gelungenes konzert : Tosender Beifall im Gotteshaus

Die lange Zeit des Probens hat sich gelohnt: Sänger und Musiker glänzten mit einer fehlerfreien Leistung.
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Die lange Zeit des Probens hat sich gelohnt: Sänger und Musiker glänzten mit einer fehlerfreien Leistung.

Händels Messias kam in der St.-Nicolai-Kirche zur Aufführung – und sorgte für große Begeisterung bei den 450 Besuchern.

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03. Januar 2015, 09:00 Uhr

An den Applaus wird Martin Bruchwitz, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde St. Nicolai, wohl noch lange zurückdenken. Minutenlang erfüllten die Beifallskundgebungen die Boldixumer Kirche, in der sich 450 Besucher von ihren Sitzen erhoben hatten. Zuvor war unter Bruchwitz’ Leitung der „Messias“ von Georg Friedrich Händel erklungen, ein Oratorium für vier Solostimmen, von den Sängern in englischer Sprache vorgetragen.

Zu den Solisten fielen den Besuchern nach der Aufführung lediglich Superlative ein. „Einer besser als der andere“, empfand etwa Kirchenmusikerin Birke Buchhorn-Licht die Darbietungen unisono als großes Vergnügen, die dem Publikum „magische Momente“ beschert hätten. Gemeint waren die Sopranistin Tanya Aspelmeier und die Altistin Ute Weitkämper, beide auf der Insel bereits bekannt, sowie der Tenor Knut Schoch und der Bass Ralf Grobe, die ihre Föhr-Premiere feierten. Sie alle wurden scheinbar mühelos den hohen Ansprüchen des Opernkomponisten Händel gerecht, der die Stimmen in seinen Werken virtuos behandelt und eine entsprechende Technik verlangt. So wurden die pastoralen Teile ebenso wunderbar vorgetragen wie die Rezitative, in denen die Sänger ihren Freiraum ausschöpfen konnten.

Rund 80 Mitwirkende waren an dem Erfolg beteiligt, traditionell hatte sich die Kantorei mit dem Rungholt-Ensemble Hamburg und Mitgliedern des Hamburger Bachchores St. Petri sowie einigen Gastsängern verstärkt. Kongenial begleitet wurden die Sänger vom Collegium musicum St. Petri unter der Leitung des Kirchenmusikdirektors Thomas Dahl, der einmal mehr den wichtigen Part des Organisten übernahm. Geführt wurde das Orchester von Thomas Pietsch, einem exzellenten ersten Geiger und mindestens ebenso gutem Konzertmeister.

In drei Teile gegliedert, beschreibt das Werk die christliche Heilsgeschichte von den alttestamentarischen Prophezeiungen über das Leben und Sterben Christi bis zum jüngsten Tag. Ganze 24 Tage hatte der Komponist des Barock 1741 für das berühmteste seiner mehr als 20 Oratorien gebraucht, die Proben nahmen wesentlich mehr Zeit in Anspruch. Seit Pfingsten war die Aufführung einstudiert worden, in unzähligen Einzel- und Gesamtproben, die allen Mitwirkenden viel abverlangten.

Das Ergebnis sprach für sich, und Martin Bruchwitz lobte auch seine Kantorei in den höchsten Tönen, die aktuell rund 30 Mitglieder zählt. Eigentlich eine gute Größe, so der Kantor, der sein seit Jahren andauerndes Problem allerdings noch immer nicht beheben konnte. Nach wie vor fehlen dem Chor Männerstimmen. Immerhin: Viele Sängerinnen seien im vergangenen Jahr dazugekommen, die sich gut eingewöhnt hätten und gut mithalten könnten. „Es ist schwierig, in diese Art von Musik einzusteigen, und sie machen es sehr gut.“

So auch an diesem Abend in der St.-Nicolai-Kirche, wo das Publikum nach gut zwei Stunden seinen Gefühlen freien Lauf lassen konnte und dies mit tosendem Beifall tat. Zuvor hatten sich Pauken und Trompeten bei „Würdig ist das Lamm“ und dem „Amen“ noch einmal in Szene gesetzt und als Zugabe war das „Halleluja“ erklungen. Ein neuer Besucherrekord, sichtlich begeisterte Zuhörer und eine erfolgreiche Aufführung – Martin Bruchwitz hatte nach dem gelungenen Konzert viele Gründe zur Zufriedenheit. Und die äußerte der Kantor auf seine ganz eigene Art: „Es macht Spaß, hier Musik zu machen, und ich hoffe, dass wir weitere große Aufführungen voranbringen können.“

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