Heuler : Von der Mutter getrennt: Annika saß erschöpft im Watt

Der kleine Heuler wird jetzt in Friedrichskoog aufgepäppelt.
Der kleine Heuler wird jetzt in Friedrichskoog aufgepäppelt.

Spaziergänger entdeckten am Deich ein Seehundbaby. Es wurde nach einer ersten Untersuchung in die Aufzuchtstation gebracht.

shz.de von
11. Juni 2014, 11:45 Uhr

In einer spektakulären Rettungsaktion wurde der erste Heuler der Saison auf der Insel Föhr geborgen. Die kleine Annika wohnt inzwischen in der Seehundaufzuchtstation Friedrichskoog und erholt sich dort prächtig von ihrem Abenteuer.

Nach dem Anruf einiger Touristen vom Deich, die das mutterlose Seehundbaby in den Lahnungen vor der Vogelkoje entdeckt hatten, rückten Mitarbeiter des Robbenzentrums Föhr aus, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Das acht Kilogramm schwere Tier hatte sich bei ablaufendem Wasser, wohl ausFurcht vor den vielen Menschen am Deich, an das hintere Ende der Landgewinnungs-Buhnen verzogen und dort völlig erschöft mit letzter Kraft auf das Reet gelegt.

Von dem schlammigen Wattboden konnte das Tier nur mit verinten Kräften geborgen werden, denn der Untergrund an diesem Deichabschnitt ist äusserst matschig und man versinkt an vielen Stellen knietief. Nach erster tierärztlicher Untersuchung und Behandlung der noch vorhandenen Nabelschnur wurde das etwas zwei Tage alte Seehundbaby mit Elektrolyten versorgt.

Seehunde, die ihre Mutter verlieren – meist durch menschliche Störung – verlieren schnell an Gewicht und trocknen aus, wenn sie nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Ein Seehundbaby muss sein Gewicht in den ersten vier Wochen von zirka acht auf über 30 Kilogramm vervierfachen. In den ersten zwei Wochen fastet die Seehundmutter aus Angst, ihr Baby in der rauen und strömungsreichen Nordsee zu verlieren. In bis zu 80 Prozent der Fälle – so eine britische Studie – werden die Tiere durch menschliche Störung voneinander getrennt.

Während viele mutterlose Heuler schon im Meer sterben, schaffen es kleine Kämpfer noch bis ans rettende Land und brauchen dort schnelle Erstversorgung. Dann haben sie beste Chancen, zu überleben und nach einiger Zeit wieder in die Freiheit entlassen zu werden.

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