Grabungen auf Föhr : Uralte Häuser im Neubaugebiet

Der Archäologe zeigt eine alte Tonscherbe.
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Der Archäologe zeigt eine alte Tonscherbe.

Archäologen finden in Oevenum zwei Langhäuser aus der römischen Kaiserzeit. Schon vor 1700 Jahren siedelten dort Menschen.

shz.de von
15. Juli 2015, 11:45 Uhr

„Nichts ist haltbarer als ein Loch“, sagt Leif Schlisio vom Archäologischen Landesamt in Schleswig, derzeit Ausgrabungsleiter am geplanten Oevenumer Neubaugebiet (wir berichteten). Und aus der Sicht eines Archäologen erscheint diese Aussage durchaus nachvollziehbar: Denn ebendiese Löcher sind es, die im zukünftigen Neubaugebiet wichtige Hinweise auf frühe Besiedlungsspuren geben: Die Stellen, an denen einmal Holzpfosten im Boden standen, die das Dach der sogenannten Langhäuser trugen, sind heute Löcher, die mit Mutterboden gefüllt sind, der nach Verrottung der Hölzer nachrieselte.

Die Funde in Oevenum, südlich des Karkstiegs, werden spontan auf die frühere römische Kaiserzeit bis Völkerwanderungszeit datiert (300 – 450 n. Chr.). Zwei dieser Langhäuser, beziehungsweise die Hinweise darauf, haben die Wissenschaftler nun freigelegt, daneben auch Hinweise auf Grubenhäuser, in denen Handwerk betrieben wurde, sowie Keramikschalen. Auch kleine Knochenfunde wurden gesichert, wobei Schlisio noch nicht genau sagen kann, ob sie von Mensch oder Tier stammen.

Mit einer Länge von 35 bis 40 Metern müssen die Gebäude von imponierender Größe gewesen sein. Projektleiter Dr. Martin Segschneider erklärt, dass eine Großfamilie in so einem Haus gelebt habe, das Platz bot für zirka zehn Personen und Vieh. Die saftigen Wiesen hätten hervorragende Weidemöglichkeiten für Schafe und Rinder geboten. Auch über einen möglichen Wärmeverlust müssen sich frühere Generationen bereits Gedanken gemacht haben: Die Häuser boten dem Südwestwind eine möglichst geringe Angriffsfläche, indem sie mit ihrer Schmalseite in diese Himmelsrichtung zeigten.

Wenn alles gesichtet ist, die Funde verpackt sind und die Ausgrabungslöcher wieder aufgefüllt sind, „dann ist eigentlich alles erledigt.“ Was Segschneider bei den Voruntersuchungen im Frühjahr bereits zusagte, kann er jetzt nur bestätigen: Ende des Monats sollten die Grabungen abgeschlossen sein, so dass die Arbeiten im Neubaugebiet, sofern man überhaupt noch von „Neubaugebiet“ reden kann, beginnen können. Das Procedere einer archäologischen Voruntersuchung ist im Übrigen heute Standard und trifft nicht allein die Oevenumer. Die Befürchtung, der Baubeginn könnte sich verzögern, müsste irgendwann der guten Gewissheit weichen, dass am Geestrand von Oevenum ein guter Platz zum Bauen ist, was ja bereits bewiesen wurde.

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