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Internationaler Museumstag auf Föhr : Von Petticoat bis Toast Hawaii

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Kunst mal anders: Im Alkersumer Museum gab es eine Zeitreise in die Mitte des vorigen Jahrhunderts.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 12:30 Uhr

In den Fluren und Sälen von Museen geht es normalerweise behäbig zu: Ruhig ist es dort und die Besucher sind meist ebenso stumm, wie die ausgestellten Zeitzeugen künstlerischen Schaffens. Ganz anders verlief der Internationale Museumstag im Museum Kunst der Westküste (MKDW) in Alkersum: In Anlehnung an die Ausstellung „Schicht und Striptease“ des Hamburger Fotografen Herbert Dombrowski, die Momentaufnahmen der Hansestadt aus den 1950-er Jahren zum Thema hat, „stylten“ sich die Mitarbeiter des MKDW im Look der „rumblin’ fifties“ in Petticoat, Punkte-Kleidern und den gelockten Frisuren dieser Zeit mit passendem Haarschmuck. Verantwortlich für die Zeitreise war Friseurmeisterin Stella Pahl, Chefin des Salons „Watt’n Schnitt“ in Dagebüll. An ihrer Seite hatte sie den Discjockey Vincent Ellmers, der selbst aussah wie der junge John Lennon und der ein gutes Händchen bewies bei der Auswahl seiner Rock ’n’ Roll-Klassiker, die von den Besuchern wohlfällig honoriert wurde.

Schon beim Einstieg in den Museumstag wurde Gas gegeben: Punkt zehn startete die Youngster Big-Band der Wyker Musikschule mit ihrem Programm und legte den Grundstein für einen beschwingten Tagesverlauf. Nach der offiziellen Begrüßung durch die Direktorin Ulrike Wolff-Thomsen begannen die ersten beiden kurzen Führungen, zum einen zur Architektur des Gebäudes und dem Aufbau der Exponate, zum anderen durch die Ausstellung mit Arbeiten des Malerpaares Fritz Overbeck und Hermine Overbeck-Rohte, die Anfang des vorigen Jahrhunderts auf Sylt und Föhr entstanden sind.

Interessant auch die Führung mit Antonia Invidia, die zurzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur am MKDW absolviert und sich seit Februar intensiv mit dem Werk von Herbert Dombrowski beschäftigt. Das MKDW ist mit ihr und der Eilun-Feer-Skuul eine Kooperation eingegangen, bei der im Deutsch- und Kunstunterricht die Fotografien von Herbert Dombrowski thematisiert werden. Die Ergebnisse werden in der letzten Ausstellungswoche der Schau, die am 18. Juni endet, im Museum zu sehen sein. Der Führung von Antonia Invidia lauschten etwa 40 Gäste bei einem faktenreichen Rundgang. Es war die erste Erwachsenenführung für die junge Frau, die sonst zusammen mit Sylvia Haumersen in der Kunstvermittlung tätig ist.

Abwechslung war am Museumstag Programm und so konnte der Männergesangverein Föhr-West in zwei kleinen Etappen den Stimmungspegel mit „Liedern zum Frühling“ und „Die Weite des Meeres“ vor über 100 Zuschauern im großen Saal aufrechterhalten.

Auch die Mitarbeiter in der Kunstwerkstatt hatten alle Hände voll zu tun, damit der Besucher die Gelegenheit hatte, selbst zum Künstler zu werden. Mit den verschiedensten Techniken – vom Federkiel bis zur Zahnbürste – konnten jung und alt, mit oder ohne Anleitung, ihr Talent unter Beweis stellen. Vorbild für die Freestyle-Kunst waren Werke von Birgit Fischötter, die klassische Motive modern modifiziert und damit neue Perspektiven schafft. Besonders die Jüngeren waren fasziniert von dieser Herangehensweise und viele Eltern genossen bei einer Tasse Kaffee im Garten ein paar ruhige Momente: „Wir haben unsere Kinder seit zwei Stunden nicht gesehen, weil sie an einem Fischbild arbeiten – das finden wir grandios und es funktioniert ganz ohne Handy“, freute sich ein Ehepaar aus Erfurt und genoss die vom Gasthof-Team vorbereiteten Leckereien, auch im Stil der 1950-er Jahre: „Kalter Hund“, Hawaii-Toast und Frankfurter Kranz.

Für Museumssprecherin Christiane Morsbach hätte dieser Tag nicht besser laufen können. „Es war diese Leichtigkeit, die in der Luft lag. Jeder wurde von der guten Laune angesteckt und über den Tag verteilt kamen fast 750 Besucher. Das ist für uns Rekord und jeder, mit dem ich gesprochen habe, war super zufrieden. Kunst kann eben auch anders.“

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