Radikaler Protest : "Ventil-Guerilla" nimmt Autofahrer aufs Korn

Tatort Großparkplatz Heymannsweg: Bislang fielen die vermeintlichen Umwelt-Aktivisten nur hier auf. Foto: Dirk Jenßen
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Tatort Großparkplatz Heymannsweg: Bislang fielen die vermeintlichen Umwelt-Aktivisten nur hier auf. Foto: Dirk Jenßen

Den Absendern der dubiosen Botschaft scheint der massive Autoverkehr auf Föhr gewaltig zu stinken. Nachdem sie die Luft aus den Reifen ließen, rieten sie dem Geschädigten, zu Fuß zu gehen oder den Bus zu nehmen.

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13. August 2008, 09:17 Uhr

Wyk | Gute Vorsätze, falsche Umsetzung - so könnte man die eigenwillige Aktion (Aktionen?) betiteln, die sich unlängst auf dem Parkplatz am Heymannsweg abspielte. Ganz offensichtlich hat sich auf der Insel eine neue Umweltschutzbewegung gebildet - mit dem vielsagenden Namen "Ventil-Guerilla". Aber nicht nur der Name, auch die Wahl ihrer Mittel lässt allerdings auf eine etwas radikalere Gesinnung schließen. Der oder die Täter lassen bei den ausgewählten Fahrzeugen einfach die Luft aus den Reifen, raten zu Fuß zu gehen oder den Bus zu nehmen und legen sogar einen Fahrplan der Föhrer Buslinien bei. Alles in einer Klarsichthülle, damit es nicht nass wird. Zuvorkommend.

Belegt ist bei der Wyker Polizei bislang ein Fall: Einem auf dem Großparkplatz am Heymannsweg abgestellten PKW eines urlaubenden Hamburgers hatte (vermutlich) die "Ventil-Guerilleros" zwei Reifen plattgemacht - da half dann auch ein Reserverad nicht mehr wirklich. Doch dieser Fahrzeughalter fand die Guerilla-Botschaft, die die Handlungsweise der Täter rechtfertigen soll, nicht. Vielleicht vom Winde verweht…
"Vorübergehend fahruntüchtig gemacht"

In dem zunächst freundlichen Bekennerschreiben der vermeintlichen "Wanderfreunde" werden auf der Vorderseite in einem Manifest Zitate des kulturhistorischen Reiseschriftstellers und Dichters Johann-Gottfried Seume (1763 bis 1810) aneinandergereiht. Dieser preist darin die Vorzüge des Fußmarsches gegenüber der Fahrt in der Kutsche an.

Auf der Rückseite findet sich eine Warnung "im Namen der Humanität", in der es weiter heißt: "Aus Rücksicht auf das Allgemeinwohl haben wir ihr Auto vorübergehend fahruntüchtig gemacht." Danach legen die Täter dem KFZ-Besitzer nahe, "auf unseren Rat zu hören und ihre Dreckschleuder dauerhaft stillzulegen", es gäbe doch genügend Alternativen.
Weder Straftat noch Ordnungswidrigkeit

Abgestellt hatte der Hansestädter sein Fahrzeug am vergangenen Donnerstagabend. Bemerkt hatte er den Schaden Freitagmorgen und wendete sich an die Polizei. "Uns wurde der Sachverhalt geschildert, eine Anzeige konnten wir nicht aufnehmen", erklärt Wyks Dienststellenleiter Jörg Addix. Denn mit dem Luft aus den Reifen lassen läge weder eine Straftat noch eine Ordnungswidrigkeit vor. Einzig der Geschädigte könne, sofern ihm durch den Vorfall Kosten entstünden, zivilrechtlich gegen die Täter vorgehen.

Addix und seiner Crew bleibt bei ihren Streifen deshalb nur "Augen offenhalten". Eine Einladung, ihren Kampf gegen die Autofahrer auf diesem Wege fortzusetzen, sieht der Polizeihauptkommissar aber dennoch nicht: "Das ist keinesfalls witzig." Sollten die "Guerilleros" ihm auf frischer Tat in die Hände fallen, sähe es anders aus: "Dann würden wir die Personalien feststellen und an den Geschädigten weiterleiten."
Dubiose Botschaft und prall gefüllte Reifen

Dass es vermutlich noch mindestens einen zweiten Fall gibt, beweist die Tatsache, dass der Besitzer eines Bekleidungsfachgeschäftes am Sandwall bereits am Donnerstagnachmittag die dubiose Botschaft neben seinem ebenfalls auf dem Großparkplatz abgestellten Fahrzeug fand. Seine Reifen waren allerdings alle prall gefüllt. Auf der Nachbarinsel Amrum sind laut Addix noch keine derartigen Taten polizeilich bekannt.

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