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Im Wyker Hafen : Wenn Chor-Knaben Pop-Musik machen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Gelungener Auftakt der Schleswig-Holstein-Musik-Festival-Konzerte auf Föhr: Der A-cappella- Chor „Viva Voce“ bot an Bord der Autofähre „Nordfriesland“ einen erfrischenden Konzertabend.

„Und hier wird wirklich nicht getrickst?“ Diese Frage sind die fünf Sänger des A-cappella- Chores „Viva Voce“ längst gewohnt und liefern den eindeutigen Beweis: Mundschlagzeuger – und „nebenbei“ auch Bariton-Sänger – Jörg Schwartzmanns „spielt“ das Becken und die große Fußtrommel nur mit dem Mund. Das Publikum staunt und verstohlen schaut sich der eine oder andere um, ob nicht doch irgendwo ein Schlagzeug versteckt ist.

Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival ging Viva Voce auch auf Föhr vor Anker, was ein bisschen wörtlich zu verstehen ist. „An 107 verschiedenen Spielstätten sind wir schon aufgetreten“, so Tenor Bastian Hupfer, „und nun muss Viva Voce erst 19 Jahre alt werden, um auf einer Fähre zu singen.“

Das Fahrzeugdeck der WDR-Fähre „Nordfriesland“ war nicht zum ersten Mal zu einem Konzertsaal umfunktioniert worden, wobei die Akustik erstaunlich gut war und auch der frische Westwind draußen nicht störte. Ein beachtliches künstlerisches Repertoire und eine schlichte, aber dafür umso eindrucksvollere Performance auf der Bühnenseite, volle Reihen und eine gute Stimmung auf der Seite des Publikums sorgten für einen erfrischenden Konzertabend.

Die fränkischen Viva-Voce-Sänger starteten in einem klassischen Knabenchor, traten anfangs noch als Quartett auf, nahmen später Titel der Comedian Harmonists und Barbershop-Songs in ihr Programm mit auf und wurden zunehmend poppiger und fetziger. Seit 2002 ist Viva Voce als Quintett unterwegs (neben Bastian Hupfer und Jörg Schwartzmanns noch Bass Heiko Benjes, Tenor David Lugert und Bariton Mateuz Phouthavong), das nebenberufliche Singen wurde 2004 zum Hauptberuf, diverse Künstler- und Musikpreise krönten den Erfolg.

In ihrem Programm „Ego“ durften die begeisterten Zuhörer noch einmal Zeuge der Metamorphose vom Kirchenchorknaben zum Pop-Musiker werden, sich beim „Lied vom inneren Schweinehund“ ertappt fühlen oder kaum atmend Leonhard Cohens „Hallelujah“ lauschen.

Elvis Presleys „It’s now or never” als Duett mit Eduardo Di Capuas „O sole mio“ gesungen, klingt nicht nur fantastisch, es ist umso überzeugender, wenn der richtige Hüftschwung zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommt.

Großer Applaus, erst nachlassend nach mehreren Zugaben, entließ die Künstler in die windige Julinacht.













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