Igelstation : Warmes Asyl für den Winter

In der Igelstation bekommen die kleinen Tiere ein warmes Asyl.
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In der Igelstation bekommen die kleinen Tiere ein warmes Asyl.

In der Wyker Igelstation hat die Saison begonnen. Die ersten kleinen Patienten, die zu winzig sind, um den Winter zu überstehen, sind bei Angela Bruchwitz eingezogen.

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03. Oktober 2009, 04:39 Uhr

Wyk | Eine winzige spitze Nase schiebt sich aus dem Papphäuschen, schnuppert vorsichtig, und dann kommt auch schon der ganze kleine Kerl hinterher, achtet nicht mehr auf Besucher und Kamera, sondern kennt nur ein Ziel: Den frisch gefüllten Futternapf.

Ganze 106 Gramm wog der Zwerg, als er bei Angela Bruchwitz am Wyker Grünstreifen einzog. Das ist gerade mal ein Fünftel des Gewichts, das Igel haben sollten, um in den Winterschlaf gehen zu können. Nach nur einer Woche hat der Winzling seinen Umfang allerdings bereits verdoppelt, und so hat er auch gute Chancen, noch vor dem Winter wieder ausgewildert zu werden, sich unter Laub und Reisig ein gemütliches Plätzchen zu suchen und die kalte Jahreszeit zu "verpennen".
Nur ein Fettwanst überlebt
Seit Jahren päppelt Angela Bruchwitz kranke und zu kleine Igel auf, hat in ihrem Gartenhaus am Grünstreifen eine Igelstation eingerichtet, in der die kleinen Kerle - allesamt überzeugte Einzelgänger - in warmen Käfigen wohnen, entwurmt und wenn nötig noch mit weiteren Medikamenten versorgt werden und so lange reichlich zu fressen bekommen, bis sie wieder in der Lage sind, draußen zu überleben. Viele Igel können noch vor dem Winter wieder "nach Hause", andere überwintern bei Bruchwitz und kehren erst im Frühjahr in ihr angestammtes Revier zurück.

Im Herbst beginnt bei der engagierten Tierschützerin die Hochsaison. Igel, die jetzt noch auffallend winzig sind, sollten ihr gebracht werden, genauso wie die Stacheltiere, die tagsüber durch Gärten streifen und nach Nahrung suchen. Gesunde Igel mit ausreichenden Fettreserven gehen nämlich nur nachts zur Jagd.
Letzte Ruhe in der Rattenbox
Hochsaison, das hat bei Bruchwitz noch vor wenigen Jahren geheißen, dass ihre Station bis zu 140 Jung-Igel aufnehmen musste. Doch inzwischen hat sich diese Zahl mehr als halbiert, im vergangenen Winter baten nur noch 60 Stacheltiere bei ihr um Asyl. Neben der großen Trockenheit, durch die nur ein geringes Nahrungsangebot vorhanden war, macht Angela Bruchwitz die Ratten-Köderboxen, die auf nahezu allen Föhrer Grundstücken stehen, für diesen Rückgang verantwortlich. Er begann nach ihrer Beobachtung genau zu dem Zeitpunkt, als die erste große Rattenbekämpfungs-Aktion auf Föhr anlief.

Kleine bis mittelgroße Igel passen nämlich bequem durch die Schlupflöcher der Boxen und holen sich dann die Giftköder, die eigentlich für Ratten bestimmt sind, aber Igel genauso töten. Angela Bruchwitz appelliert deshalb eindringlich an alle Gartenbesitzer, die Köderboxen etwas erhöht aufzustellen. Für Ratten ist das kein Problem, die Kletterkünstler gehen für etwas Essbares zur Not auch Wände hoch, während Igel nicht klettern können.
Unordnung ist überlebenswichtig
Und um noch etwas bittet Bruchwitz die Insulaner: Die Gärten nicht komplett "klinisch rein" zu halten, sondern einzelne Laub- und Reisighaufen übrig zu lassen, in denen Igel ein trockenes Winterquartier bauen können. Schließlich profitieren auch die Gartenbesitzer von den kleinen Kerlen: Sie sind nicht nur possierlich anzusehen, sondern vertilgen auch schädliche Insekten.
Bei Igelfund
Wer die nachtaktiven Tiere tagsüber antrifft oder Igel findet, die geschwächt wirken oder unter 500 Gramm wiegen, sollte die Tiere umgehend in die Igelstation am Grünstreifen 25 b (Tel. 0 46 81/ 74 15 71) bringen. Für Notfälle steht vor der Haustür immer ein warmer Käfig bereit. Tierfreunde sollten Igel auf keinen Fall bei sich zu Hause überwintern, da die optimale Pflege der kleinen Tiere sehr viel Fachwissen und Zeitaufwand verlangt. Jeder Finder bekommt von Angela Bruchwitz „seinen“ Igel zurück und kann ihn am Fundplatz wieder auswildern.

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