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Traditions-treffen auf Föhr : Von Kapitänen, Kühen und Kalüün

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Öömrang Ferian besucht die Ferring-Stiftung: Auf dem Besuchsprogramm der Insel-Friesen standen dieses Mal Oldsum und das Museum Kunst der Westküste.

Ein Treffen zwischen Ferring-Stiftung und Öömrang Ferian verheißt immer eine kleine friesische Bildungsreise. In diesem Jahr – man traf sich auf Föhr – gab es einen Spaziergang durch die Kapitänsgeschichte Oldsums, eine Zeitreise durch die Lied- und Tanzhistorie beider Inseln (Achtung: neues Buch!) und eine Bilderflut von Maler Hans Peter Feddersen, dessen Werke noch bis zum 27. September in wahrscheinlich so nie wieder anzutreffender Bandbreite im Museum Kunst der Westküste ausgestellt sind.

Diese Treffen zwischen den Freunden und Förderern der Föhrer Stiftung und des Amrumer Kulturvereins finden seit rund 20 Jahren alternierend auf einer der beiden Inseln statt und beginnen mit der charmanten Tradition der persönlichen Abholung am Hafen. Dort einfach ins Auto steigen und willkommen sein! So gabs im Privatwagen von Maike Arfsten-Jürgensen, Redakteurin beim Friisk-Funk, gleich die ersten Informationen zur Radio- und Sendegeschichte (seit 2010 und täglich zwei Stunden von acht bis zehn Uhr auf 96,7 MHz).

Im weiten Westen Föhrs, in Oldsum angekommen, navigierte Ingke Wolff derart kundig durch die Geschichte des Dorfes mit der höchsten Kapitänsdichte der nordfriesischen Seefahrt, dass man hätte denken können, sie sei selbst eine Nachfahrin von einem der Walfänger, Proviantfahrer oder Handelsschiffer; Nachfahrin vom Glücklichen Matthias, von Hinrich Brarens oder Kapitän Riewert Boy Ketelsen. Nun, Wolff hat zwar seit über 35 Jahren den Wohnsitz auf Föhr, ist aber Festländerin und wurde peu à peu zur maritimen Rundgangexpertin.

Ein wunderbarer Spaziergang, der auch mit manch nostalgischem Fernweh-Abenteuer-Gedanken brach. Denn wer hätte gedacht, dass – besegelt von Oldsumer Kapitänen – so stolze Schiffe wie Pamir und Passat, die zu der sogenannten P-Baureihe der Hamburger Reederei Laeisz gehörten, ein Schwesterschiff namens Pudel hatten, und ihre verbindenden Anfangsbuchstaben von der Begeisterung des Reeders für die – man wills nicht glauben – süßen Pudellöckchen seiner Gattin herrührten. Wahrscheinlich ist genau das echte Seemannsromantik!

In der Ferring-Stiftung, dem „Frisian Headquarter“, wie Vorstandschef Dr. Volkert F. Faltings seine Arbeitsstätte vorstellte, gab es Einblicke in das neue Buch „Lieder und Tänze auf Föhr und Amrum“, das Faltings mit Hilfe zweier Musiker der Föhrer Band Kalüün, Jan Faltings und Dennis Werner, geschrieben hatte. „Weil ich ein musikalischer Analphabet bin, was Noten, Instrumente, singen und tanzen betrifft.“ Den derb-herben Friesen von damals schien die leichte Entspannungsmuse so richtig geheuer nicht gewesen zu sein, weshalb wohl viele der „läppischen Götzen- und Heldenlieder“ keinen Niederschlag in Form von Noten fanden. Für das Buch wurde viel recherchiert und wiederentdeckt. Ein schöner Beitrag also für ein weiteres Stück urfriesische Kulturgeschichte – festgehalten für jetzt und alle Zeit. In diesem Zusammenhang ein Aufruf: Wer ganz, ganz alte Fotos hat, von Inselmenschen, wie sie tanzten und sangen, könnte diese der Ferring-Stiftung zum Digitalisieren ausleihen. „Wir hätten so gern noch Szenen aus dem Leben“, sagte Faltings.

Nach einem sehr leckeren Essen und vor einer ebensolchen Friesentorte in „Grethjens Gasthof“ gab es noch rund 100 Bilder von Hans Peter Feddersen, einem der bedeutendsten Landschaftsmaler Schleswig-Holsteins, zu sehen. „Einer von uns, vom kleinen friesischen Völkchen.“ Faltings, wieder im Moderatoren-Job, erzählte im Museum Kunst der Westküste aus dem Leben eines Malers, der sich mit Emil Nolde „aus der Distanz belauerte“, reich heiratete, nie wirklich von seiner Kunst leben musste und vielleicht gerade daher zwischen 1880 und 1940, unbeeindruckt von Zwängen eine beeindruckende Welt zwischen Wind und Wolken schaffen konnte, zwischen Fanø und Kleiseerkoog.

Wie so ein kleines Museum an solch eine Feddersen-Bildervielfalt kommt? Gute Beziehungen zu den Friesen rundum. Denn weil Feddersen seinerzeit fast jede prämierte Kuh im Koog als Auftragsarbeit stolzer Besitzer malte, und weil diese Bilder mehrheitlich immer noch bei den Nachfahren die Wände schmücken, war es überhaupt möglich, ihnen das Bild zu entlocken. „Wir hatten ein unglaubliches Glück“, sagte Faltings.

 

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erstellt am 25.Sep.2015 | 09:00 Uhr

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