Gemeinde St. Nicolai : Streit um Zukunft des Pastorats

Das Gebäude steht seit rund eineinhalb Jahren leer und macht nicht den besten Eindruck.
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Das Gebäude steht seit rund eineinhalb Jahren leer und macht nicht den besten Eindruck.

Abriss oder Sanierung? Politiker schaffen mit Erhaltungssatzung Fakten. Kirchengemeinderat plädiert für einen kleineren Neubau.

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27. März 2018, 15:00 Uhr

Nicht nur die Pastoren-Situation, auch die Zukunft des Alten Pastorats beschäftigt derzeit die Gemeinde St. Nicolai. Seitdem Pastor Jörg Weißbach die Insel verlassen hat, steht das Gebäude leer und macht einen eher traurigen Eindruck. Der Kirchengemeinderat (KGR) hatte mehrheitlich beschlossen, das Haus abzureißen. Und damit eine Entscheidung gegen die Empfehlung des Kirchenkreises getroffen, der sich für eine Sanierung ausgesprochen hatte, wie Pastorin Hanna Wichmann in der jüngsten Gemeindeversammlung betonte, wo das Thema kontrovers diskutiert wurde.

Ohnehin hat die Gemeinde ein Problem, nachdem die Stadtvertretung eine Erhaltungssatzung gemäß Paragraf 172 Baugesetzbuch auf den Weg gebracht hat, die mittlerweile rechtskräftig ist. Betroffen ist das Gebiet im Ortsteil Boldixum begrenzt durch einen Abstand von zirka 30 Metern südlich zur Ocke-Nerong-Straße im Norden, der Gemeindegrenze zu Wrixum im Westen sowie dem Nieblumstieg im Süden und Osten. Damit reagierten Wyks Politiker auf erste Gerüchte und eine Bauvoranfrage der Gemeinde. Erhaltungssatzungen sollen sukzessive in großen Teilen Wyks städtebauliche Eigenarten bewahren und den Milieuschutz gewährleisten. „Die nächste wäre die Boldixumer Straße bis zur Kreuzung gewesen, nun haben wir in der Ocke-Nerong-Straße angefangen“, sagt Dr. Silke Ofterdinger-Daegel, Stadtvertreterin und Vorsitzende des Bauausschusses. Zuvor hatte der Ausschuss das Objekt gemeinsam mit dem KGR besichtigt und im Ergebnis lediglich eine Abrissgenehmigung für die Anbauten, den sogenannten Schweinestall, signalisiert. Ein Kompromiss, wie Erland Christiansen, Mitglied des Gremiums, in der Gemeindeversammlung betont hatte. „Ansonsten ist das so ein tolles, festes Gebäude, das wäre eine Schande, wenn man das Alte Pastorat abreißen würde.“

Geplant ist, das alte Gebäude durch ein neues, kleineres zu ersetzen. Doch der Abriss ist vom Tisch, die Erhaltungssatzung rechtskräftig. Geht die Gemeinde nicht den langen Klage- und Gutachterweg, steht eine energetische Sanierung an, die Geld kostet. Man könne sich für das Grundstück weitere Möglichkeiten überlegen, sagt Ofterdinger-Daegel. So sei das Spielplatzgelände Kirchenland und eigentlich als Friedhofserweiterungsfläche vorgesehen. Es gebe seitens der Kirche Überlegungen, den Spielplatz zu verkaufen oder zu verpachten. Ein interessantes Objekt für die Stadt, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Bauland aber nur als Eigentümer ausweist. Möglichkeiten sieht Silke Ofterdinger-Daegel nur, wenn vertragliche Regelungen garantieren, „dass wir als Stadt im Heimfall immer noch die Hand draufhaben“. Ein mögliches Konstrukt müsste entwickelt werden. Auch sonst gebe es auf dem Gelände noch genug Grund, der erschlossen werden könne und für Wohnraum geeignet wäre.

„In jedem Fall fehlt derzeit ein tragfähiges Finanzierungskonzept, dessen Erstellung der nächste Schritt sein muss“, so Silke Ofterdinger-Daegel. Gesprächsbedarf haben beide Seiten: Ein erstes Treffen ist bereits für den heutigen Dienstag geplant.

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