahr zwei Beilklingen aus der mittleren Jungsteinzeit überlassen, die 1958 als Beifang in einem Fischernetz vor Wyk gefunden wurden. Außerdem sind dem Museum ein Ingwertopf, den ein Föhrer Seefahrer aus China mitgebracht hat, sowie ein ebenfalls von einem Seemann nach Föhr gebrachter Bastkorb aus Indonesien geschenkt worden. Angeschafft wurde unter anderem ein Trachtenfilm, der ab kommendem Jahr an einer Medienstation gezeigt werden soll.

„Das Friesen-Museum ist eines von 19 Museen in Schleswig-Holstein und Süddänemark, in dem es ethnografische Objekte gibt“, berichtete Kollbaum-Weber. „Die Föhrer Seefahrer brachten Souvenirs von ihren Reisen in die entlegensten Gebiete der Erde mit zurück. Einige von ihnen sind in der Ausstellung des Museums präsentiert, andere im Magazin verwahrt.“ Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Dreijahresprojektes sollen diese Objekte jetzt erforscht und digitalisiert werden, um sie für Bildung und Wissenschaft zugänglich zu machen.

Besuchermagneten waren auch im vergangenen Jahr wieder das Museumsfest im Sommer sowie der Adventsmarkt, der mit rund 3000 Gästen der besucherstärkste Weihnachtsmarkt im Friesenmuseum gewesen sei – und das Winterkino. Diese neue Veranstaltungsreihe sei von Beginn an sehr erfolgreich gewesen. „Mit 40 Besuchern waren wir immer ausgebucht“, freut sich Jutta-Kollbaum-Weber. Und konnte noch einen positiven Nebeneffekt vermelden: Die Kinoabende hätten zu neuen Beitritten zum Museumsverein geführt.

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