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Hospizbetreuung : Versorgungslücke auf den Inseln geschlossen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Im Seniorenheim Johanneshaus wurde ein Palliativzimmer eingeweiht. Sterbende und ihre Angehörigen können so auf der Insel betreut werden.

Insulaner, die so krank sind, dass eine Betreuung zuhause nicht mehr möglich ist, können ihre letzte Lebensphase neuerdings trotzdem auf der Insel verbringen. Im Johanneshaus wurden jetzt ein „Kurzzeitpflegezimmer mit palliativem Schwerpunkt“ sowie ein Angehörigenzimmer eröffnet, „ein typisch Föhrer Produkt“, wie der Vorsitzende der Hospizinitiative Föhr-Amrum, Pastor Jörg Weißbach, in seinem Grußwort betonte. Denn ein solches Konstrukt, „kein richtiges Hospiz und ein fast richtiges Palliativzimmer“, gebe es sonst nirgends. „Das ist eine ganz tolle Einrichtung, wir sind stolz darauf, dass so etwas durch Sponsoren von der Insel geschaffen werden konnte“, lobte Amtsvorsteherin Heidi Braun, eine von vielen Rednern bei der Einweihungsfeier.

Zwei Räume wurden in einem vom normalen Alltagsbetrieb etwas abgelegenen Bereich des Wyker Seniorenheimes geschaffen: Ein wohnliches, aber trotzdem funktionales Pflegezimmer, aus dessen großen Fenstern der Patient ins Grüne blickt, sowie ein gemütliches Angehörigenzimmer, in das sich die Familien, die einen Sterbenden begleiten, zurückziehen und auf einem bequemen Bettsofa auch übernachten können. Auf einer kleinen Terrasse kann man im Sommer außerdem im Garten sitzen, die Zugangstür soll in absehbarer Zeit so verbreitert werden, dass auch das Pflegebett ins Freie geschoben werden kann.

Bisher konnten Insulaner in Flensburg oder Niebüll im Hospiz betreut und natürlich auch dort von einem Angehörigen begleitet werden, doch war es für Freunde und Familie wegen der Insellage nicht möglich, mal spontan vorbeizuschauen. In dem Zimmer auf Föhr behalten Sterbende bis zuletzt die Anbindung an ihr soziales Umfeld. Und dank des Angehörigenzimmers kann ein Stück normales Familienleben gelebt werden. So können Angehörige an einem großen Tisch gemeinsame Mahlzeiten einnehmen, Kinder können nach der Schule beim kranken Elternteil vorbeischauen und dort wie zuhause spielen und ihre Hausaufgaben machen.

Den Anstoß zur Einrichtung dieses Zimmers gaben vor drei Jahren aufgrund eigener Erfahrungen Eberhard Pohlmann und Stefan Peetz vom Föhrer Rotary-Club. Schnell gelang es ihnen, weitere Mitstreiter mit ins Boot zu holen, neben dem Johanneshaus und der Hospiz-Initiative unter anderem auch die Amrumer Rotarier und den Föhrer Lionsclub. Die unterstützten das Projekt nicht nur mit Geldspenden, sondern legten beim Umbau der beiden Zimmer auch selbst Hand mit an. Mit der Sylter Innenarchitektin Catharine Greuel wurde mit der Planung der Umgestaltung eine Fachfrau gefunden, die bereits das Wilhelminen-Hospiz in Niebüll gestaltet hat.

Auch die Krankenkassen als Kostenträger konnten für diese besondere Form der Kurzzeitpflege auf Föhr gewonnen werden, die der amtierende Rotary-Präsident Jürgen Poschmann als „Projekt mit Modellcharakter“ bezeichnete. Er überreichte den symbolischen Schlüssel für die beiden Räume an den Leiter des Johanneshauses, Sören Zastrow, der betonte, dass mit diesem Zimmer eine Lücke in der bisher ausschließlich ambulanten Hospizbetreuung auf der Insel geschlossen werde. „Wir haben hier ein Hospizwesen, dass es in dem Angebot auf dem Festland nicht gibt“, lobte Sören Zastrow.

Nach dem offiziellen Teil konnten die beiden Räume besichtigt werden, die zu diesem Zeitpunkt ihre Feuerprobe bereits bestanden hatten. Denn schon vor der endgültigen Fertigstellung konnten dort zwei Insulaner ihre letzten Tage verbringen.

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erstellt am 28.Mai.2014 | 12:15 Uhr

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