Ferring-Stiftung : Vom Kampf um ein altes Kulturgut

Die alte Oevenumer Vogelkoje liegt dem Föhrer besonders am Herzen.
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Die alte Oevenumer Vogelkoje liegt dem Föhrer besonders am Herzen.

Buchpräsentation in Alkersum: Heie Sönksen-Martens hat Informationen zu allen 19 nordfriesischen Vogelkojen gesammelt.

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31. Januar 2017, 16:45 Uhr

„Heie, Du bist ein gern gesehener Gast bei uns in der Ferring-Stiftung. Du hast immer wieder gute Ideen, die wir dann in der Stiftung umsetzen können.“ Mit diesen Worten begrüßte Hausherr Volkert Faltings am Sonntag den Referenten des Frühschoppens in Alkersum, als dieser sein Buch „Die Vogelkojen an der Nordfriesischen Küste, 1730 bis 2015“ vorstellte. Mehr als 60 Zuhörer waren gekommen, um von dem engagierten Verfechter der Vogelkojen viel Wissenswertes rund um dieses Thema zu hören.

Heie Sönksen-Martens war über seinen Schwiegervater, dem Oevenumer Jens Martens (auf Föhr „Atje“ genannt), mit dem Thema vertraut geworden und wurde sehr schnell zum „Bevollmächtigten der Interessengemeinschaft Föhrer Entenkojen“ gewählt. In dieser Funktion kämpft er bis heute mit beachtlichem Erfolg für die Erhaltung der Entenkojen als Kulturgüter, denen viele Föhrer Familien eng verbunden sind. Mit Fleiß, Beharrlichkeit und konstruktiver Zusammenarbeit setzt er die Ziele der Föhrer Kojeninhaber durch und motiviert seine Mitstreiter stets zum Anpacken.

Zahlreiche Dokumente (Konzessionen, Schriftverkehr, Auszüge aus Gesetzen und Verordnungen), Skizzen, Fotos, Satellitenaufnahmen und Fangstatistiken belegen den Einsatz auf Kreis-, Landes- und Bundesebene. Novellierungen von Jagdgesetzen, Fangverbote und Anfeindungen von Vogelschützern konnten jedes Mal sachlich und fundiert pariert werden. Auch das Wringeln, die Tötungsart durch schnellen Genickbruch, wurde nach einem eindeutigen tierärztlichen Gutachten wieder erlaubt.

Heie Sönksen-Martens hat auf 555 Seiten alle ihm verfügbaren Informationen über die 19 Vogelkojen in Nordfriesland zusammengetragen. Unterstützt wurde er dabei von Jan-Mathias Martens, der die zahlreichen Fakten redaktionell überarbeitete und elektronisch aufbereitete. Ausführliche Skizzen der Anlagen und der unterschiedlichen Fangmethoden zeichnen ein sehr genaues Bild dieser kommerziell betriebenen Fanganlagen. Immerhin wurden in besonders guten Jahren in einer Koje mehr als 30  000 Enten (mehrheitlich Krickenten) gefangen und auf Föhr und Amrum gab es jeweils eine Wildenten-Konservenfabrik für den Export der Delikatesse.

Rund 80 Prozent aller nordfriesischen Fänge wurden auf Föhr gemacht, etwa zehn Prozent auf Sylt und fünf Prozent auf Amrum. Bereits im Zweiten Weltkrieg gingen die Fänge stark zurück und ab 1965 spielten sie praktisch keine Rolle mehr.

Heute dürfen auf der gesamten Insel Föhr nur noch 600 Stockenten pro Jahr gefangen werden, praktisch wird nicht einmal die Hälfte erreicht. Trotzdem unterhalten die Kojeneigentümer ihre Vogelkojen, die seit 1996 als Kulturdenkmäler anerkannt sind, mit viel Geld und Einsatz. Damals wurde beispielsweise die Neue Oevenumer Vogelkoje in rund 2000 Arbeitsstunden und mit Material für rund 10  000 Euro grundsaniert.

In seinem Vortrag verstand es Heie Sönksen-Martens, die Fakten gewürzt mit historischen Anekdoten und Details interessant darzustellen. Wer sich nun selbst ein umfassendes Bild von den nordfriesischen Vogelkojen machen möchte, sollte sich das Buch, das nur in der Ferring-Stiftung erhältlich ist, zulegen.


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