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gelungener auftakt : Unbändige Kraft des Meeres

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Spannend und bewegend gleichermaßen startete der Literatursommer Föhr in seine vierte Saison. Anders als in den Vorjahren prangte kein bekannter Name auf den Plakaten – für Furore sorgte vielmehr ein Autoren-Neuling.

Spannend und bewegend gleichermaßen startete der Literatursommer Föhr in seine vierte Saison. Anders als in den Vorjahren prangte kein bekannter Name auf den Plakaten – für Furore sorgte vielmehr ein Autoren-Neuling, der der Veranstaltung als Zuschauer beiwohnte. Wohl durchdacht von Jörg Thiessen, denn lesen sollten aus seinem Buch „Den Fluten zum Trotz“ Akteure, die dieses Metier beherrschen.

So stellten Michael Steuer und Torsten Tews die bemerkenswerte Geschichte vor, deren Ausgangspunkt die schwere Sturmflut von 1634 ist. Im Mittelpunkt stehen der Fischer Ocke Hayen und dessen Familie, als am 11. Oktober 1634 der Blanke Hans seine zerstörerische Kraft an der friesischen Uthlande auslässt. Tausende Tote gab es zu beklagen und Thiessen beschreibt mitreißend das Leid der Insulaner und anlandender Halligbewohner, aus dem heraus schließlich Neues entsteht. Denn nachdem der Fischfang aufgrund verschobener Fanggebiete nicht mehr einträglich ist, wenden sich Ocke Hayen und Godber Godbersen der Transportschifffahrt zu.

Steuer und Tews präsentierten die Ereignisse eindringlich, ohne zu übertreiben. Eingerahmt in Musik, die bereits vor den ersten Worten auf das Kommende einstimmte. So begann die Lesung mit den Liedern „Someriinj“ (Sommerabend) und „Hergod din Stem“ (Herrgott, deine Stimme), beides leider nicht live gesungen vom Männergesangverein Föhr-West, dem auch der Autor angehört. Die Klammer schloss sich rund zwei Stunden später mit „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius, gesungen vom Kirchenchor St. Laurentii und dem MGV Föhr-West. Ergreifend und passend zum Leid, das zu der Zeit, in der das Buch endet, noch immer herrscht.

Überaus zufrieden zeigten sich schließlich die Akteure, angesichts der Resonanz von Publikum und Autor. Der sich ebenso überraschen ließ und sich im Vorfeld nicht eingemischt hatte. „Ich habe keinen Einfluss genommen und die Lesung zum ersten Mal gehört“, so Thiessen, der sich mit der Auswahl einverstanden zeigte. „Den Einstieg mit der großen Flut kann man nicht weiter kürzen und dann bleibt nicht mehr viel“, sei die Verknappung gelungen.

Jörg Thiessen wohnt in jenem Oldsumer Haus, das einst der Hauptperson seines Romans gehört hatte. Auch wenn der nicht Ocke hieß, denn abgesehen von den Personen des öffentlichen Lebens wurden die Namen geändert. Und hier entstand auch die Idee, „als ich anfing nachzulesen, wer hier gewohnt hat, und eine ununterbrochene Reihe feststellte, denn das Haus war ja nie leer“. Er begann nachzuforschen und schrieb die Ergebnisse auf – aus Eigeninteresse wurde schließlich ein Buch.

Gestützt hat sich der Autor bei seinen Recherchen hauptsächlich auf Gerichts- und alte Steuerprotokolle. Insbesondere Letztere hätten viel über das damalige normale Leben preisgegeben. Denn versteuert wurde nicht der Lohn, sondern das Vermögen. So sei vielfach nachzulesen, was im Falle eines Todes in dem einen oder anderen Haus vererbt wurde. Dazu kam natürlich die Geschlechterreihe von Lorenz Braren, also die alten Kirchenbücher von St. Laurentii. Ebenfalls geholfen hat alles Schriftliche aus dieser Zeit, Berichte von Pastoren etwa, die teilweise Zeitgeschichtliches aufgeschrieben haben.

Sieben Jahre mit Unterbrechungen hat Jörg Thiessen an seinem Debüt-Roman geschrieben. Die Frage nach einer Fortsetzung will er nicht endgültig beantworten. „Gereizt hat mich das 17. Jahrhundert, über das es nichts gab, und das ist durch.“ Doch die Fans können hoffen: Auch über das 18. Jahrhundert hat der Autor bereits recherchiert und schließlich war er sich auch bei „Den Fluten zum Trotz“ lange nicht sicher, ob es überhaupt ein Buch wird. „Mal schauen, ob es am Ende lohnt, das Material zu veröffentlichen.“

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erstellt am 06.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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