Von der Reichenau nach Föhr : Weit gereiste Plastikdeckel

Die Schülerin Martha hat einen Teil ihrer „Beute“ in den Weihnachtsferien mit nach Föhr gebracht und bekam dafür von Stefan Peetz eine Urkunde..
Die Schülerin Martha hat einen Teil ihrer „Beute“ in den Weihnachtsferien mit nach Föhr gebracht und bekam dafür von Stefan Peetz eine Urkunde..

Die elfjährige Martha wohnt auf einer Bodensee-Insel. Dort sammelt sie für das Polio-Projekt der Föhrer Rotarier.

shz.de von
07. Januar 2018, 10:30 Uhr

Sie wohnt auf der Bodensee-Insel Reichenau, verbringt ihre Ferien immer wieder auf der Nordsee-Insel Föhr und ist eine fleißige Sammlerin von Plastikdeckeln. Die elfjährige Martha hat im Pfingsturlaub 2017 bei einem Besuch im Spielwarengeschäft des Wyker Rotariers Stefan Peetz mitbekommen, wie jemand einen Sack voller Deckel abgegeben hat. Warum jemand Palstikdeckel in einen Landen schleppt, das wollte Martha genauer wissen und hat sich daraufhin von Peetz die Aktion „Deckel gegen Polio“ erklären lassen, bei der die Föhrer Rotarier Plastikdeckel an eine Recycling-Firma verkaufen und mit dem Erlös das weltweite Rotary-Projekt gegen Kinderlähmung unterstützen.


Die ganze Schule ins Boot geholt

Für die Schülerin war gleich klar, dass sie da mitmachen will. Wieder zuhause am Bodensee hat sie zunächst mit ein paar Freundinnen einmal pro Woche im Supermarkt ihrer Heimatgemeinde Deckel abgeschraubt und dann auch ihre Klasse am „Alexander-von-Humboldt-Gymnasium“ in Konstanz mit ins Boot geholt. Später hat sie dann ihren Direktor davon überzeugt, ein Schulprojekt aus der Aktion zu machen und durfte in jeder Klasse einen kurzen Vortrag über das Projekt halten.

Der Einsatz des Mädchens hat sich gelohnt: Seit dem Sommer hat Martha stolze 75 000 Deckel gesammelt, das sind zirka 150 Kilogramm. Durch Marthas Einsatz konnten 150 Impfungen gegen Polio realisiert werden, die durch die „Bill und Melinda Gates Stiftung“ um weitere 300 Impfungen aufgestockt wurden.


Dieses Jahr will Martha noch mehr sammeln

Jetzt war Martha Gast beim ersten Treffen der Föhrer Rotarier im Neuen Jahr und überreichte symbolisch einen kleinen Teil ihres bisherigen Sammelertrags und kündigte an, dass sie in diesem Jahr noch erfolgreicher sammeln will. Ihr Vater sucht jedenfalls schon ein größeres Zwischenlager für die Deckel. Für ihren tollen Erfolg, den Martha in einem kurzen Vortrag vor den Rotariern zusammenfasste, erhielt sie großen Applaus. Für sie und ihre Schule gab es dann auch noch eine Urkunde der Aktion „Deckel gegen Polio“.

Die von Rotary-Mitglied Stefan Peetz auf Föhr ins Leben gerufene Deckel-Sammlung ist nur eine von vielen Aktionen, mit denen die Rotarier sich für soziale Projekte engagieren. Das wurde bei der Jahresversammlung deutlich, in der Kassenwart Heiko Runge berichtete, dass der Föhrer Club im vergangenen Jahr fast 16 600 Euro für Projekte auf der Insel sowie international gespendet hat.


Viel Geld für Projekte auf Föhr

Einen Teil des Geldes bringen die Mitglieder mit ihren Beiträgen und dem Sparschwein, das bei ihren wöchentlichen Treffen gefüllt wird, auf, ein weiterer Teil kommt über Veranstaltungen rein. 2016/2017 war das Hauptprojekt „Wasser für Ghana“, dafür wurden zwei Konzerte veranstaltet und ein Betrag von 5 555 Euro an Plan international übergeben. Doch sehr viel Geld, so berichtete Runge weiter, ging auch an Jugendprojekte auf Föhr. So wurde für die Eilun-Feer-Skuul ein Defibrillator mit einem Übungsgerät im Wert von 1600 Euro angeschaft. An diesem Übungsgerät werden Schüler als Ersthelfer geschult. Die Namibiareise von Föhrer Schülern im Herbst wurde mit insgesamt 4500 Euro unterstützt, 2000 Euro gibt es jährlich für den Berufsnavigator an der Föhrer Schule. Unterstützt haben die Rotarier auch eine Schülerin von der Insel, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika verbringt und von diesem Geld Materialien für ihre Arbeit dort gekauft hat, sowie ein Projekt zur Gewaltprävention an der Schule.
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