Jazz goes Föhr 2015 : Tenöre jazzen den Kurgartensaal

Begeisterten auf der Bühne: Sebastian Wittstock, Patrick Braun, Lars Gühlke, Bernd Suchland und Ralf Ruh (von links).
Begeisterten auf der Bühne: Sebastian Wittstock, Patrick Braun, Lars Gühlke, Bernd Suchland und Ralf Ruh (von links).

Toller Beginn des Festivals: Zum Auftakt liefern sich die Toughest Tenors einen musikalischen Saxofon-Schlagabtausch.

shz.de von
29. Juli 2015, 09:00 Uhr

„Satter Sound aus starken Saxofonen.“ Mit diesen oder ähnlichen Worten kommentierten schon viele Medien die Auftritte des Berliner Jazz-Quintetts „The Toughest Tenors“. Die Band, in der auch der ehemalige Midlumer Lehrer Sebastian Wittstock einst Mitglied war und mit der er nach seiner Rückkehr nach Berlin wieder musiziert, hat ihren Schwerpunkt beim Jazz der 1950-er und -60er Jahre gefunden, in den sogenannten „Battles“. Im Rahmen des Festivals Jazz goes Föhr waren die Musiker im Wyker Kurgartensaal zu Gast.

Für Wolfgang Philipp, künstlerischer Leiter des Festivals, war es ein besonderes Konzert. „Man hört die Arrangements der 1950-er und -60er Jahre, auch Originalarrangements, leider nur noch selten“, bedauerte Philipp, dass die sogenannten Battles, ein musikalischer Schlagabtausch der Tenor-Saxofone, heute nicht mehr oft zu hören seien.

Und auch dem Tenorsaxofonisten Bernd Suchland von den „Toughest Tenors“ bescherte das Konzert auf der Insel eine neue Erfahrung: „Die Atmosphäre hier ist besonders. Dass man am Meer entlang zu seinen Konzerten geht, hat man nicht alle Tage.“

Die Musik, die er mit seinen Bandkollegen im Kurgartensaal präsentierte, begeisterte das Publikum. Patrick Braun bekam für seine ganz speziellen Soli besonders viel Applaus. Mit Tönen, die mehr denen eines Menschen als denen eines Saxofones ähnelten, setzte er immer wieder musikalische Akzente. Den Rahmen des gut zweieinhalbstündigen Konzertes bildeten Blues-Songs und swingende Arrangements der Jazz-Hits von vor rund einem halben Jahrhundert, etwa von Jimmy Heath. Am Ende gab es minutenlangen Applaus und wohlwollende Pfiffe für das Quintett aus Berlin.

„Ich bin mit dem Konzert sehr zufrieden. Die Akustik in der Halle war gut und das Publikum hat gut mitgemacht.“, meinte Suchland, der in seiner Jugend zum Jazz gekommen ist und seine Plattensammlung immer konsequent erweitert hat. Der Jazz der 1950-er und -60er Jahre hat es ihm besonders angetan. „Er ist eine gute Mischung aus dem älteren, softeren New-Orleans-Jazz und dem modernen Jazz, der sehr abstrakt ist.“

Für Liebhaber genau dieser Musik bietet das Festival auch in den kommenden Tagen passende Live-Gigs. Nachdem bereits gestern Abend die Gruppe „Vilou“ Jazz-Standards und eigene Kompositionen präsentierte, steht heute Abend das Quartett „Klaro“ der österreichischen Saxofonistin Karolina Strassmayer und des New Yorker Schlagzeugers Drori Mondlak auf der Bühne. Und am Donnerstag ist laut Wolfgang Philipp „der beste Trompeter Deutschlands“, Julian Wasserfuhr, mit seinem Bruder Roman zu Gast. Zu Abschluss werden am Freitag die vor allem in Norddeutschland bekannten „Sultan’s auf Swing“ die Bühne betreten (alle Kurgartensaal, 20 Uhr). Nach diesem Konzert gibt es auch eine Rückfahrmöglichkeit auf das Festland.

Für alle, die länger bleiben, gibt es wie auch nach den anderen Konzerten die Jazz-Night im Kulturtreff der Musikschule Föhr. Eine allabendliche Jam Session, an der sich auch Gäste beteiligen können. Nicht dabei sein werden die „Toughest Tenors“, die die Insel bereits wieder verlassen haben. Dennoch ist für musikalische Unterhaltung gesorgt: internationale Künstler, unter anderem aus der Schweiz und New York, konnten engagiert werden.

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