Föhr : Vollzeitjob statt Rentnerleben

Voller Tatendrang: Uli Hess in „seiner“ Stadt.
Voller Tatendrang: Uli Hess in „seiner“ Stadt.

Er wollte nur wieder ein bisschen Politik machen. Doch jetzt ist Uli Hess Bürgermeister von Wyk.

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31. Juli 2018, 13:00 Uhr

Der Mann hat Bock auf das, was er da macht – richtig Bock. Hans-Ulrich Hess, der viel lieber Uli genannt werden möchte („Hans-Ulrich ist so förmlich, aber auf Uli höre ich gerne“), ist seit dem 18. Juni Wyker Bürgermeister. Und beim ersten Pressegespräch nach seiner Wahl sprüht er nur so vor Energie. Dass das Altenteil, auf das er sich eigentlich auf Föhr zurückziehen wollte, für Hess noch nichts ist, wird schnell deutlich. 16 Jahre war er Bürgermeister im sauerländischen Meschede, knapp drei Jahre ist das jetzt her. Aber als er dann am Tag nach seiner Wahl zum ersten Mal am neuen Schreibtisch im Wyker Amtsgebäude saß, „da hatte ich das Gefühl, ich kann gleich loslegen als wäre es gestern gewesen“.

Dabei gibt es zwischen dem alten und dem neuen Bürgermeisterjob ein paar deutliche Unterschiede: Meschede war Brotberuf, hier war Hess hauptamtliches Oberhaupt und Verwaltungschef einer Mittelstadt mit 31 000 Einwohnern. Das kleine Wyk (rund 4500 Einwohner) dagegen gehört zum Amt Föhr-Amrum, der Bürgermeister ist Mitglied der Stadtvertretung und übt ein Ehrenamt aus – das aber angesichts der vielen Aufgaben schnell zum Vollzeitjob werden kann.

Warum tut ein altgedienter Politprofi, der jetzt das Rentnerleben genießen könnte, sich sowas noch mal an? „Es gibt Leute, die sagen, das ist eine spinnerte Idee, aber mir gefällt das“, meint Uli Hess, der, nachdem er seinen Wohnsitz 2016 auf seine langjährige Ferieninsel verlegt hatte, „eigentlich nur wieder ein bisschen Politik machen“ wollte, von der Wyker CDU vor der Kommunalwahl aber schnell zum Hoffnungsträger und Spitzenkandidaten aufgebaut worden war.

Viele Jahre, vor allem nachdem die beiden Söhne 1991 und 1993 geboren waren, hatte die Familie Hess auf Föhr Urlaub gemacht, zu allen Jahreszeiten. Nach dem Ausscheiden in Meschede kam dann die Idee, ganz auf die Insel zu ziehen, in der Wyker Flurstraße kauften Annette und Uli Hess ein Haus. In Meschede („das war für mich Arbeitsort, nie Heimat“) wurden die Zelte abgebrochen, dort gibt es jetzt nur noch eine kleine Wohnung als Anlaufstelle, auch für die beiden Söhne, die noch studieren. „Früher war ich nur auf der Durchreise, jetzt bin ich angekommen“, erzählt der aus Mülheim-Ruhr gebürtige Neu-Föhrer, dass er nach beruflichen Stationen in Quickborn und Meschede in Wyk jetzt seine Heimat gefunden habe.

Eine Heimat, in der er nun die Ärmel hochkrempeln und etwas bewegen will. Etliche Baustellen hat er bereits ausgemacht: Das Bauprojekt an der Boldixumer Straße etwa, „das ich so schnell wie möglich und geordnet zum Ziel führen will“. Endlich umgesetzt werden soll nach endlosen Diskussionen auch die Umgestaltung der Fußgängerzone, dazu kommt der Neubau der Mittelbrücke, die Sanierung des Aquaföhr – „da ist richtig Druck im Kessel“ – oder der Bau der Skaterbahn. Und auch das Jahrzehnte alte Wyker Dauerthema „Verkehrskonzept“ hat Uli Hess auf dem Zettel. Eines stellt er dabei klar: Wenn die Stadtvertretung donnerstags abends einen Beschluss gefasst hat, „dann wird am nächsten Tag mit der Umsetzung begonnen“. Der Wyker Unsitte, Themen, die eigentlich längst abgehakt sein sollten, wieder und wieder und wieder zu diskutieren, sagt der Neue damit den Kampf an.

Wichtige Projekte stünden zurzeit an, die viel Geld kosten würden, aber, davon ist er überzeugt, allesamt den Gästen zugute kämen. Deren Zufriedenheit wiederum spüle Mittel auf die Insel. „Man muss sehen, das hat alles auch etwas mit Fördermaßnahmen zu tun“, so Hess, der gleichzeitig betont, dass die Stadt finanziell gut aufgestellt sei und sich nicht am Limit bewege.

„Ich habe einfach Spaß daran“, erklärt Uli Hess lachend, warum er sich das Amt im Rentenalter noch einmal antut. Und ihn reize, sich der Herausforderung zu stellen. Respekt vor den Aufgaben, die als Bürgermeister auf ihn zukommen, hat er dennoch, weshalb er großen Wert auf Arbeitsteilung legt. In einigen Bereichen will er sich deshalb die Aufgaben mit seinen Stellvertreterinnen Birgit Hinrichsen und Silke Ofterdinger-Daegel teilen – damit auch Zeit für Strandspaziergänge und andere Unternehmungen mit Ehefrau Annette bleibt und er den Bock auf den Job behält.



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