Tag des Berufes in Wyk : Was werde ich morgen?

Durchziehen mit Schwung: Geselle Manuel Schulz von der Tischlerei Wellingerhoff führte traditionelles Handwerksgerät vor.
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Durchziehen mit Schwung: Geselle Manuel Schulz von der Tischlerei Wellingerhoff führte traditionelles Handwerksgerät vor.

Einblicke in das Leben nach der Schule: Schüler und Mitarbeiter nutzen die Chance, sich kennenzulernen.

shz.de von
09. Februar 2018, 13:30 Uhr

„Notwendig! So ein Tag ist wirklich notwendig“, war das Feedback von Claus Willi Holzmeier zum gestrigen Tag des Berufes. Der Studiendirektor der Berufsschule des Kreises Nordfriesland, der früher auch auf Föhr wirkte, beantworte unermüdlich Fragen rund um mögliche Schulabschlüsse. „Der Beratungsbedarf ist sehr hoch, viele wissen einfach nicht viel über berufliche Perspektiven.“ Rund 2500 Schüler gäbe es in Niebüll, davon 1800 Auszubildende in 37 Berufen, und die Möglichkeiten, einen berufsbezogenen Realschulabschluss oder ein Fachabitur zu machen, seien gut, sagte Holzmeier.

Die Berufsschule in Niebüll, die Arbeitsagentur, 20 Unternehmen, vom Tischler über Makler und Einzelhandel bis zum Wasserwerker, das Amt Föhr-Amrum, der Friisk Funk, das Friesenmuseum und Naturschutzverbände stellten sich gestern den Schülern der achten bis zehnten Klassen sowie der ersten Oberstufe der Eilun-Feer-Skuul (EFS) vor.

Für die drei 2020er-Abiturienten Lasse Wagner, Jakob Schmidt und Mads Risse waren die Begleitvorträge der Grund ihres Kommens. „Wir haben uns Infos über das duale Studium geholt und über das Auslandsjahr“, sagt der 17-jährige Lasse. „Für mich war es neu, dass man zum Beispiel ein Jahr lang als Babysitter arbeiten kann. Allerdings ist man dann sehr an die Familie gebunden.“ Wie auch der 16-jährige Jakob plant Lasse ein Auslandsjahr, danach würden beide gern studieren. Der 18-jährige Mads Risse denkt beruflich an etwas mit Landwirtschaft. Von der Insel würden sie alle drei gehen wollen.

Lena Frädrich möchte gern auf Föhr bleiben. „Ich mag das Familiäre hier sehr gerne.“ Die 15-Jährige interessiert sich für eine Ausbildung beim Amt Föhr-Amrum, die Vielfalt hat sie überzeugt: „Steueramt, Stadtplanung, Standesamt, Sozialzentrum ... es gibt hier acht Abteilungen, die man durchlaufen kann, alle zwei Monate wechseln, das klingt interessant.“ Was sie von dem Tag mitnimmt: „Ich habe drei ganz konkrete Ideen für mein Berufspraktikum im Oktober. Ich bin nicht der Typ, der ein Handwerk lernt, ich mag das Büro.“ Femke Lorenzen und Lars Hullermann vom Amt haben ihr erzählt, was wichtig ist für den Job: „Man muss gut mit Menschen umgehen können und sollte freundlich und serviceorientiert sein.“ Nicht jeder komme so gezielt vorbei und stellt Fragen, sagen die beiden Amtmenschen. „Da ist noch viel Schwellenangst bei den Schülern.“

Das hat auch Sarah Elena Nissen bemerkt. Die 21-jährige ist angehende Bankbetriebswirtin, im letzten Jahr ihres (dualen) Bachelorstudiums, und im Organisationsteam des Berufstages. Sie hat es den Schülern mittels eines Rallye-Spiels samt Fragebogen leichter machen wollen, die Betriebe anzusprechen. „Wir wissen, dass sich viele nicht trauen, direkt nach einem Ausbildungsplatz zu fragen oder nicht wissen, wie sie ein Gespräch beginnen sollen.“

Die gezielten Fragen auf dem Infoblatt haben dem Wasserbauer Janke Rörden einige Gespräche beschert. Der 24-jährige Utersumer ist erst seit sechs Monaten Azubi beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), hat aber schon zig Eindrücke mitgenommen. Ihm gefällt die Vielseitigkeit. „Ich bin auch gerne draußen und will auch auf Föhr bleiben.“ „Nach den beiden großen Stürmen haben wir eine Ausbildungsoffensive gestartet und können jetzt jedes Jahr sieben Wasserbauer und einen Schlosser anlernen“, sagt LKN-Ausbilder Olaf Dieckmann.

Berufsberaterin Maike Petersen von der Agentur für Arbeit in Niebüll spricht alle ein bis zwei Monate mit den Schülern der neunten und zehnten Klassen der Gemeinschaftsschule und merkt, wie viele an einer Ausbildung interessiert, aber noch auf Ideensuche sind. „Handwerk und Büro stehen in der neunten Klasse ganz vorne auf der Liste. Die 30-Jährige, die auch Sylt und Amrum betreut, kann immer nur wieder raten: „Das beste, was die Mädchen und Jungs machen können, sind möglichst viele freiwillige Praktika. Die sind besser als jede Recherche im Internet und jeder Film.“ So wird an den Schulen das „Berufe schnuppern“ angeboten; ein halbes Jahr lang einmal die Woche zwei Stunden in einen Betrieb reinschauen und mithelfen. „Manche haben dadurch schon ihren Ausbildungsplatz bekommen“, sagt Petersen. „Und selbst, wenn man sagt, das ist nichts für mich, weiß man dann zumindest, was einen stört.“

Das diesjährige Ausweichquartier – in der EFS wird gebaut – war kleinteiliger als die Schulaula und zog sich durch fünf große und fünf kleine Räume. „Ich glaube, da hat es nicht jeder auch wirklich bis ganz nach hinten geschafft“ , sagte Organisatorin Nissen. Ein Blick in die Feedback-Bogen, die zum Ende der Veranstaltung von den teilnehmenden Betrieben bei ihr abgegeben wurden, bestärkten aber auch sie in ihrem positiven Fazit. „Der direkte Kontakt ist einfach immer wichtig.“

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