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Eilun-Feer-Skuul : Vorurteile ganz schnell abgebaut

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Kinder der Klasse 7 d nahmen die Ankunft einer syrischen Mitschülerin zum Anlass, sich intensiv mit dem Thema Flucht zu befassen. Seither verstehen die jungen Föhrer viel besser, was Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen.

Im Moment reden alle über Flüchtlinge. Es wir über Obergrenzen diskutiert und darüber, inwieweit die Integration gelingen kann. Diese Fragen stellt in der 7  d der Eilun-Feer-Skuul keiner. Und das, obwohl seit einigen Wochen Tasnim Tamr in dieser Klasse ist, ein zwölfjähriges Mädchen aus Syrien. Als sie kam, konnte sie kein Wort Deutsch. „Wir mussten mit ihr ganz von vorn anfangen. Wie in der ersten Klasse mussten wir ihr die lateinischen Buchstaben und die deutsche Sprache beibringen“, beschreibt Deutschlehrerin Ingrid Wippich die Herausforderungen, vor denen sie stand. Um ihren deutschen Schülern ein Gefühl dafür zu geben, wie schwer eine solche Flucht ist, und welche Schwierigkeiten auf dem langen Weg auftauchen, entschloss sie sich, mit den Jugendlichen ein Buch zu lesen.

„Im Meer schwimmen Krokodile“ handelt von der Flucht des afghanischen Jungen Enaiatollah Akbari, der von seiner Mutter auf die schwierige Reise nach Europa geschickt wird. Ziel ist dabei nicht Deutschland, sondern Italien, wo 2011, als das Buch veröffentlicht wurde, noch die meisten Flüchtlinge ankamen. Während seiner Flucht durch die verschiedenen Länder erlebt Enaiatollah viele Schwierigkeiten. Mal findet er Arbeit, mal steht er kurz davor, als illegaler Flüchtling entdeckt zu werden. Aber am Ende hat er Glück und kommt heil in Italien an.
Bei den Kindern der 7d ist das Buch gut angekommen. „Man konnte sich richtig in die Situationen hinein versetzten“, meinte zum Beispiel Nora Holm. Und Boy Ketelsen hat vor allem das Ende gefallen: „Das Happy End war echt cool. Als er gut in Italien angekommen ist und alles überstanden hat, da war ich erleichtert.“ Beiden hat es geholfen, mehr Verständnis für Flüchtlinge zu haben. „Früher dachte ich immer, dass Ausländer ja irgendwie anders sind. Aber durch das Buch habe ich wieder gemerkt, dass auch die Flüchtlinge nur Menschen sind.“, erklärte Nora. Und Boy war verwundert, dass auch viele reichere Familien ihre Heimat verlassen: „Ich dachte immer, es kommen nur die Armen. Aber es sind ja auch viele Familien dabei, die durchaus Geld haben.“

Ingrid Wippich ist über die Reaktionen ihrer Schüler erfreut: „Vorher gab es teilweise kritische Stimmen, die bestimmt auch von den Eltern oder Großeltern beeinflusst waren. Aber jetzt zeigen sie mehr Verständnis dafür, dass so viele Menschen zu uns kommen.“ Und noch etwas hat das Buch bewirkt: „Wir hatten die Idee, die Familien, die hier auf Föhr leben, kennenzulernen. Und so haben wir dann die Familie von Tasnim gefragt, ob sie nicht mal mit uns frühstücken will“, erklärt Wippich, wie es zu der gemeinsamen Runde kam, die jetzt in der Mensa der EFS stattfand. Hier konnten die Schüler Fragen zur Flucht der Familie Tamr stellen und ein bisschen ins Gespräch kommen.

Für Tasnim selbst waren die letzten Monate hier in Deutschland aufregend: „Ich war traurig, meine Heimat verlassen zu müssen. Aber jetzt bin ich glücklich, lerne viel Deutsch und habe auch schon Freunde gefunden“, erzählt sie begeistert. In der Schule gefällt ihr vor allem der Sportunterricht gut: „Ich mag es, Basketball zu spielen.“ Später würde sie gerne in Deutschland bleiben: „Ich möchte mal Ärztin werden.“ Und auch in der Klasse ist sie gut angekommen: „Alle sind nett zu mir und versuchen, mit zur helfen.“

Bei dem gemeinsamen Frühstück schien dagegen noch ein wenig Zurückhaltung angesagt. Die Föhrer Schüler saßen in Grüppchen zusammen und hielten ein bisschen Distanz zu den Syrern. Als zum Schluss aber noch alle zusammen ein, zwei Tanzschritte erlernen sollten, die ein paar Mädchen der Klasse erarbeitet hatten, brach das Eis langsam. Zusammen wurde gelacht bei dem Versuch, die Beine und Arme zu koordinieren.

Für Ingrid Wippich ein gelungener Abschluss. „Ich fand, das war eine gute Aktion und hoffe, ich konnte den Schülern ein bisschen das Thema Flüchtlinge nahe bringen.“

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