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Wenn das Meer die letzte Ruhestätte sein soll

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Adler-Schiffe übernehmen die Sylter Seebestattungs-Reederei

„Es ist seemännisch gehalten. Der Ablauf ist so, dass die Angehörigen an die Pier kommen, und ich sie da oben begrüße, dann runter in den Aufenthaltsraum führe, um dort etwas von Wind und Wetter zu erzählen. Wenn wir die Position der Beisetzung erreicht haben, gehen wir, nachdem ich die Abschiedsworte gesprochen habe, auf die Steuerbordseite - die gute Seite des Schiffs - und übergeben die Urne der See. Das Schiff fährt dann einen Ehrenkreis. Mit der Schiffsglocke ertönen vier Doppelglasen. Wir Glasen* zur letzten Wache. Dann kehrt das Schiff zurück in den Hafen“. Wenn Fritz Ziegfeld von der Seebestattung erzählt, klingt die Zeremonie nüchtern. Aber man spürt seine innere Teilnahme, den Ernst, mit dem er seine Aufgabe ausführt, die Würde, mit der der Mann mit dem Aussehen eines alten Kapitäns den Abschied gestaltet, den Angehörige von einem Menschen nehmen, der auf hoher See beigesetzt werden wollte.


Immer mehr Seebestattungen


Seebestattung klingt für viele Menschen fremd oder gar exotisch. Und doch, „die Zahl derjenigen, die eine Bestattung auf See wünschen, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Auch weil sich unsere Bestattungskultur radikal verändert hat. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Beisetzung ohne feste Grabstelle, möchten auf anonymen Friedhöfen ihre letzte Ruhe finden“.

Vor 30 Jahren entschied sich Fritz Ziegfeld seinen Beruf als Zollbeamter an den Nagel zu hängen, um sich ganz der Aufgabe eines Seebestatters zu widmen. Der gelernte Nautiker war zur See gefahren, besitzt das Kapitänspatent und kannte von seinen Fahrten die Seebestattung. „Damals konnten sich nur Menschen auf dem Meer beisetzen lassen, die eine Beziehung zur Seefahrt nachweisen konnten. Eine Verordnung, die dies regelte, wurde vor ungefähr 20 Jahren abgeschafft und damit war die Möglichkeit gegeben, dass sich jeder für diese Bestattungsform entscheiden kann“.

Fritz Ziegfeld war auf Sylt der Erste, der Bestattungen auf der Nordsee durchführte, weil er erkannte, dass immer mehr Menschen sich so ihren Abschied von der Welt wünschen. Die Liebe zum Meer oder zur Insel Sylt ist dafür oft das wesentliche Motiv. Eines, das auch viele Nicht-Insulaner bewegt, diese Beisetzungsform zu wählen.


„Es sind oft sehr bewegende Momente“


Mit seinem Schiff Ekke Nekkepen, das im Hörnumer Hafen liegt, gestalten der 65-Jährige und seine Frau Susanne seit rund 30 Jahren die letzten Fahrten zu dem Platz, wo die Urne des Verstorbenen dem Meer übergeben wird. „Es sind oft sehr bewegende Momente, auch wenn wir die Angehörigen in der Regel erst auf der Fahrt kennenlernen“, erzählt Susanne Ziegfeld. Denn anders als der Beerdigungsunternehmer auf dem Festland, der meist alle Formalitäten, vielfältige Vorbereitungen und schließlich auch die Beisetzungsfeierlichkeiten für die Hinterbliebenen regelt, kommt der Seebestatter erst dann dazu, wenn „oft schon die Trauerfeier einige Wochen zurückliegt, der erste Schmerz bei den Angehörigen etwas verklungen ist“. Und doch erleben Susanne und Fritz Ziegfeld berührende, traurige, aber auch hoffnungsfroh stimmende Begegnungen. „Wenn man gut zuhören und einen Menschen auch mal in den Arm nehmen kann, sind diese Momente wertvoll und unvergesslich“, hat Susanne Ziegfeld in all den vergangenen Jahren erlebt.


Das war kein cooler Deal


Es ist wohl diese Erfahrung und die vielen Begegnungen, die sie etwas wehmütig werden lassen, wenn sie darüber spricht, dass sie und ihr Mann die Seebestattung „jetzt in gute, nein, sehr gute Hände gelegt haben“. Zum 1.Februar hat das Sylter Ehepaar ihr kleines Unternehmen an Sven Paulsen und seine Reederei Adler-Schiffe übertragen.

Das war kein cooler Deal. „Nein, es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Seebestattung auf Sylt an jemanden zu übergeben, der eine so enge Beziehung zur Seefahrt, zur Insel und auch zur Seebestattung hat wie Sven Paulsen“, betont Fritz Ziegfeld. Für den Sylter Reeder, dessen Schiffe in der Vergangenheit immer mal wieder bei Seebestattungen mit größeren Trauergesellschaften und Gedenkfahrten zum Einsatz kamen, ist die Übernahme des Beisetzungsschiffs Ekke Nekkepen und die der Sylter Seebestattungs-Reederei mehr als die Eröffnung eines neuen Geschäftsbereichs auf der Insel. „Wir bieten Seebestattungen bereits in einigen anderen Orten an der Nord- und Ostsee an und sehen, dass diese Form der Bestattung gerade auch auf Sylt immer häufiger gewünscht wird,“ begründet Sven Paulsen seine Entscheidung, die durchaus auch mit seiner persönlichen Einstellung zu dieser Bestattungsform zu tun hat: Sein Vater Kurt Paulsen, ebenfalls Kapitän, wurde erst vor gut einem Jahr auch auf See so beigesetzt.


Fritz Ziegfeld bleibt als Kapitän erhalten


Sven Paulsen, der ebenfalls das Kapitänspatent hat, wird allerdings nur in Ausnahmefälle selbst das Ruder in die Hand nehmen. „Bei uns im Haus haben wir dazu ein extra Büro geschaffen und ab sofort wird Karin Micklisch zusammen mit Petra Krüger den Bereich der Seebestattungen bei uns übernehmen. Fritz Ziegfeld wird uns als Kapitän trotzdem weiter erhalten bleiben und für die Adler-Schiffe auf der Ekke Nekkepen die Seebestattungen erst einmal weiter durchführen“. Und das, sagt Fritz Ziegfeld, „ist gut so“.


* Die Bezeichnung Glasen für die Zeitrechnung auf Seeschiffen leitet sich von den gläsernen Sanduhren (Stundenglas) her, die vor der Erfindung des Chronometers zur Zeitbestimmung an Bord dienten.

>www.sylterseebestattungsreederei.de

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erstellt am 10.Feb.2017 | 18:25 Uhr

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