Erster Weltkrieg : Verwundet an der Westfront

Auch der Midlumer Nahmen Cornelius Hassold (auf dem Foto mit Ehefrau Dorothea) fiel in Frankreich.
Auch der Midlumer Nahmen Cornelius Hassold (auf dem Foto mit Ehefrau Dorothea) fiel in Frankreich.

Der Wyker August Geerk stirbt am 12. Februar 1918 im Feldlazarett von Lens.

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15. Februar 2018, 18:05 Uhr

„Es gibt bei uns da draußen [auf den Schlachtfeldern der Westfront, d.V.] doch immer wieder schöne, stille Stunden, in denen man an Euch und daheim denkt und sinnt und spricht, und wo wir jenen Tag sehen, da wir alle wieder heimkehren können“, heißt es in einem Soldatenbrief vom 15. Januar 1918. Im November 1918 wird der Krieg tatsächlich vorbei sein. Der Absender des Briefes wird das nicht mehr erleben, er fällt wenige Tage vorher.

Gleich neben diesen kurzen Momenten der Stille, Sehnsucht und Hoffnung, wenn es sie denn wirklich gab, liegt die grausame Realität des Krieges: „Sobald man aufbrach, spürte man diesen entsetzlichen Sog ... In gewisser Weise war es noch schlimmer, wenn der Schlamm einen nicht hinunterzog ... [dann] wusste man, dass man auf eine Leiche trat. Das war grauenhaft. Manchmal trat man einem Toten in den Bauch, da kamen die ganzen Gase raus ... Von dem Gestank konnte einem übel werden.“ Und wenn die Granaten einschlugen, schleuderten sie die verwesenden Leichen hoch in die Luft. Sie fielen in Fetzen auf die Soldaten herab.

An der Westfront wird in diesem Gemetzel der Wyker August Geerk am 12. Februar 1918 schwer verwundet. Einen Tag später stirbt er im Feldlazarett von Lens, wo man ihm das Bein abgebunden hat, um die Blutungen zu stoppen. August Geerk aber hält die Schmerzen nicht aus, löst die Abbindung und verblutet. Eine Notiz, dass Geerk erst 1919 nach kurzer Krankheit gestorben sein soll, ließ Zweifel an der Richtigkeit des Todesdatums aufkommen. Noch verstärkt wurde dieser durch eine Zeitungsmeldung vom Februar 1918, wonach die genauen Todesumstände zunächst nicht bekannt waren. Über Hans-Uwe Simonsen (Wyk) und den Urenkel des Gefallenen, Wilhelm Geerk (Nieblum), konnte eine Nachfrage beim Enkel von August Geerk Klärung bringen. Jochen Geerk bestätigte am Telefon in Spanien, dass sein Großvater August Geerk im Februar 1918 gefallen sei.

August Geerk wird nach mehreren Jahren bei der Amrumer Inselwache nach Lübeck versetzt, dort am Maschinengewehr ausgebildet und dann an die Westfront geschickt. Er kehrt nicht zurück. Seine Frau Berta geborene Aggens bleibt mit den drei Kindern August, Wilhelm und Berta zurück. Sie heiratet später den Witwer Hans Christian Simonsen, der einen Malerbetrieb und fünf Kinder mit in die Ehe bringt, so den späteren Malermeister Hans Simonsen, Käthe (Hinrichsen) und Mariechen (Frähmke). Sohn Walter stirbt mit 19 Jahren, Sohn Max, der Vater von Hans-Uwe Simonsen, fällt an der Ostfront. August und Wilhelm Geerk, die Söhne des Gefallenen, werden später in der Malerei Simonsen arbeiten. Hans-Uwe Simonsen erinnert sich, dass August Geerk manchmal sagte: „Min Vadder is in`e Krieg fullen.“

Und was geschieht auf Föhr?

Am 8. März 1918 erhält die Midlumer Familie Jens Philipp Hassold die telegrafische Nachricht, dass der Sohn Theodor einen Tag zuvor in einem russischen Feldlazarett an Genickstarre gestorben ist. Seine Braut Maria Andresen heiratet 1921 den Boldixumer Gärtner Carsten Carstensen und hat mit ihm zwei Kinder: Christa verheiratete Schlachtschütz und John Adolf, in Wyk genannt „Casche Kniep“. Theodor Hassolds Bruder war der Wyker Baumeister Karl Hassold.

Am 21. März 1918 fällt Theodor Hassolds Cousin, der Midlumer Nahmen Cornelius Hassold, in Frankreich. Der Hoferbe ist seit drei Jahren mit Dorothea Hinrichsen verheiratet. Seine 1915 geborene Tochter Elise heiratet den Gärtner Erich Riewerts und ist die Mutter von Friede Springer geborene Riewerts. Seinen Sohn Johann Lorenz, der im Februar 1918 zur Welt kommt und später den Hassold-Hof übernimmt, erlebt Nahmen Cornelius Hassold nicht mehr. Die Gedenkplatte (die zwölfte von Osten) für Nahmen Cornelius Hassold befindet sich in der nördlichen Reihe des Nieblumer Ehrenmals.

1914 - 1918: Die Opfer
Vor 100 Jahren brachte der Erste Weltkrieg unendliches Leid über die Menschen in den beteiligten Staaten – auch für Föhr hatte dieser Krieg weitreichende Folgen.  Viele Insulaner zogen begeistert in die Schlacht,  etliche kehrten nicht mehr zurück.  Die Historikerin Dr. Karin de la Roi-Frey  hat den Schicksalen der Kriegstoten von 1914 bis 1918 nachgespürt, deren Namen auf dem  Ehrenmal des Boldixumer Friedhofs stehen.  In einer Serie wird sie in den kommenden Jahren – jeweils zum 100. Todestag – an diese Menschen erinnern.

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