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Zwischen Wittdün und Steenodde : Überlaufdeich ist das Sorgenkind

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bei der turnusmäßigen Begehung auf Amrum forderten die Insel-Politiker ein kurzfristiges Handeln der Landes-Küstenschützer ein.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2015 | 09:00 Uhr

„Der Unterhaltungszustand ist gut, das reicht mir nicht mehr aus“, machte Nebels Bürgermeister Bernd Dell-Missier den Vertretern des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) bei der Begehung des Überlaufdeiches zwischen Wittdün und Steenodde deutlich. Im Zuge der turnusmäßigen Überprüfung auf Amrum, die eine mindestens einmal jährlich stattfindende Begutachtung der Deiche, Uferschutzeinrichtungen und des biotechnischen Küstenschutzes umfasst, ließen auch Dell-Missiers Amtskollegen Jürgen Jungclaus (Wittdün) und Peter Koßmann (Norddorf) keinen Zweifel daran, dass hier die Landesküstenschützer gefordert sind, den Überlaufdeich kurzfristig zu ertüchtigen.

Maßnahmen wie das Mähen von Gras und Disteln sowie das Bekämpfen von Wühlern mögen für den Erhalt des Unterhaltungszustandes und die oberflächliche Betrachtung der Küstenschutzeinrichtung ausreichen. Allerdings könne das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bestick, also Deichprofil und Kronenhöhe, nicht den definierten Anforderungen entspräche. „Ich habe noch niemals solch ein steiles Deichprofil wie bei diesem Überlaufdeich gesehen“, stellte Jürgen Jungclaus bei dem Blick auf die Rückseite fest. Selbst das Mähen des Grases mit einem ferngesteuerten Mähgerät stoße hier an seine Grenzen.

Der Abschnittsleiter für die Inseln Föhr, Amrum, Dagebüll und die Halligen, Werner Paulsen, berichtete, dass durch die Menge des Grasschnitts das Kettenfahrzeug auch schon mal ins Rutschen kommt. Direkt am Fuß des Deichs verläuft der beschilfte Entwässerungsgraben, in den das Mähgerät nicht abrutschen sollte.

Bei der eingeforderten Variante eins würde die Deichlinie für die 2014 veranschlagte Summe von 3,7 Millionen Euro auf der bestehenden Trasse auf ein derzeit zu erwartendes Jahrhundertereignis ausgebaut und erhöht. Anhand des am 17. Februar 1962 am Pegel Wittdün gemessenen Hochwassers von 4,14 Metern über Normalnull wurde der derzeitige Bemessungswasserstand gemäß der Vorgabe des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) mit 4,6 Metern über Normalnull für diesen Regionaldeich auf Amrum festgelegt. Dies entspricht einem Hochwasser, das statistisch alle 100 Jahre auftritt. Die derzeitigen Deichkronenhöhen liegen zwischen 4,63 Meter im Bereich Wittdün und 5,43 Meter vor Steenodde.

Der Bereich der Norddorfer Marsch wird auf einer Länge von rund 1,64 Kilometern durch den sogenannten „Teerdeich“ geschützt. Seit dem Bruch 1962 schützt eine Asphaltdecke den Deich. Diese wurde vor zwei Jahren bei der Begehung als „zu überarbeiten“ eingestuft. In diesem Jahr erklärte LKN-Fachbereichsleiter Fabian Lücht, dass das an der Nordwandelbahn in Wittdün angewendete Verfahren, wo Gleisbettschotter mit einem Zweikomponentenkleber verklammert wurde, derzeit unter Umweltaspekten nicht angewandt werden darf. Allerdings schätze er den Sanierungsbedarf des auf der Lee-Seite der Insel befindlichen Deichs nicht als sehr hoch ein. „Da es sich nur um lokal begrenzte Schäden durch Durchwuchs handelt, können wir hier gut mit Heißbitumen arbeiten“, so der Küstenschutzfachmann.

Die Pflege des parallel zum Deich verlaufenen Siels wurde als „nicht gut“ festgestellt und vom Bereichsleiter Winfried Bochtrup in die Liste der kurzfristig zu erledigenden Arbeiten aufgenommen. Absicherungszäune an den Sielen müssen aufgrund einer internen Untersuchung leicht überarbeitet werden, erklärte Bochtrup beim Blick auf die Sicherung am Außensiel des Überlaufdeichs.

An der Küste vor dem Schullandheim Ban Horn, wo im vergangenen Jahr ein Sandpuffer aufgeschüttet worden war, sah man von diesem Puffer an der eigentlichen Stelle nicht mehr viel. Dennoch zeigten sich die Küstenschutzexperten zufrieden und recht entspannt. Sandfangzäune sollen neue Puffer aufbauen.

Peter Koßmann forderte die bereits zugesagte Entfernung der vor dem Strand befindlichen Brückenreste ein. Sie stellen bei Flut eine Gefahr da, da sie bis kurz unter die Wasseroberfläche ragen.

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