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hilfe in erziehungsfragen : Weniger reden ist manchmal mehr

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Welcher Stil ist richtig? Wilfried Brüning präsentierte im Wyker Kurgartensaal seinen Film „Wege aus der Brüllfalle“ und gab wertvolle Tipps.

„Erziehung ist ein schwieriges Geschäft, oder?“ Der studierte Medienpädagoge und Filmemacher Wilfried Brüning, der auf Einladung des Föhrer Landfrauenvereins auf die Insel gekommen war, erntete bereits bei seiner Eingangsfrage zum Vortragsabend „Wege aus der Brüllfalle“ ausnahmslos Zustimmung, von Kopfnicken seitens der zuhörenden Eltern und Großeltern untermalt.

Nach der sehr autoritären Erziehung, die viele Eltern selbst noch erlebt haben, und der antiautoritären Gegenbewegung, die Kindern keine Grenzen gesetzt hatte, wüssten heutige Eltern gar nicht mehr, was sie machen sollten und wählten vielfach die „experimentelle Erziehung“. „Jeder baut sich aus vielen Mosaiksteinchen seinen Erziehungsstil zusammen“, so der Referent. Erschwerend komme hinzu, dass nicht nur weitere, (harmlose) Institutionen wie Kindergarten und Schule an der Erziehung der Kinder mitarbeiteten, sondern auch aggressive in Form der Medien.

Eltern bräuchten sich überhaupt nicht zu schämen, wenn ihnen der Umgang mit ihrem Spross mal wieder nicht so gut gelungen sei wie sie es sich vorgenommen hatten. Im Gegenteil, aus jeder missglückten Situation könne man auch lernen, ermunterte Brüning seine Zuhörer.

Was aber ist zu tun, wenn nach mehrmaligem Bitten Sohn oder Tochter einfach nicht der Aufforderung nachkommen wollen und sich eine anfängliche höfliche Bitte in ein Anschreien wandelt? Auf der Grundlage seines Films „Wege aus der Brüllfalle“ konnte Brüning gut nachvollziehbare Alltagssituationen darstellen, Verhaltensweisen von Eltern aufzeigen, die zu Frust und Streit führen, und solche, die ohne viele Worte ein harmonisches Miteinander fördern.

Aber nicht nur der Film – bei aller Ernsthaftigkeit – entlockte den Zuhörern herzhafte Lacher, auch Brüning selbst erwies sich als bühnenreifer Entertainer, wenn es darum ging, typische Dialoge zwischen Eltern und Kindern vorzuführen.

In Konfliktsituationen empfahl er ein Drei-Stufen-Modell. Da Eltern 70 Prozent der Wirkung auf ihre Kinder durch Körpersprache erzielten, 20 Prozent durch Mimik und lediglich zehn Prozent durch Worte, riet Brüning, weniger zu reden. Kurze, präzise Anweisungen seien hilfreicher als lange Vorträge. Sollte das Kind der Aufforderung immer noch nicht nachkommen wollen, sollten Eltern auch einmal konsequent schweigen, eine unangenehme Nähe aufbauen und in einer dritten Stufe auch weggehen. Die kindliche „Schutzhülle“ durchdrängen gerufene Botschaften nur teilweise, so dass Mama und Papa sich zeigen sollten, wenn ihnen etwas wichtig ist. Ein freundliches, aber verbindliches Angucken und das Senden von „Ich-Botschaften“ verletze das kindliche Gegenüber nicht, sondern ließe es erkennen, dass Erwachsene eigene Bedürfnisse haben und in Konfliktsituationen entscheiden. Kinder mit tiefgreifenden Erklärungen zu bombardieren und an ihre Vernunft zu appellieren, überfordere diese häufig. Der Anblick eines schreienden, ewig „greinenden“ Elternteils, das eigentlich nur möchte, dass Junior seine Jacke an den Kleiderhaken hängt, werde im Hirn der Heranwachsenden unter „zweifelhafte Anweisung“ gespeichert und nicht verstanden.

Brüning ermunterte seine Zuhörer, Kinder in den Alltag zu integrieren, mit gemeinsamem Kochen, Werken oder bei der Hausarbeit. Auch wenn anfangs mehr Zeit eingeplant werden müsse, lohne es sich, Kindern etwas zuzutrauen und ihnen die Möglichkeit zu geben, eigene Fähigkeiten zu entdecken, damit sie sich als wertvolle Mitglieder einer Gesellschaft fühlen dürfen. „Früher steckte hinter jedem Busch ein Abenteuer, heute steht hinter jedem Busch eine Mutter“, kritisierte Brüning das „Überbehüten“ und ergänzte: „Kinder brauchen reale Erfahrungen.“

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erstellt am 28.Nov.2014 | 09:00 Uhr

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