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Wyker Feuerwehr : Wasser, Rauch und Hindernisse

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Großeinsatz in der Altstadt: Die Brandschützer durften sich bei einer Übung in einem Abbruchhaus so richtig austoben.

Aus dem Haus in der Carl-Häberlin-Straße drang dicker Rauch. Personen standen am Fenster und schrien um Hilfe, Kinder standen weinend auf der Straße und hatten Angst um ihre Eltern. Für Feuerwehrleute ist es in einer solchen Situation sehr wichtig, richtig zu handeln, um das Feuer schnell zu löschen und die eingeschlossenen Personen lebend zu retten. In der schmalen Gasse ist das jedoch gar nicht so leicht: „Das ist natürlich eine Herausforderung für jeden Fahrer. Da dauert die Anfahrt dementsprechend länger, aber wir sind eigentlich ganz gut damit klargekommen“, meinte Einsatzleiter Ocke Holm. Zum Glück schwebte niemand wirklich in Lebensgefahr, denn die Brandschützer waren nur zu einer Übung in die Wyker Altstadt gerufen worden. Die sollte dazu dienen, die Einsatzkräfte auch mit ungewohnten Platzverhältnissen vertraut zu machen und Routine in die Arbeitsabläufe zu bekommen.

Aber es war keine normale Übung, die da mitten in der Wyker Innenstadt stattfand: Anders als sonst durfte dieses Mal der volle Funktionsumfang des Materials eingesetzt werden. Sowohl Türen der leer stehenden ehemalige Schlachterei durften aufgebrochen, als auch das „Feuer“ mit Wasser gelöscht werden. „Es war alles erlaubt. In dem Haus durften wir alles Mögliche machen. Wir hatten eine Kettensäge im Einsatz und konnten die Orientierung in einem total zugerauchtem Gebäude üben“, erklärte Jörg Carstensen, einer der Übungsleiter. Letzteres wurde mit einer Nebelmaschine möglich gemacht. Durch sie wurde die Sicht in dem Haus so stark eingeschränkt, dass man seine eigene Hand vor Augen nicht mehr sah.

Den Rettungskräften kam dabei entgegen, dass das Haus in einigen Wochen abgerissen werden soll, sodass auf fast nichts Rücksicht genommen werden musste. „Wir sollen nur die Fenster heile lassen, sodass das Haus von außen noch halbwegs ansehnlich bleibt“, freute sich Carstensen über den Spielraum, den er bei der Gestaltung der Übung hatte. Im Haus hatte er mit seinen Kollegen ganze Arbeit geleistet: Unzählige Türen waren verschlossen und kaum aufzubekommen, künstliche Wände errichtet worden, um noch mehr Winkel zu bekommen. Ein natürlicher Umstand war die Enge in dem Altbau: Die Treppen waren kaum einen Meter breit und dazu noch gewunden. Der Keller war niedrig und die Türen nicht sehr hoch. Für die Feuerwehrmänner, die sich mit Atemschutz bewegen müssen, ist das eine weitere Herausforderung gewesen.

Trotzdem gingen sie mit viel Erfahrung an die Arbeit. In Windeseile wurden die Wasserleitungen verlegt und waren die ersten Trupps bereit, in das Gebäude zu gehen. Bereits nach wenigen Minuten konnten die ersten „Personen“ in Form von Puppen aus dem Haus gebracht werden. Von außen wurde währenddessen die Drehleiter ausgefahren, um das Dach teilweise abzudecken und das Haus zu kühlen. Ocke Holm war mit der Leistung seiner Kräfte zufrieden: „Das Gesamtbild war sehr gut. Bis auf Kleinigkeiten mit Atemschutz und Funk hat alles hervorragend geklappt. Wir können echt zufrieden sein, und das mit allen Übungen.“

Denn die Großübung gegen ein Uhr mittags war nicht das einzige Szenario, das durchgespielt wurde: „Wir hatten noch zwei Kellerbrände, einen Schornsteinbrand und mehrere Personensuchen, die wir während des Vormittages geübt haben“, erklärte Jörg Carstensen. Bereits seit halb neun inszenierte er immer wieder neue Probleme, mit denen sich seine Kollegen dann messen mussten. Dort stand nicht die Koordinierung der Löschgruppen im Vordergrund, sondern das Zusammenspiel der einzelnen Trupps. In kleinen Grüppchen wurden die Rettungskräfte in das Haus geschickt, um eine möglichst effiziente Brandbekämpfung und Personenrettung zu ermöglichen. Etwas, was man sonst nur im Trockenen üben kann, das unter Realbedingungen aber eine ganz andere Hausnummer ist.

So waren die Feuerwehrleute den gesamten Vormittag im Einsatz, um ihre Arbeitsabläufe zu optimieren und mögliche Schwächen auszumachen. „Ich glaube, hier hat jeder etwas mitgenommen und wir haben alle etwas gelernt.“, meinte Jörg Carstensen. Und es wird bestimmt nicht die letzte Übung dieser Art gewesen sein: „Es ist zwar noch nichts genaues geplant, aber uns steht das Objekt bis Ende Februar zur Verfügung, sodass wir bestimmt noch einmal damit üben werden“, freute sich Holm bereits auf die nächste Übung mit Wasser, Rauch und Hindernissen.

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