Föhr und Amrum : Trotz vieler Gäste viele Probleme

Ein schattiges Plätzchen am Wyker Sandwall ist begehrt.
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Ein schattiges Plätzchen am Wyker Sandwall ist begehrt.

Auch wenn im Sommer die Kassen klingeln: Fachkräfte- und Wohnungsmangel machen Insel-Wirten das Leben schwer.

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01. August 2018, 13:00 Uhr

Wie schwer es sein kann, ein Restaurant auf Föhr oder Amrum zu betreiben, hat Uwe Jacobs durchgemacht: Den „Friesenjung“ und die „Friesenstube“ in der Wyker Innenstadt musste er nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder schließen: „Es ist schwer, hier langfristig etwas aufzubauen“, sagt er rückblickend: „Der Winter ist zu lang, die Saison hingegen vergleichsweise zu kurz.“ Außerdem vermisst er die Bereitschaft vieler Kunden, für Qualität zu zahlen: „Viele wollen billig und viel essen“, sagt er. Für ihn keine Basis zum Arbeiten.

Dass Föhr und Amrum für die Gastronomie kein leichtes Pflaster ist, hat auch die Föhr Tourismus GmbH (FTG) erkannt. Deren Chef Jochen Gemeinhardt spricht von drei Problemen, die Restaurants und Cafés das Leben schwer machten: die kurze Saison, mangelnde Fachkräfte und Wohnungsmangel für das Personal. Diese Schwierigkeiten führten zu einer paradoxen Situation: „Wir haben steigende Übernachtungszahlen aber gefühlt weniger Gastronomie.“ Und das sei auch ein Kritikpunkt von Gästen: „Einige berichten, dass Angebot, Auswahl und Menge der Restaurants nicht den Erwartungen entsprochen habe.“ Gerade abseits des Sommers, wenn viele Betriebe geschlossen haben, sei es manchmal schwer, einen passenden Platz für das Abendessen finden: „Aber die Gäste in der Nebensaison sollen keine Gäste zweiter Klasse sein.“

Deshalb möchte die FTG jetzt gegensteuern, auch wenn der Gastronomie-Bereich eigentlich nicht zu ihren Kernaufgaben gehört: „Wir haben eine Gruppe von vier Mitarbeitern zusammengestellt, die das Thema aktiv angehen sollen“, sagt Gemeinhardt. Damit meint er vor allem, potentielle Interessenten für einen Betrieb auf Föhr direkt anzusprechen und beratend dabei zu unterstützen, die Schwierigkeiten auf der Insel anzugehen. So wolle man bei Betrieben, die einen Nachfolger suchen, frühzeitig Kontakte zu Interessenten herstellen und zusammen über die Zukunft nachdenken. Und Gemeinhardt möchte auch vom Festland lernen: „Viele Probleme sind auf dem Festland nicht viel anders, da müssen wir uns angucken, wo was funktioniert und Interessenten suchen.“ Am liebsten hätte er natürlich, dass Insulaner einen Betrieb öffnen oder übernehmen würden, „aber bei der Suche müssen wir auch die Insel verlassen und Leute von außerhalb für Föhr begeistern.“

Probleme haben Gastronomen nicht nur auf Föhr, auch auf Amrum gibt es Schwierigkeiten, vor allem bei den Arbeitskräften: „Es ist wirklich ein Problem, Wohnraum für die Mitarbeiter zu mieten. Das ist mittlerweile fast wie auf Sylt“, sagt Angelika Hesse vom Bezirksverband Föhr-Amrum des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). „Eigentlich müsste man selbst etwas bauen, aber für zwei, drei Mitarbeiter geht das natürlich nicht. Da haben es große Hotels mit vielen Mitarbeitern leichter.“ Außerdem sei der bürokratische Aufwand für die Betriebe gestiegen: „Jede Küchenmaschine und jede Steckdose braucht TÜV, bekommt einen Namen und hat einen eigenen Lebenslauf. Das alles bereitet enorm viel Arbeit.“ Fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit gehe mittlerweile für solche Dokumentationen drauf. Auch deshalb verlören einige Betreiber von Lokalen die Lust und wandelten die Gebäude in Ferienwohnungen um.

Trotz allem sei aber die Stimmung unter den Gastronomen gut: „Die, die hier sind und durchhalten, haben viel zu tun“, sagt Hesse. Vor allem frische Lebensmittel aus nachhaltiger Erzeugung seien gefragt: „Die Leute wollen wissen, wo das Essen herkommt, das auf ihren Tellern landet.“ Und auch vegane und vegetarische Speisen und Essen für Allergiker und Menschen, die an lebensmittel-Unverträglichkeiten leiden, müsse man heute anbieten: „Insgesamt sind vor allem die jungen Leute sehr sensibilisiert.“

Auch der Chef der Amrum-Touristik, Frank Timpe, berichtet, dass Lokales und Nachhaltiges gefragt sei: „Unsere Gäste kommen schon mit dem Anspruch auf die Insel, typisch norddeutsche, frische Küche zu erleben. Da steht nachvollziehbar ,alles rund um den Fisch‘ weit oben auf der Bestellliste.“ Er freut sich aber, dass es mit rund 50 Betrieben auf Amrum eine große Auswahl gebe: „Und gerade in den letzten Jahren und auch in diesem Jahr gab und gibt es in allen Gemeinden verschiedene Neueröffnungen, neue Konzepte und auch Angebotserweiterungen in den Speisekarten.“ Aber auch die Probleme mit dem Fachkräftemangel möchte er nicht verschweigen.

Auf Föhr freut sich Jochen Gemeinhardt über das Angebot, dass es über die ganze Insel verteilt gebe: „Gefühlt gibt es viel gute Hausmannskost. Aber auch einige neue Betriebe, die tolle Produkte selbst machen und interessante Konzepte anbieten, sind natürlich gut für die Insel.“ In Zukunft würde er auch gern Nischen bedienen: Weitere asiatische Küchen, eine Tapas-Bar oder ähnliches abseits des Mainstreams.

Für Uwe Jacobs steht hingegen fest: „Normales läuft am besten, Neues hat es schwer.“ Auch den Trend zu Frischem und Nachhaltigem kann er bestätigen. Er selbst möchte seine „Friesenstube“ bald wieder auf die Beine stellen: als Familienrestaurant und kinderfreundlich. Jetzt weiß er, was auf ihn zukommt. Wie schwer es ist, ein Restaurant auf Föhr zu etablieren, hat er ja bereits erfahren.

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