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Insel-Bote

18. November 2017 | 18:53 Uhr

Föhr : Vollpension für Stacheltiere

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

In der Wyker Igelstation werden Tiere aufgepäppelt, die für den Winterschlaf zu klein sind. Im Oktober gibt es regelmäßig Führungen.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 19:00 Uhr

„Der ist ja wirklich süß“. Die Teilnehmer der Führung in der Wyker Igelstation waren hingerissen vom ersten kleinen Bewohner in dieser Einrichtung, die sich die Rettung der Stachelträger auf die Fahnen geschrieben hat. Gerade einmal etwas mehr als 100 Gramm wog das Tierbaby, das Sarah Marquardt den kleinen und großen Schaulustigen präsentieren. „Ihr dürft den Igel fotografieren, müsst auch nicht besonders leise sein, aber das Berühren ist absolut tabu“, erklärt die Tierpflegerin, die die Einzige ist, die mit dem Igel in näheren Kontakt kommen darf. Der Winzling dankt die Rücksichtnahme der Menschen mit dem Verzicht auf das Einkugeln und läuft neugierig über die Hände seiner Pflegerin, die sein Verhalten damit erklärt, dass ein Igel als Nachttier recht schlecht sehen kann und somit seine Fan-Gruppe kaum registriert.

Insgesamt sechs kleine Stacheltiere haben bisher in der Station Quartier gefunden. Sie liegen mit ihren jeweils rund 100 Gramm Körpergewicht weit unter dem, was sie um diese Jahreszeit wiegen sollten. „Igel müssen am 1. Oktober rund 500 Gramm auf die Waage bringen, wenn sie den Winterschlaf heil überstehen sollen“, erläutern Sarah Marquardt und Heiko Pries, der Vorsitzende der „Igelhilfe Föhr“, die die Station trägt und damit das Erbe ihrer Gründerin, der vor zwei Jahren verstorbenen „Igelmutter“ Angela Bruchwitz, fortführt.

Mit diesen Führungen verfolgt der Verein zwei Ziele. Die Teilnehmer werden dabei ausführlich mit dem Leben der Igel vertraut gemacht. Ihr Jahreszyklus wird demonstriert, wobei deutlich gemacht wird, dass die kleinen Tiere recht spät im Sommer geboren werden und dann „wie die Weltmeister“ fressen müssen, um sich genügend Speck für den Winter anzufuttern. Dass das nicht immer gelingt, machen die ersten kleinen Bewohner der Station deutlich. Sarah Marquardt informiert dann auch, was im Falle eines Igelfundes geschehen muss. „Wer Igel sieht, die am Tag unterwegs sind, sollte sich auf jeden Fall um sie kümmern, denn normalerweise schlafen die während des Tages.“ Die Stachelzwerge sollten warmgehalten werden und Katzen- oder Hundefutter, aber auch ungesalzenes Rührei bekommen. Auf keinen Fall, das wussten aber auch alle Besucher der Station, dürfen die Igel Milch zu trinken bekommen. Doch sollte niemand versuchen, einen stacheligen Untermieter über den Winter selbst zu pflegen. Die Tiere gehören unbedingt in die Hände von Fachleute, im Föhrer Fall der Igelhilfe. Hier werden sie nämlich nicht nur fachgerecht aufgepäppelt und sicher über den Winter gebracht. Besonders wichtig ist auch ihre tierärztliche Versorgung, denn die untergewichtigen Patienten sind innerlich und äußerlich von vielen Parasiten befallen, gegen die sie behandelt werden müssen.

Damit kommt auch das zweite Ziel der Führungen zur Sprache: Die Igelhilfe ist zu 100 Prozent von Spenden abhängig, erhält sie doch keinerlei offizielle Hilfe. Über 60 kleinen Igeln konnte, wie die Fachfrau berichtet, über den letzten Winter geholfen werden, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich die Kosten für Tierarzt und Futter vorzustellen. Deshalb hoffen Sarah Marquardt und Heiko Pries auch, dass sich in den kommenden Wochen noch viele Neugierige zu den Führungen einfinden, viel Interessantes über das Leben der Igel erfahren und den Stacheltieren mit ihrer Spende über die kalte Jahreszeit helfen.

Igelstation, Am Grünstreifen 25  B, 25938 Wyk,

Führungen bis zum Donnerstag, 2. November, jeweils montags und donnerstags um 16 Uhr. Gruppen sollten sich zu den Führungen vorher anmelden unter   ✆  04681/748349 oder ✆  0157/87308853.

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