Wyker Wehr trainiert : Suche nach Vermissten

Die Wasserversorgung sichert John Klempert, während Kollegen unter Atemschutz ins Gebäude vorrücken.
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Die Wasserversorgung sichert John Klempert, während Kollegen unter Atemschutz ins Gebäude vorrücken.

Einsatzort Innenstadt: Feuer im Getränkemarkt Knudtsen – eine Übung unter realistischen Bedingungen.

shz.de von
09. Februar 2018, 08:30 Uhr

„Feuer im Getränkemarkt Knudtsen, drei Personen vermisst“ – so lautet der Alarm für die Feuerwehr Wyk am Mittwoch um 19.15 Uhr. Am Einsatzort ist allen schnell klar, dass es sich um eine Übung handelt. Doch so flink wie in einem Ernstfall geht es zur Sache. An zwei Einsatzfahrzeugen, einem HLF 20 und einem FLF, machen sich je vier Träger von Atemschutzgeräten fertig. An der Drehleiter steigen Marc Wendlandt und Lars Petersen unter Atemschutz in den Korb, um sich samt Schlauch und Schaumkanone in die Höhe fahren zu lassen. Die Drehleiter wird gesteuert von Bernd Lorenzen und Sönke Kohn. Einsatzleiter Marco Vogtmann, er ist stellvertretender Wehrführer, erläutert die besondere Herausforderung an dem Objekt. Auf dem Dach liegen Photovoltaik-Tafeln – eine Lage, die besonnenes Vorgehen verlangt. Einfach den Stecker ziehen reiche nicht, weil die Stromproduktion damit nicht unterbrochen werde. Die Männer auf der Drehleiter versuchen daher, mit dem Schaum die Paneele gut abzudecken und damit abzudunkeln, weil sie erst dann die Produktion herunterfahren.

Währenddessen kriechen sechs Feuerwehrleute unter Atemschutz und mit Schläuchen vorsichtig in die Halle, um nach einem Verkäufer und zwei Kunden zu suchen – so die Annahme in der Übung. Geräusche von krachendem Gebälk und der Rauch machen allen zu schaffen.

„Die Älteren können sich noch an vergleichbare Brände im Coop-Markt und im Aquaföhr erinnern, Jüngeren fehlen die Erfahrungen mit solchen Schadenslagen“, begründen Ralf Agatter und Benjamin Slabohm, warum solche Übungen so wichtig sind. Die beiden haben diese Übung im Geheimen konzipiert und die Einwilligung von Boy Rethwisch, des Besitzers des Marktes, eingeholt. In der Regel seien Eigentümer froh, wenn ihre Objekte Ziel einer solchen Übung sind – man weiß ja nie, wann es mal wieder ernst wird.

Marco Vogtmann will zwar der anschließenden Manöverkritik nicht vorgreifen, fällt aber spontan folgendes Urteil: „Das hat alles wunderbar funktioniert.“ Doch eines wäre im Ernstfall wesentlich komplizierter geworden: Wegen des Frostes wurde bei der Übung auf Löschwasser verzichtet. Damit wäre das Gelände sofort zur Eisbahn geworden und hätte die Einsatzkräfte enorm behindert. Aber im Fall der Fälle wäre auch das von den routinierten Blauröcken ganz sicher gemeistert worden.

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