zur Navigation springen

Alltagssprache Fering : Studie auf Föhr – der Blick ins friesische Gehirn

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Sprachforscher suchen Freiwillige für eine Studie auf Föhr – sie wollen herausfinden, wie Fering verarbeitet wird.

Föhr | Die im mittelhessischen Marburg gelegene Philipps-Universität ist zwar geographisch recht weit von Föhr entfernt, aber der Dialekt Fering ist bei den Marburgern ganz und gar nicht unbekannt. Marburger Wissenschaftler wie Sara Hayden waren bereits einige Male auf Föhr, haben an der Ferring Stiftung in Alkersum Sprachkurse besucht und die Insel mit ihrer einzigartigen Sprache und ihren Varietäten schätzen gelernt. Inzwischen bietet Professor Jürg Fleischer sogar in Marburg Seminare zum Friesischen an, die von den Studierenden mit großem Interesse angenommen werden.

Nun kommen Mitarbeiter der Marburger Uni im Rahmen eines Forschungsprojektes nach Föhr und suchen für ihre Untersuchungen noch Insulaner, deren Muttersprache Fering ist. „Das wissenschaftliche Interesse am Friesischen ist groß“, erklärt dazu einer der Forscher, der Sprachwissenschaftler Alexander Dröge. Die Marburger Sprachforscher möchten die Sprache selbst, gerade auch im Vergleich zum Deutschen, das grammatikalisch über ganz andere Eigenschaften verfügt, besser verstehen. Dabei sollen nun ganz neue Wege beschritten werden: In der Marburger Arbeitsgruppe Neurolinguistik unter der Professorin Ina Bornkessel-Schlesewsky beschäftigen sich Alexander Dröge und Elisabeth Rabs seit einiger Zeit mit der Verarbeitung von Sprache im Gehirn. Bei allen kognitiven Prozessen, etwa auch, wenn wir sprechen oder zuhören, entstehen in den Nervenzellen des Gehirns elektrische Ladungen, die aufgezeichnet und sichtbar gemacht werden können: Diese als „Elektroenzephalographie“ (EEG) bezeichnete Methode ist zwar schon seit der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bekannt, wird aber erst seit vergleichsweise kurzer Zeit auch in der Sprachwissenschaft eingesetzt. EEG-Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse über die kognitive Verarbeitung von Sprache und geben Auskunft darüber, wie sich verschiedene Sprachen voneinander unterscheiden.

Bei einer EEG-Messung werden am Kopf mehrere Elektroden platziert, über die schon sehr kleine Veränderungen im elektrischen Signal im Bereich von Tausendsteln von Sekunden genau gemessen werden können. Mit dieser Methode wollen die Marburger Wissenschaftler nun einen ganz neuen Zugang zur Erforschung des Fering erreichen. Bei möglichst vielen Freiwilligen wollen sie anhand von EEG-Untersuchungen feststellen, wie bestimmte Sätze verstanden und beurteilt werden. Die Ergebnisse werden dann mit einer Studie zum Deutschen verglichen, um so strukturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszufinden.

Die EEG-Methode erlaubt einen Einblick in kognitive Abläufe, allerdings kann man nicht ablesen, was eine Person gerade denkt oder welches konkrete Wort sie hört. Die Signale in der Sprachverarbeitung sind winzig klein, sodass erst nach der Messung vieler Personen Mittelwerte gebildet und so wissenschaftliche Aussagen getroffen werden können.

Die Suche nach Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist bei EEG-Studien immer sehr aufwendig, da bestimmte Auswahlkriterien angesetzt werden müssen und deshalb nicht jede Person teilnehmen kann. So werden für die aktuelle Studie gezielt Rechtshänder zwischen 18 und 35 Jahren gesucht, da sich das EEG zwischen Rechts- und Linkshändern und zwischen jüngeren und älteren Menschen unterscheiden kann.

Alexander Dröge und Elisabeth Rabs hoffen, dass sie auf Föhr viele Freiwillige für ihre Studie finden werden. Alle Interessierten können mit ihrer Teilnahme dazu beitragen, dass die Marburger Sprachwissenschaft einen wichtigen Schritt weiterkommt im wissenschaftlichen Verständnis des Fering. EEG-Messungen sind schmerzfrei und gesundheitlich völlig ungefährlich, denn es wird nur aufgezeichnet, was im Gehirn passiert, ohne dass das EEG selbst elektrische Reize, Strahlung, Magnetfelder oder ähnlichem aussendet. Eine Teilnahme an der Studie wird mit einer Aufwandsentschädigung vergütet.

EEG-Studie: Die Rahmendaten
 

Zeitraum: 22. September  bis 17. Oktober

Ort: Oldsum

Dauer der Messung: zwischen 3 und 3,5 Stunden

Kriterien für eine Teilnahme: zwischen 18 und 35 Jahren alt; Rechtshänder; auf Föhr aufgewachsen; Alltagssprache: Fering; Eltern sprechen ebenfalls Fering; keine Hörbeeinträchtigung/Hörschäden und keine neurologischen Erkrankungen

Ansprechpartner an der Uni Marburg: Alexander Dröge und Elisabeth Rabs

Kontakt: alexander.droege@uni-marburg.de

Ansprechpartnerin auf Föhr: Meike Riewerts

Kontakt: meikeriewerts@web.de

zur Startseite

von
erstellt am 12.Sep.2014 | 12:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen