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Insel-Bote

18. Dezember 2017 | 10:33 Uhr

findungs-phase : Suche nach dem Königsweg

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wie geht es weiter mit dem Tourismus auf Föhr? Diese Frage berieten die Stadtvertreter in ihrer jüngsten Sitzung. Dabei wurde deutlich, dass nach wie vor ein gemeinsamer Weg angestrebt wird.

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erstellt am 30.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Wie geht es weiter mit dem Tourismus auf Föhr? Eine Frage, der sich die Stadtvertreter in ihrer jüngsten Sitzung widmeten. Wyks Politiker sind in Zugzwang und müssen bis zum Jahresende eigene Strukturen entwickeln, nachdem das in vielen Runden erarbeitete inselweite Konzept für eine runderneuerte Föhr Tourismus GmbH (FTG) abgelehnt worden war (wir berichteten). Eine Ablehnung, die nicht als endgültiger Schritt gesehen wird, wie fraktionsübergreifend betont wurde.

Die Gründe machte Heinz Lorenzen (KG) noch einmal deutlich. Bereits vor mehr als drei Jahren habe sich herausgestellt, dass die Stadt pro Jahr 600 000 bis 800 000 Euro zuviel an die FTG zahle. Gesucht wurde in der Folge ein neuer, gerechterer Verteilungsschlüssel, der nun – mit der Fremdenverkehrsabgabe als Basis – gefunden wurde. Dass die Stadt künftig aber annähernd die gleiche Summe zahlen müsse, passe nicht zum ursprünglichen Ansatz.

Armin Korok, Geschäftsführer der FTG, war als Gast geladen und präsentierte noch einmal das Zahlenwerk. 2 553 000 Euro, rechnete der Tourismus-Chef vor, betrage die Belastung für die Stadt ab 2015. Da Wyk in 2014 2 688 000 Euro Dienstleistungsentgelte an die FTG zahle, komme man künftig günstiger weg. Wobei in der Berechnung jene Kosten fehlten, die für die neue Struktur, etwa die Gründung der GmbHs, aufzubringen seien. Fakten, die Korok vortrug, da es Unklarheiten über die Zahlen und wohl auch über die Konsequenzen eines möglichen Wyker Alleingangs und dem damit einhergehenden Ausstieg aus der Lokalen Tourismusorganisation (LTO) gegeben hatte.

Die aber sind klar formuliert und gehen ans Eingemachte. „Ich erwarte, dass die Insel geschlossen innerhalb und für eine LTO agiert“, machte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer seine Erwartungen gegenüber dem Insel-Boten deutlich. Dies sei in der neuen Tourismus-Strategie ausdrücklich als Bedingung für eine Förderung touristischer Projekte genannt. Mit anderen Worten: Wyk und Föhr-Land raufen sich zusammen oder es gibt keine Fördermittel mehr.

Dass der Verzicht auf die LTO nicht Sinn des Ganzen sei, machte Holger Frädrich (SPD) deutlich. Jedoch: „Es standen Sachen zur Abstimmung, denen man so nicht zustimmen konnte“. Und auch Peter Schaper (SPD) betonte, dass die Stadt trotz des gefassten Beschlusses keine Gräben zu Föhr-Land aufreißen wolle.

Man will und muss also im Gespräch bleiben. Ein gemeinsamer Nenner ist der neue Verteilungsschlüssel, der unisono als gerecht empfunden wird. Vor diesem Hintergrund schlug Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (KG) die Variante „FTG in ihrer jetzigen Konstellation und dem neuen Verteilungschlüssel“ vor. Eine Variante, die nun mit Zahlen unterfüttert werden soll und allseits als charmant empfunden wurde, für Föhr-Land aber kaum zu stemmen wäre. Weshalb Heinz Lorenzen vorschlug, die Kosten für Daegels Variante ohne die Veranstaltungen zu ermitteln, „das wäre für Föhr-Land dann nicht ganz so teuer“.

Die Stadtvertreter einigten sich auf zwei weitere Varianten, die ebenfalls zeitnah auf ihre Mehrheitsfähigkeit überprüft werden sollen. Wiederum von Silke Ofterdinger-Daegel kam der Vorschlag, eine noch abgespecktere FTG, die sich nur um das Marketing kümmert, zur Diskussion mit Föhr-Land zu stellen. Und schließlich soll auch das kürzlich abgelehnte Konzept noch einmal auf den Tisch.

Die schwierige Suche nach dem Königsweg geht also weiter, während parallel an eigenen Strukturen gebastelt werden muss. Selbst etwas zu installieren, so Peter Schaper, sei der Konsens, über den man abgestimmt habe. Unabdingbar dafür sei eine Einigung über die Marschrichtung und ein Umriss der Details.

„Wir haben beschlossen, eine GmbH für den touristischen Bereich zu gründen“, mahnte auch Heinz Lorenzen zum Handeln. Dringend sei die Abwicklung der alten Strukturen zu organisieren, damit die neuen zum Jahresbeginn funktionieren. „Bis wir den Geschäftsführer für die neuen Strukturen gefunden haben, ist das Jahr um und wir kriegen wieder nichts zum Laufen“, so Lorenzen, der eine Aussetzung der Kündigung um ein weiteres Jahr ausschloss.

Auch müsse man sich der inhaltlichen Diskussion stellen, wie das Marketing für Wyk künftig stattfinden soll, betonte Till Müller (Grüne). Eigenregie oder Fremdvergeben sei die Frage, forderte er jene auf, die sich in der Abstimmung für den Alleingang entschieden haben, ihre Vorstellungen vorzutragen.

Für die externe Erledigung sprach sich Peter Schaper aus. Nicht an langfristige Verträge gekoppelt, sondern projektbezogen. Wobei die Vorgehensweise auch davon abhänge, welche Schwerpunkte das Marketing künftig habe. Die gesamte Dienstleistung der FTG extern machen zu lassen, brächte allerdings weitere Probleme mit sich. Man müsste sich aufgrund des Volumens einer europaweiten Ausschreibung nähern, betont Dirk Nicolaisen, Tourismus-Experte der Industrie- und Handelskammer Flensburg, im Gespräch mit dem IB. Das habe zeitliche und rechtliche Aspekte und im Spiel seien Bewerber aus ganz Europa. „Allein die Ausschreibung inklusive aller Vorbereitungen dauert drei bis vier Monate.“

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