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Kleine Kunstwerke : Weihnachtssterne der besonderen Art

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Maike Schulz sammelt täglich Plastikmüll am Föhrer Strand. Mit der Häkelnadel entsteht daraus farbenfroher Christbaumschmuck.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 19:44 Uhr

Ihre täglichen Strandspaziergänge tätigt sie nicht nur, um sich selbst an der frischen Luft und der Weite des Meeres zu erfreuen. Das natürlich auch, denn die Friesin Maike Schulz liebt ihre Heimat. Aber erstens ist sie immer in Begleitung von Vicky, ihrer Border-Collie-Hündin, die die Leidenschaft für den Strand mit ihrem Frauchen teilt, und zweitens verbindet sie das Angenehme mit dem Nützlichen. Eben weil sie ihre Heimat und den Strand so liebt, kommt die Föhrerin jedes Mal recht voll bepackt vom Strand nach Hause: Sie sammelt Müll, und zwar jeden Tag, in diversen Mengen.

„Ik san wilems rocht en betj arig“ (ich bin manchmal richtig ein bisschen wütend), gesteht sie in ihrer friesischen Muttersprache, denn inzwischen hat sie den Strand von Unmengen an Plastikmüll befreit. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Plastikschnüre, in denen sich leicht Vögel verheddern können und die den Gefiederten dann ein qualvolles Ende zu bereiten drohen.

Aber Schulz hat aus der Not eine Tugend gemacht: Inspiriert wurde sie von dem gehäkelten Korallenriff, das lange Zeit im Museum Kunst der Westküste zu bewundern war und das fleißige Föhrer Frauen geschaffen hatten. Warum muss es eigentlich Wolle sein, die erst eingefärbt werden muss, fragte sie sich und entsorgte die Plastikschnüre nicht gleich in die Mülleimer, sondern nahm sie mit nach Hause. Mit einer guten Idee im Kopf und einer Häkelnadel in der Hand häkelt Schulz nun diverse Arten von Weihnachtssternen, die, an einem Zweig drapiert, jedes Jahr wieder als witzige Dekoration zwischen Tannenzweige gesteckt werden können. „Ich will diese Idee irgendwann ins Netz stellen, nicht, um damit Geld zu verdienen, sondern um andere auf das Problem aufmerksam zu machen und um ihnen zu zeigen, was sich aus Unrat machen lässt“, verrät Schulz.

Fast jeden Tag finde sie zerplatzte Luftballons, erzählt die Müllsammlerin, eigentlich immer mit einer Plastikschnur dran. Sicherlich hätten es einige Zeitgenossen gut gemeint und anlässlich einer Hochzeit oder eines Geburtstages gute Wünsche gen Himmel geschickt. Doch diese guten Wünsche würden vielen Seevögeln und der Umwelt schnell zum Fluch, bedauert Schulz, und das sei bestimmt nicht so vorgesehen. Empört berichtet sie davon, dass im Jahre 2014 bei den Feierlichkeiten „25 Jahre Mauerfall“ in Berlin 8000 Luftballons in die Luft geschickt wurden. Nicht nur sie fragt sich, wozu das eigentlich gut sein soll, denn aus einem kurzen Spaß wird schnell ein Umweltproblem.

Darum wird die Strandgängerin auch nicht müde, auf ihren täglichen Touren andere anzusprechen und auf die Problematik aufmerksam zu machen. „Es ist einfach ein gutes Gefühl“, sagt sie. „Man rettet vielleicht nicht die Welt, aber wenn man einen Vogel rettet, hat sich die Mühe schon gelohnt.“

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