Zwei Verletzte in Lebensgefahr : Ursache für Schiffsunfall vor Amrum offenbar geklärt

An der „Adler Express“ entstand hoher Sachschaden.
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An der „Adler Express“ entstand hoher Sachschaden.

Ein Fährschiff rammt im Hafen von Amrum einen Anleger. Mindestens 27 Passagiere verletzen sich, sechs von ihnen schwer. Unfallursache soll ein defektes Schaltmodul gewesen sein.

shz.de von
04. Juni 2014, 12:32 Uhr

Wittdün | Das Fährschiff „Adler-Express“ hat am Mittwochvormittag im Hafen der nordfriesischen Insel Amrum den Anleger gerammt. Das Schiff war von Hallig Hooge nach Amrum unterwegs und prallte gegen 11 Uhr an den Fähranleger. Mindestens 27 Personen wurden verletzt, sechs von ihnen schwer. „Bei zwei Verletzten besteht Lebensgefahr“, sagte der Husumer Polizeisprecher Wolfgang Boe.

Der Grund für den Unfall sei ein defektes Schaltmodul gewesen, das für die Umsteuerung des Hauptmotors zuständig ist, erklärt Juliane Peter, Sprecherin der Adler-Reederei. Dadurch sei das 42 Meter lange Schiff manövrierunfähig gewesen, der Kapitän konnte es nicht bremsen und es prallte mit einer Geschwindigkeit von sechs bis sieben Knoten (etwa 12 Stundenkilometer) gegen den Amrumer Anlieger. Die Adler-Express werde bis auf weiteres ausfallen.

„Es war Chaos, viele Verletzte, man lag übereinander“, sagt der Augenzeuge Hans-Peter Prings. Ein Passagier, der das Anlegemanöver von weit vorne im Bugbereich aus beobachten wollte, berichtet, dass der Kapitän kurz vor dem Unglück über Lautsprecher gewarnt hatte. „Festhalten! Festhalten!“, habe er gerufen. Viele Passagiere hatten zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits ihre Sitzplätze verlassen. Sie standen mit ihrem Gepäck an Deck und warteten, aussteigen zu können. Durch den Aufprall wurden einige von ihnen über das Deck geschleudert, Taschen und Koffern flogen – so schildern es Zeugen.

Auf dem Schiff waren nach Polizeiangaben insgesamt 233 Passagiere, darunter zahlreiche ältere Menschen und mehrere Schulklassen. Viele Passagiere standen während des Anlegemanövers an Bord und warteten auf das Aussteigen. Sie stürzten bei dem Aufprall. Ob bei dem Unglück auch Crew-Mitglieder verletzt wurden, war zunächst nicht bekannt.

Für die Helfer gab es Großalarm. Sie waren anfangs mit sieben Rettungshubschraubern, einem Seenotrettungskreuzer sowie mehreren Notärzten und Rettungswagen vor Ort. Unterstützt wurden sie von Kräften der Bundespolizei und der Bundeswehr. Mittlerweile sind alle Personen von Bord. Von Nordstrand wurde die „Adler V" eingesetzt, die dann die Gäste von Hooge und Amrum abholte und zurück nach Nordstrand brachte.

Nach den Fahrplanangaben der Reederei Adler-Schiffe fährt ihre „Adler-Express“ von Nordstrand - Hafen Strucklahnungshörn - täglich zweimal ab. Sie erreicht demnach in 60 Minuten die Hallig Hooge, in 90 Minuten die Insel Amrum und in zweieinhalb Stunden die Insel Sylt. Das Schiff wurde 1993 fertiggestellt, ist 41,90 Meter lang und 8,20 Meter breit. Es kann 420 Passagiere aufnehmen und eine Geschwindigkeit von 24 Knoten (rund 45 Stundenkilometer) erreichen.

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