Föhr und Amrum : Wanted: Amerika-Friesen

Die nordfriesische Flagge in New York: Dort trafen Robert Kleih und sein Kollege Temmo Bosse (li) bei einer USA-Reise im vergangenen Jahr den Präsidenten des Föhr-Amrumer Krankenunterstützungsvereins, Hans Siewertsen, (re.).
Die nordfriesische Flagge in New York: Dort trafen Robert Kleih und sein Kollege Temmo Bosse (li) bei einer USA-Reise im vergangenen Jahr den Präsidenten des Föhr-Amrumer Krankenunterstützungsvereins, Hans Siewertsen, (re.).

Die Nordfriesen und das Nordfriesische in den USA sind Themen eines Flensburger Forschers. Für seine Doktorarbeit sucht Robert Kleih weitere Teilnehmer für an einer Befragung.

shz.de von
01. Juni 2018, 14:00 Uhr

Die Amerikaauswanderung im 19. und 20. Jahrhundert ist bis heute prägend für Nordfriesland. Besonders Föhrer und Amrumer suchten ihr Glück in Übersee. Robert Kleih von der Europa-Universität Flensburg möchte in seiner Doktorarbeit herausfinden, wie sich Identität und Sprache der Auswanderer und der nachfolgenden Generationen entwickelt hat (wir berichteten). Dafür hat der Doktorand einen Fragebogen entwickelt, an dem bereits erste friesischstämmige Nachkommen in Amerika teilgenommen haben.

„Ich finde es total spannend, dass auf Föhr und Amrum fast jede Familie Bezug zur Amerikaauswanderung hat“, so der 30-jährige Familienvater. „Es kommt aber kein frischer Nachwuchs nach, die Netzwerke werden irgendwann verschwinden. Jetzt ist es noch möglich, die erste Generation nach dem zweiten Weltkrieg zu befragen.“

In seinem Online-Bogen stellt Kleih den Teilnehmern zunächst allgemeine Fragen, etwa wer aus der Familie wann auswanderte oder welche Sprachen sie mit wem sprechen und sprachen. „Da kommt meistens heraus, dass die Eltern Friesisch sprechen und die Kinder Englisch. Einige können noch Friesisch sprechen oder verstehen, andere weder noch“, zieht der Doktorrand eine erste Bilanz „Die Muster sind immer gleich“. Auch, wie die Kommunikation in die Heimat abläuft, interessiert den Forscher.

Schwierig seien allerdings Fragen zur Identität. Dieser will Robert Kleih in einem persönlichen Interview auf den Grund gehen. Etwa, ob die Auswanderer sich noch als Friesen sehen oder wie deren Kinder und Enkel sich selbst wahrnehmen. Bei dem anonymen Fragebogen gibt es nämlich die Möglichkeit, persönliche Daten anzugeben und sich für eine weitere Befragung zur Verfügung zu stellen.

Erste Kontakte mit dem Präsidenten des Föhrer-Amrumer Krankenunterstützungsvereins, Hans Siewertsen, konnte Kleih bereits im vergangenen Jahr in New York knüpfen, als er sich dort im Rahmen einer Sprachwissenschaftskonferenz aufhielt. „Hans Siewertsen und seine Frau haben uns auf Long Island diverse Plätze mit Föhr-Bezug gezeigt, zum Beispiel die Delis oder den plattdeutschen Park“, erinnert sich der gebürtige Hamburger. „Für weitere Befragungen würde ich gern wieder hinreisen. Mal sehen, ob sich das einrichten lässt.“ Ansonsten gäbe es ja noch das Telefon oder die Möglichkeit, Skype zu nutzen.

In den USA gibt es vier friesische (auch deutsche) Einwanderungszentren: New York, Kalifornien, Florida und den Mittleren Westen. Bisher hat Robert Kleih Rückläufe aus allen vier Gebieten erhalten. „Insgesamt haben schon 29 Personen an meiner Befragung teilgenommen, die Hälfte davon ist außerdem bereit, sich weiter von mir interviewen zu lassen“, berichtet der Doktorand und hofft auf weitere Teilnehmer durch Kontakte über die hiesigen Friesen. „Vielleicht liest den Artikel jemand, der noch eine Tante oder einen Onkel in Amerika hat und leitet den Fragebogen weiter – das wäre super!“ Unter www.uni-flensburg.de/friesisch ist dieser zu finden, das Ausfüllen dauert in etwa zehn bis 15 Minuten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen