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Der Erste Weltkrieg : Torpedo-Treffer auf der Heimfahrt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Schiff des Wyker Steuermaats Jann Okkens bekam in der Schlacht am Skagerak keinen Treffer – dennoch fand er sein Grab in der Nordsee.

Jubel im Deutschen Reich, schulfrei für die Kinder und Siegesfeiern. In der bis dato größten Seeschlacht aller Zeiten, in der Schlacht am Skagerak (31.5./1.6.1916) siegten die Deutschen über die Briten. Heute wissen wir: Es war ein taktischer Sieg, die Überlegenheit der britischen Seemacht wurde damit nicht in Frage gestellt.

In einem infernalischen Schlachtengetöse, das man noch auf den nordfriesischen Inseln hörte, kämpften 99 deutsche und 159 britische Schiffe gegeneinander. Auf Amrum macht sich die Skagerakschlacht „durch Aufspringen der Zimmertüren, durch Klirren der Fensterscheiben bemerkbar. Auch die Schlagwerke der Wanduhren gerieten ins Klingen. Am Himmelfahrtstage lag eine dicke Rauchwolke über die ganze Länge der Insel. Sie stammte von der heimkehrenden Flotte. Der Westwind führte sie allmählich nach Osten“, berichtet der Amrumer Lehrer Heinrich Arpe.

Zu den rückkehrenden Schiffen gehörte auch die SMS (Seiner Majestät Schiff) „Pommern“, auf dem sich der von Wyk stammende Steuermaat Jann Okkens (1890-1916) befand. Die „Pommern“ hatte keinen Treffer in der Seeschlacht bekommen, alles sah nach einer glücklichen Rückkehr aus. Dann aber, in den Morgenstunden des 1. Juni 1916, auf dem Weg zu den schützenden, deutschen Minensperren, erhielt das Schiff den Torpedotreffer eines britischen Zerstörers. Die „Pommern“ brach nach einer heftigen Explosion in der Mitte durch und versank. Alle 839 Besatzungsmitglieder fanden ihr Grab in den Wellen der Nordsee.

Jann Okkens, der ein Jahr zuvor an Bord des Schiffes „Hildebrandt“ zum Steuermannsmaat befördert worden war, starb „den Heldentod für Kaiser und Reich“. Im Jahr zuvor hatte die Familie Okkens schon einmal einen Gefallenen zu beklagen: Janns Cousin Wilhelm Okkens (1897-1915) fiel in Flandern. Jann wurde „aufrichtig betrauert und schmerzlich vermißt von den Angehörigen“, zu denen sein Vater Heme Okkens sowie seine Brüder Matthias und Hinrich (1896-1945) gehörten, der von 1935 bis 1945 die Wyker Dampfschiffs-Reederei führte und der Vater von Inge Herpich aus Wyk ist. Heme Okkens heiratete nach dem frühen Tod seiner ersten Frau Margarethe Kröger (1858-1910) noch einmal und hatte mit seiner zweiten Frau einen Sohn namens Heme, der auch fallen sollte – im Zweiten Weltkrieg.

Und wie ging das Leben von Jann Okkens Braut Hanna Jensen (geb. 1891) aus Nieblum weiter? Die Tochter des Uhrmachers Jens Christian Jensen (1848-1919) und seiner Frau Caroline Henrike Lund (1857-1944) aus Utersum, genannt „Carline Uhrmachers“, heiratete den aus Aachen stammenden Tischler Hans Wey. Sie wohnten in der Nieblumer Strandstr. 8, wo Wey auch eine Tischlerwerkstatt betrieb. Er fertigte stilechte Haustüren an, und viele seiner Möbelstücke und handgeschnitzten Friesenwappen sollen noch heute manche Stube schmücken. Hanna und Hans Wey verabschiedeten sich 1968 nach ihrer Goldenen Hochzeit im „Insel-Boten“ von ihrem geliebten Föhr, um den Lebensabend bei der Adoptivtochter Erna in Kolmar an der Elbe zu verleben. Ihnen fiel der Abschied sehr schwer.

Hannas Bruder Heinrich Meinert Jensen (1899-1918, vermisst) kehrte aus dem Ersten Weltkrieg nicht wieder zurück.

Und was geschieht auf Föhr und den Halligen?

Vor der Südtür der Kirche von Hallig Hooge steht zwischen den Grabsteinen ein schlichtes Holzkreuz mit der Aufschrift: „Es ist das Kreuz von Golgatha Heimat für Heimatlose“. Mit der Jahreszahl 1916/17 wird an drei Matrosen der Kriegsmarine gedacht, die an der Skagerakschlacht teilnahmen und auf Hooge ihre letzte Ruhe fanden.

Am 3. Juni 1916 fiel Roluf Meinert Tholund (1892-1916) aus Toftum in Verdun. Das Ehrenmahl in Süderende gedenkt seiner. Roluf Meinert war der Sohn des aus Jütland eingewanderten Anders Tholund (1855-1938) und seiner Frau Christine geb. Olufs (1857-1897) aus Toftum. Der zweitgeborene Sohn Nis (1894-1973) wurde schwer verwundet, überlebte die Verletzung aber nach den Worten seines Sohnes Jakob durch einen glücklichen Umstand.

Auf SMS „Kaiser“ nahm auch der Wyker Hans Julius Volquardsen (1887-1962) an der Skagerakschlacht teil: „Die Einzelheiten sind mir in der Tag- und Nachtschlacht eingebrannt worden und es hat mich stets mit innerem Stolz erfüllt, daß ich am Skagerak mit dabei war.“

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erstellt am 02.Jun.2016 | 15:00 Uhr

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