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orkantief “xaver“ : Wellen peitschen gegen Deiche

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Küstenschutz-Wälle haben heute Mittag die erste Bewährungsprobe bestanden – Einsätzkräfte bereiteten sich auf die Nacht vor.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 20:38 Uhr

„Jetzt verstehe ich, warum die Fähren nicht fahren. Man müsste ja dahin schwimmen.“ Die Frau, die – wie viele Menschen heute Nachmittag – zu Hochwasser mit ihrem Fotoapparat zum Wyker Hafen gekommen war, war sichtlich beeindruckt. 2,40 Meter über Normal zeigte der Pegel zu diesem Zeitpunkt an, das Hafengelände war überflutet. Wind und Regen hatten da zwar vorübergehend etwas nachgelassen, doch Orkantief „Xaver“ hatte Föhr und Amrum schon seit einigen Stunden im Griff.

Die Insulaner, die von Vorgänger „Christian“ im Oktober teilweise noch kalt erwischt worden waren, hatten sich dieses Mal bestens vorbereitet. Selbst der Parkplatz am Hafen war bereits vormittags leer. „Das gab es noch nie. Wir mussten nicht ein Auto abschleppen“, freute sich Gerd Jakobsen vom Hafenamt. Der Hafenbetrieb hatte nicht nur den Parkplatz im Blick, sondern auch die gesamte Wyker Küste. Sämtliche Stöpen waren geschlossen worden, selbst die hinter dem Hafenamt wurde, kaum dass sich die „Fototouristen“ verlaufen hatten, dicht gemacht – zum ersten Mal seit 1990.

Denn Sorgen bereiten allen für die Sicherheit der Insulaner Verantwortlichen vor allem die Wasserstandsprognosen für das Nachthochwasser. Zwar hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) seine Vorhersage im Lauf des Tages von 3,50 Meter über Normal auf 2,50 Meter heruntergeschraubt, doch so ganz will niemand dem Braten trauen. „Da kommt alles zusammen, was uns nicht gefällt: Der Sturm, die Windrichtung und die Springtide“, brachte der Föhr-Amrumer Ordnungsamtsleiter Jörg Michelsen das auf den Punkt, was viele dachten.

Im Wyker Feuerwehrgerätehaus war das, wo heute Mittag unter der Leitung von Amtsvorsteherin Heidi Braun die Abschnittsführungsstelle zum ersten Mal tagte, die die Einsätze auf Föhr im Katastrophenfall koordiniert. Besondere Sorgen machten da den Verantwortlichen zwei Bereiche: Der neue Deich am Oldsumer Schöpfwerk, wo das Gras immer noch nicht richtig angewachsen ist, und der Dunsumer Deich, der sehr steil ist und den Wellen entsprechend Angriffsfläche bietet. Überall an den Föhrer und Amrumer Deichen hatten mittags die Deichläufer Inspektionsgänge gemacht. Oldsum und Dunsum wurden zu Hochwasser von Amts- und Feuerwehrführung selbst in Augenschein genommen. Anschließend war Heidi Braun beruhigt. „Das Wasser hat in Oldsum erst den Deichfuß erreicht“, berichtete sie. In Dunsum sei die Gischt zwar ein wenig übergeschwappt, doch nicht dramatisch. Schlimm, so berichtete Braun, habe die Nachmittags-Sturmflut dagegen Utersum erwischt. Dort gebe es bereits riesige Sandverluste.

Für Braun und ihr Team steht trotz der erst Mal beruhigenden Nachrichten eine lange Nacht bevor, genauso wie den Feuerwehren, die seit 14 Uhr in Alarmbereitschaft sind und in den Gerätehäusern auf Einsätze warteten, die Mitarbeiter des Hafenamtes und die Amrumer Einsatzkräfte.

Auch dort war die Abschnittsführungsstelle am Mittag zusammengekommen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit und dann wieder ab Mitternacht, so berichtete Amrums oberster Katastrophenschützer Jürgen Jungclaus, würden auch dort die Deichgänger nach dem Rechten sehen. In Nebel wurden vorsorglich an einer neuralgischen Stelle hinter dem Öömrang Hüs Sandsäcke gestapelt und die Landesstraße zwischen Nebel und Norddorf wurde wegen umgestürzter Bäume gesperrt.

Und derzeit wird auch auf Amrum gewartet, auf das, was hoffentlich nicht kommt. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, so Jungclaus.

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