letzte anlaufstelle sozialzentrum : Wenn das Einkommen nicht reicht

Nicht selten kommt der Rentenbescheid am Ende eines langen Arbeitslebens einem Schock gleich.
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Nicht selten kommt der Rentenbescheid am Ende eines langen Arbeitslebens einem Schock gleich.

Seit mehr als neun Jahren ist die Einrichtung in der Wyker Feldstraße für Föhr und Amrum zuständig, und für viele sind die Leistungen der im Gebäude der ehemaligen Kreisberufsschule untergebrachten Anlaufstelle noch immer ein Buch mit sieben Siegeln.

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21. März 2014, 08:00 Uhr

Seit mehr als neun Jahren ist das Sozialzentrum in der Wyker Feldstraße für Föhr und Amrum zuständig, und für viele sind die Leistungen der im Gebäude der ehemaligen Kreisberufsschule untergebrachten Anlaufstelle noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Weshalb Uwe Fester, Leiter des Sozialzentrums, vor dem Haupt- und Finanzausschuss des Amtes Föhr-Amrum einen Überblick über die Aufgaben und Ziele präsentierte.

Das Sozialzentrum in Wyk ist eines von sieben im Kreis Nordfriesland, die ihre Aufgaben ohne die Arbeitsagenturen bewältigen, nachdem der Kreis diese Option gewählt hatte. Aus Gründen der Bürgerfreundlichkeit, wie Fester erläuterte, „man wollte präsent sein und alle Leistungen in einer Hand vorhalten“.

Leistungen, die als Jobcenter das Arbeitslosengeld II betreffen, und im Falle der Grundsicherung, für Menschen die nicht mehr arbeiten können, die Sozialhilfe. Ausbezahlt werden überdies das Wohngeld (für Mietwohnungen) oder der Lastenzuschuss (für Wohneigentum), Bildungskosten für Kinder und Jugendliche sowie Leistungen für Asylbewerber. Schließlich kommt im Zwei-Wochen-Rhythmus ein Schuldnerberater ins Haus, den alle Insulaner aufsuchen können.

Neben den passiven Leistungen wie Regelleistungen, Mieten oder Beiträgen zur Krankenkasse gewährt das Sozialzentrum auch die sogenannten aktiven Leistungen. Zu denen zählen neben der Unterstützung bei der Arbeitssuche auch die Übernahme von Bewerbungskosten und Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber, die schwer zu vermittelnde Arbeitnehmer einstellen.

391 Euro erhalten Alleinstehende oder -erziehende monatlich. Ein deutschlandweit einheitlicher Betrag, der Alltagskosten wie Lebensmittel, Haushaltswaren, Strom und Kinokarten abdecken soll. Eng werde es, räumte Fester ein und verwies auf die Möglichkeit, den Sperrgutbasar zu nutzen, bei der Anschaffung etwa einer neuen Waschmaschine. Wichtige Dienste leiste auch die Föhrer Tafel, bei der die Leistungsbezieher einmal wöchentlich für einen Euro aus dem Angebot wählen können und dadurch finanziell entlastet werden.

141 Bedarfsgemeinschaften gab es im Dezember 2013 auf den Inseln, 109 auf Föhr und 32 auf Amrum. „Feststellen mussten wir in den vergangenen Jahren eine steigende Zahl der berufstätigen Leistungsempfänger“, betonte Uwe Fester, dass jene Menschen zunehmen, bei denen der Arbeitslohn nicht zum Leben reicht. Arm trotz Arbeit sei das Stichwort, „die Leute bemühen sich nach Kräften, aber es reicht nicht, um den Lebensstandard sicherzustellen“.

276 Personen erhielten 2013 auf Föhr und Amrum Arbeitslosengeld II, darunter rund 70 Kinder und Jugendliche. Die Grundsicherung erhielten 69 Personen, von denen etwa die Hälfte wegen Altersarmut auf Unterstützung angewiesen waren. 364 Personen insgesamt, so Fester, die 3,4 Prozent der Bevölkerung von Föhr und Amrum entsprechen.

Unter den Betreuten waren auch 19 Asylbewerber. Eine Zahl, die steigen werde, denn für 2014 seien bereits 33 Personen angekündigt, die aufgenommen werden müssten. Fester verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Problematik der Unterbringung der Menschen, auf Inseln, auf denen bezahlbarer Wohnraum ohnehin knapp sei.

Abschließend erfuhr der Ausschuss, dass die Papierflut im Sozialzentrum eingedämmt und Unterlagen sowie Bescheide künftig elektronsich gespeichert werden sollen.

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