Erster Weltkrieg : Tod in der Nordsee für das Vaterland

Britisches Unterseeboot im 1. Weltkrieg: U-Boote wurden von allen Marinen unterschätzt, aber dennoch gebaut.
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Britisches Unterseeboot im Ersten Weltkrieg: U-Boote wurden von allen Marinen unterschätzt, aber dennoch gebaut.

Der Wyker Christian Gries wurde gerade 20 Jahre alt: Als Funktelegrafist auf einem Minensuchboot verlor er am 20. Januar 1918 sein Leben.

shz.de von
22. Januar 2018, 08:30 Uhr

Der Erste Weltkrieg kostete allein auf deutscher Seite zwei Millionen Soldaten das Leben. 35 000 von ihnen waren Marineangehörige. So kehrte rund die Hälfte der deutschen U-Boot-Besatzungen nach ihren Einsätzen nicht in die Heimat zurück. Moderne Seekriegsmittel wie U-Boote, Torpedos und Minen hatten die maritime Kriegsführung nachhaltig verändert. Ein einziger Minen- oder Torpedotreffer konnte ein großes Kriegsschiff schwer beschädigen oder gar versenken.

Über 300 000 Seeminen wurden im Laufe des Krieges eingesetzt, um die eigenen Küsten zu schützen und die Nutzung der Seewege durch die Gegner zu verhindern. Ankertauminen, der wichtigste Minentyp, schwammen dicht unterhalb der Wasseroberfläche, wurden auf dem Meeresgrund von einem Anker oder Ankerwagen gehalten und stiegen an einem Drahtseil, dem Ankertau, nach oben. Der Berührungszünder wurde durch den Kontakt mit einem Schiff ausgelöst.

Spezielle Minenabwehrmittel und -taktiken wurden eingesetzt, so die zwischen zwei Minensuchbooten gespannten Stahltrosse, die die Ankertaue der Seeminen durchtrennten. Die auftreibende Mine wurde dann durch Gewehrschützen zur Explosion gebracht. Im Laufe des Krieges wurde ein für diese Aufgabe speziell konstruiertes Minensuchboot eingesetzt, genannt Typ 16. Auf einem dieser Minensuchboote fand der Wyker Christian Gries als Funktelegrafist am 20. Januar 1918, wenige Tage nach seinem 20. Geburtstag, „in der Nordsee den Tod fürs Vaterland“.

Christian Gries gehörte einer bekannten Wyker Familie an, zu der auch sein Onkel, der Schlossermeister Martin Gries, an der Ecke Wester- und Große Straße gehörte (später: Amerongen und Frähmke). Die Todesanzeige vom 24. Januar 1918 wurde von Christian Gries’ Vater Heinrich und weiteren Angehörigen unterzeichnet. Christian Gries’ Mutter Mathilde geborene Aggens lebte zu dieser Zeit nicht mehr. Von Christians Schwestern Annette, Selma und Anna ist Letztere wohl noch manchen in Erinnerung. Anna war verheiratet mit dem Maurer Johannes Jensen von Hooge. Die gemeinsame Tochter Marianne verheiratete Thomsen lebte 1990 in Novato in Kalifornien.

Das Elternhaus von Christian Gries steht noch heute in der Wilhelmstraße 4, gehört nach dem Verkauf durch Marianne Thomsen aber anderen Eigentümern. Christians Vater Heinrich Gries gehörte zu den langjährigen Maschinisten der Wyker Dampfschiffs-Reederei, die ihm 1925 eine ehrende Todesanzeige in der „Föhrer Zeitung“ widmete. Für seinen einzigen Sohn Christian wurde im März 1918 eine kirchliche Trauerfeier und im folgenden Monat eine Gedenkrede in St. Nicolai gehalten. Heute erinnert nur noch sein Name auf dem Ehrenmal des Boldixumer Friedhofs an den jungen Föhrer, der so früh den Tod fand.

Und was geschieht auf Föhr?

Am 7. Januar 1918 wird der Tod von Elise Mensendieck, der Ehefrau des Hamburger Kaufmanns August Mensendieck, durch ihren Schwiegersohn Dr. Karl Gmelin, seit 1893 in erster Ehe mit Alice Mensendieck verheiratet, angezeigt.

Am 13. Januar 1918 sollte im „Lichtspiel-Theater Centrallhalle“ in Wyk „Der Liebesbrief der Königin“ mit Henny Porten gezeigt werden. Fraglich, ob jemand kam. Am gleichen Tag fegte ein starker Schneesturm über die Inseln, der zeitweise die Verbindung zwischen den Dörfern unterbrach. Die Dagebüller Kleinbahn fuhr zwei Tage nicht. Und am 24. Januar 2018 feierte man Kaiser Wilhelms II. Geburtstag – zum letzten Mal vor dem Ende der Monarchie.

1914 - 1918:  Die Opfer
Vor 100 Jahren brachte der Erste  Weltkrieg unendliches Leid über die  Menschen in den beteiligten Staaten – auch für Föhr hatte dieser Krieg weitreichende Folgen.  Viele Insulaner zogen begeistert in die Schlacht,  etliche kehrten nicht mehr zurück.  Die Historikerin Dr. Karin de la Roi-Frey hat den Schicksalen der Kriegstoten von 1914 bis 1918 nachgespürt, deren Namen auf dem  Ehrenmal des Boldixumer Friedhofs stehen.  In einer Serie erinnert sie – jeweils zum 100. Todestag – an diese Menschen.

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