zur Navigation springen

Wyker Innenstadt : Überflutete Keller bald Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Regenwassernetz wird modernisiert: Die Hauptleitung wird von der Hafenapotheke durch die Stöpe zur Fischmarktpier verlegt.

Wenn in den letzten Jahren Donner grollten, sich ein Gewitter ankündigte, blickten nicht nur die Besitzer von Reetdachhäusern, die einen Blitzeinschlag fürchteten, sorgenvoll gen Himmel. Auch viele Bewohner der Wyker Innenstadt befiel dann ein mulmiges Gefühl. Hatten doch starke Platzregen immer wieder Keller voll laufen lassen, weil die Regenwasserkanäle die großen Wassermengen nicht mehr aufnahmen. Betroffen waren vor allem Bereiche am Sandwall, in König-, Hafen- und Großer Straße. Vor einigen Eingängen in der Hafenstraße lagen seit Jahren Sandsäcke einsatzbereit vor der Tür.

Das wird bald nicht mehr nötig sein, denn die Stadt hat jetzt die „Ertüchtigung“ des Regenwassernetzes in der Innenstadt in Angriff genommen. „Am Sandwall, in Höhe der Einmündung zur Süderstraße, wurde bereits ein Überlauf eingebaut“, berichtet der zuständige Bauamtsmitarbeiter Thomas Pielke. Ab Dienstag soll der zweite Abschnitt in Angriff genommen werden. Dann werden von der Königstraße bis zur Ecke Große Straße/Mühlenstraße neue Leitungen verlegt, die einen Innendurchmesser von 500 Millimetern haben, also wesentlich mehr Wasser aufnehmen können, als die bisherigen 300-Millimeter-Rohre. Außerdem soll hier bereits jetzt ein Anschluss eingebaut werden, um, wenn die Sanierung der Großen Straße kommt, auch dort die breiteren Rohre einzubauen. „Die Firma hat gesagt, dass sie in diesem Teil in zwei Wochen fertig sein will“, ist Bürgermeister Paul Raffelhüschen zuversichtlich, dass sich die Beeinträchtigungen in der Fußgängerzone in Grenzen halten werden.

Allerdings wird der ganze Bereich Richtung Stöpe und Fischmarktkaje noch eine ganze Zeit Baustelle sein. Denn die Hauptleitung, so berichtet Pielke, soll von der Hafenapotheke durch die Stöpe zur Fischmarktpier verlegt werden. Sie wird einen Durchmesser von 600 Millimetern haben und in der Mole in zwei Rohre mit je 400 Millimetern Durchmesser geteilt werden, weil die dickeren Rohre nicht durch die Spundwände passen würden. Die alte Leitung führte unter dem Hafenamt durch und mündete dann ins Hafenbecken, erläutert Pielke. Sie sei irgendwann verkleinert worden und entsprach nicht mehr den Vorschriften, so dass angesichts zunehmender Starkregenereignisse Handlungsbedarf bestanden habe.

Von der Hafenstraße aus soll außerdem noch eine weitere Leitung verlegt werden, die von der dortigen Kneipe Richtung Tiefgarage geführt und einen Überlauf ins Hafenbecken haben wird.

580  000 Euro wird der Kanalbau kosten, von denen allerdings nur ein kleiner Teil an der Stadt hängen bleiben wird. Denn weil es sich bei der Oberflächenentwässerung nicht um Abwasserentsorgung, sondern um eine Straßenbaumaßnahme handelt, wird ein großer Teil der Kosten auf die Anlieger umgelegt. In der Fußgängerzone müssen die Hausbesitzer 50 Prozent der Kosten tragen, in der Hafenstraße sind es sogar 75 Prozent. 75 Prozent, über die auch der Kommune ein Abgabenbescheid ins Haus flattern wird, sind hier doch auch Amtsverwaltung und Hafenamt Anlieger.

Baubeginn war im April, Pielke und Raffelhüschen hoffen, dass bis Ende Juli alles fertig ist. Im Bereich der Baustelle soll auf der Umgehungsstraße eine Ampelanlage dazu beitragen, das Verkehrschaos zu minimieren. „Denn Chaos ist spätestens dann programmiert, wenn mal zwei Fähren gleichzeitig anlegen“, fürchtet Raffelhüschen.

Doch in den Wintermonaten, in denen deutlich weniger Autos im Bereich des Hafens und deutlich weniger Menschen in der Fußgängerzone unterwegs sind, habe die Stadt nicht bauen dürfen, berichtet Pielke. „Eigentlich wollten wir im September anfangen, aber dann hat uns der LKN einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Denn der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz hat es der Stadt untersagt, in der Sturmflutsaison von September bis Ende März die Deichlinie anzuknabbern.Wohlweislich, hätte doch sonst die Gefahr bestanden, dass die Bauarbeiten zur Vermeidung künftiger Regenwasser-Überschwemmungen in der Innenstadt der Wyker City bei Sturmfluten nasse Füße beschert hätten.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Jun.2017 | 17:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen