zur Navigation springen
Insel-Bote

22. Oktober 2017 | 05:05 Uhr

Abschied : Traurigkeit und Enttäuschung

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Pastorin Friederike Heinecke gibt die Kirchengemeinde St. Clemens nach zehn Jahren in neue Hände. Im Rahmen eines Abschieds-Gottesdienstes ließ Probst Dr. Kay-Ulrich Bronk ihre Amtszeit Revue passieren.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 07:00 Uhr

Die Amrumer Kirchengemeinde St. Clemens muss Abschied von ihrer Pastorin Friederike Heinecke nehmen. Nach zehn Jahren des Wirkens auf der Insel fällte die Theologin den Entschluss, ihre Verpflichtung nicht um weitere zehn Jahre zu verlängern. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Frank Hansen löst sie ihren Haushalt auf der Insel auf. Hansen hatte sich an der Seite seiner Frau mit hohem persönlichen Engagement bei bedeutsamen Projekten der Kirche verdient gemacht.

Mit einem Gottesdienst im Gemeindehaus Norddorf und einer Feier im evangelischen Gemeindehaus in Nebel wurde der scheidenden Pastorin ein herzlicher Abschied bereitet. Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk zog in seiner Rede Bilanz und erkannte in der Entscheidung, noch einmal neue Wege einzuschlagen, einen von Theologen gern praktizierten Werdegang. „Der Abschied fällt nicht leicht, auch wenn in diesem Jahrzehnt Blessuren hinzunehmen waren. Es gibt Traurigkeit und Enttäuschung“, so der Probst.

Amrum sei ein Abenteuer, weit draußen in der Nordsee und von vielen Gästen besucht. Die Zahlen zeigten die Mühe und Kreativität, so Bronk, die nötig seien, um 120 Gottesdienste und bis zu 70 Trauungen, Taufen oder Trauerfeiern im Jahr zu halten. Die behutsamen Veränderungen und die sorgsame Wahrung alter Traditionen zeichneten die Schaffenszeit der jungen Pastorin aus, resümierte der Probst, der Transparenz ein wichtiges Anliegen sei. So sei das Abendmahl häufiger gefeiert worden, wobei die Gemeinschaft der Feiernden mehr im Vordergrund gestanden habe. Seit 2003 werde einmal jährlich die Gemeindeversammlung abgehalten, vor den Kirchengemeinderatssitzungen habe es zudem eine öffentliche Viertelstunde gegeben, der St.-Clemens-Bote erscheine viermal im Jahr und das Team komme einmal wöchentlich zusammen.

„Die Mystik und die feministische Theologie haben Dich geprägt“, weiß Probst Bronk. Das Einfließen dieser Erkenntnisse in die Predigten und Arbeit sei nicht nur spannend gewesen, man habe sich ebenso daran reiben können. Dass ihr das Reden und Ringen auf Augenhöhe wichtig gewesen sei, bescheinigte Bronk der 53-jährigen Theologin.

Die bedeutenden Projekte, wie unter anderem die Gründung der Stiftung „Üüs Skap“ zum Erhalt der Stelle der Kirchenmusik und dem Erhalt der historischen Kirchengebäude, die Neugestaltungen des Heimatlosenfriedhofs und der Kriegsgräber-Gedenkstätte auf dem neuen Friedhof und nicht zuletzt das Projekt zur Überarbeitung der historischen Grabsteine an der St.-Clemens-Kirche mit der Einrichtung eines musealen Teils des Friedhofs sind fest verbunden mit dem Wirken des Ehepaars Friederike und Frank Hansen. Unzählige Kirchenführungen und weitere Projekte wie „Landart“ und „der Tod und das Meer“, füllte Frank Hansen mit Leben und führte sie zum Erfolg.

Elke Dethlefsen, die als stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Nebel die Grußworte sprach, erinnerte sich noch deutlich an die Veränderung im Erscheinungsbild vom Pastor zur Pastorin vor zehn Jahren. Erstmals hatte eine Pastorin die Pfarrstelle auf Amrum inne und brachte ein angenehm frisches Bild mit sich. Skepsis und Neugier gehörten zu solch einer Neuerung ebenso dazu.

„Für mich bedeutet das Ende auf Amrum ein Aufbruch zu neuen Aufgaben“, erklärt Friederike Heinecke im Gespräch. „Als Erstes werde ich meine Habseligkeiten einlagern, für gut vier Monate nach Portugal reisen und dort neue Kraft tanken. Und mich wieder meiner seit 25 Jahren ruhenden Erforschung der Mystik widmen, bevor ich eine neue Pfarrstelle antrete“, verrät Heinecke. „Wir haben eine bewegte Zeit auf Amrum erlebt und hätte sich der zweite Bewerber auf die Stelle in der Gemeinde nach dem Vorstellungsgespräch nicht zurückgezogen, wäre die Stelle sicher wieder von einem Pastor besetzt worden.“ Das habe ihr der damalige Probst versichert.

Allen treuen Mitarbeitern sprach die Pastorin, die neben der Theologin und Seelsorgerin an sieben Tagen in der Woche auch die Aufgaben einer Finanzexpertin, Immobilienverwalterin und Personalchefin übernehmen musste, ihren Dank aus. Bis zur Verpflichtung eines Nachfolgers wird Pastor Georg Hildebrandt die vakante Stelle bekleiden. Es ist damit zu rechnen, dass dies mindestens bis zum Frühjahr 2014 dauern wird, schätzt Probst Bronk.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen