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Unerwarteter Erfolg : Überrascht und ein bisschen stolz

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Derya Gökmen gewinnt mit der deutschen Floorball-Auswahl bei der Damen-U-19-Weltmeisterschaft der B-Division in Kanada den Titel.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Fünf Tage New York waren der Lohn für ein ebenso erfolgreiches wie anstrengendes Floorball-Turnier im kanadischen Belleville, bei dem die Damen der deutschen U 19-B-Division Weltmeister wurden. Eine der Spielerinnen – die einzige aus Schleswig Holstein – war Derya Gökmen. Nun ist die 17-Jährige wieder auf der Insel und kann ihre Überraschung noch immer nicht ganz verbergen.

Dabei war ihr von Beginn an klar, dass die Mannschaft weit kommen würde. Schließlich gehörte die deutsche Floorball-Auswahl zu den Mitfavoriten. Dass es aber sogar für den Titel reichte, kam dann doch unerwartet: „Mit Platz drei hätte ich gerechnet, oder dass wir im Finale scheitern. Dass es dann doch geklappt hat, hat mich schon überrascht“, erzählt die glückliche B-Weltmeisterin.

Seit der fünften Klasse spielt die Föhrerin nun bereits den vor allem in den skandinavischen Ländern populären Hallensport. Seit den Zeiten, als am Gymnasium noch eine Floorball-AG angeboten wurde. Und Gökmen blieb für die Auswahl des Wyker TB weiter am Ball. Bisheriger Höhepunkt war die Qualifikation für die Deutschen U 17-Meisterschaften im Floorball.

2014 versuchte Derya Gökmen dann erstmals bei einem Sichtungslager für die Nationalmannschaft ihr Glück, gereicht hatte es aber noch nicht. Erst im vergangenen Jahr, als bei einem Trainingstag in Hamburg der Nationaltrainer Neil Anderes anwesend war, wurde dieser auf sie aufmerksam. Von nun an trudelten mehr oder weniger regelmäßig Einladungen auf der Insel ein. Bis zur WM nahm Gökmen an zwei Turnieren, unter anderem gegen andere Nationalteams, sowie mehreren Testspielen teil.

Dass sie dann für die WM in Kanada aufgestellt wurde, hat eigentlich eine unschöne Vorgeschichte: Die 20 Spielerinnen waren bereits nominiert, als eine Akteurin verletzungsbedingt absagen und der Bundestrainer nachnominieren musste. So wurde Derya eingeladen, die Mannschaft zu unterstützen.

Glücklicherweise stellte sich die Schule nicht quer: „Der Schulleiter hat sich gut gekümmert und die Lehrer hatten natürlich alle viel Verständnis.“ Sogar die Klausuren wurden so gelegt, dass die Schülerin nichts verpasste. Einer erfolgreichen WM stand also nichts mehr im Wege.

Beinahe, denn die ungarische Auswahl wollte ebenso gern den mit dem Titel verbundenen Aufstieg in die Division A, gleichsam die internationale Bundesliga, aus der sie gerade erst abgestiegen war. Gerne hätten die deutschen Damen diesen unangenehmen Gegner im Halbfinale vermieden, dafür hätten sie aber nach zwei Kantersiegen gegen Thailand (15:0, Derya steuerte einen Treffer und zwei Vorlagen bei) und Japan (12:0) auch ihr letztes Gruppenspiel gegen den Gastgeber Kanada gewinnen müssen. Dieser vermasselte ihnen aber mit einem späten Tor in einem offenen Spiel die Show, sodass nun doch Ungarn wartete.

Und die zeigten ihre Klasse dann auch sofort im ersten Drittel des Halbfinals: 2:0 führten die Konkurrenten nach 20 Minuten. Doch unter anderem auch durch Derya Gökmen, die mit ihrem Anschlusstreffer einen Torreigen eröffnete, gewann die deutsche Auswahl am Ende deutlich mit 5:2 und zog in das Finale ein.

Dort war der Druck dann nochmals höher, als man erneut auf die bereits bekannten Kanadier stieß. „Der Trainer hat einen guten Job gemacht und uns viel Motivation gegeben. Jeder hat für jeden gekämpft“, zeigt sich Derya froh, dass sie sich auf das Team verlassen konnte. Doch dass Kanada weiterhin ein harter Brocken war und nicht umsonst in der Weltrangliste einen Platz über den Deutschen platziert war, machten die Hausherren schnell deutlich: Wie bereits gegen Ungarn geriet man schnell in Rückstand. Davon ließ sich das deutsche Team dieses Mal aber nicht beeindrucken, das bereits nach 40 Minuten mit 5:3 führte, bevor die Kanadierinnen noch einmal ausgleichen konnten. Zudem zeigten die Deutschen, anders als noch in der Vorrunde, diesmal die besseren Nerven und sicherten sich mit einem Tor in der letzten Spielminute den Titel.

Viel Zeit zum ausgelassenen Feiern blieb der Mannschaft allerdings nicht, denn direkt nach dem Turnier standen fünf Tage New York auf dem Programm, „zur Entspannung“, wie Gökmen erklärt. Außerdem konnten sich die jungen Frauen so besser kennenlernen. Für die 17-jährige Föhrerin war es kein großes Problem, Anschluss in der bereits eingespielten Truppe zu finden. „Klar, am Anfang war es ein bisschen schwer, reinzukommen. Aber die anderen waren alle echt nett.“ Trotzdem, so gibt sie zu, sehnte sie sich in den letzten Tagen doch nach ihrer vertrauten Umgebung. Gedanken, für die sie während des Turnieres keine Zeit hatte. Fünf Spiele in fünf Tagen bedeuteten ein hartes Programm. Besonders angespannt, sei sie jedoch nicht gewesen, so Derya Gökmen. Allerdings: „Gegen Kanada war das schon ein anderes Gefühl. In der vollbesetzten Halle hat man doch ein leichtes Kribbeln im Bauch.“

Geschadet hat es dem jungen Talent nicht: Ihre persönliche Bilanz bei dieser Weltmeisterschaft weist fünf Punkte (zwei Tore und drei Vorlagen) auf und sie darf sich nun JuniorenWeltmeisterin der Division B nennen. Das mache sie schon etwas stolz, erklärt sie: „Mit dem Aufstieg haben wir schon viel erreicht.“ Wirklich auskosten kann sie ihn allerdings nicht, denn bei der nächsten Weltmeisterschaft in zwei Jahren ist sie zu alt für die U 19-Auswahl. Dann liegt es an anderen, die Klasse zu halten. Und auch Favorit sind dann eindeutig andere.

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