Föhr : Streit um Insel-Eintrittskarte

Wird das Fährticket zur Kurkarte? Die Reederei ist dagegen.
Wird das Fährticket zur Kurkarte? Die Reederei ist dagegen.

Dauerthema seit 20 Jahren: Die Gemeinden wollen die Einführung der Föhr-Card vorantreiben. Die WDR hält das Konzept für nicht praktikabel.

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06. Dezember 2017, 13:00 Uhr

Es ist erst einige Wochen her, da hat der Chef der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) einen Etappensieg errungen. Denn Landes-Verkehrsminister Bernd Buchholz war ganz auf der Linie Axel Meynköhns und seiner Reeder-Kollegen: Er erteilte dem Ansinnen der Insel- und Halliggemeinden eine Abfuhr, die Reedereien via Fährticket zum Einzug der Tageskurabgabe zu verpflichten. Doch ob aus dem Etappensieg ein kompletter Sieg wird, das ist noch nicht entschieden. Denn die Insel-Kommunen lassen nicht locker und heute wird sich der Wirtschaftsausschuss des Landtags mit der Frage befassen, ob das Kommunalabgabengesetz so geändert werden soll, dass Verkehrsunternehmen von den Gemeinden mit dem Kassieren der Kurabgabe beauftragt werden können. Wie dort entschieden wird, ist noch völlig offen.

Dabei ist Meynköhn fest davon überzeugt, dass er gute Argumente gegen eine solche Verpflichtung hat. Denn anders als beim Kaigeld, das längst über den Ticketpreis erhoben und dann an die Hafenbetriebe abgeführt wird, sei die Sache bei der Kurabgabe deutlich komplizierter. „Beim Kaigeld ist die Gesamtheit aller Fahrgäste abgabepflichtig, egal ob Insulaner oder Tourist“, erläutert Meynköhn. Das sei bei der Tageskurabgabe nicht so einfach. „Man kann nicht jeder Person, die am Schalter erscheint, ansehen, ob sie abgabepflichtig ist oder nicht, wir müssten aber jedem, der eine Fahrkarte erwirbt, unterstellen, dass er Kurabgabe zahlen muss“, meint der WDR-Geschäftsführer. Es gebe schöne Sommertage, an denen morgens 1000 Passagiere auf der Fähre sein. „Da ist es unmöglich, zwischen Touristen und anderen zu differenzieren. Außerdem möchte die WDR gar nicht wissen, warum die Leute mit ihr fahren“, sagt Meynköhn, der außerdem zu bedenken gibt, dass seine Reederei derzeit gar keine Tageskarten anbiete. „Das ist alles von vorne und hinten nicht durchdacht. Die Gemeinden haben die Vision, durch die Reederei das große Geld abkassieren zu lassen, und alle finanziellen Sorgen sind vergessen.“

Das sehen Amtsvorsteherin Heidi Braun, Amtsdirektorin Renate Gehrmann und der Föhrer Tourismus-Chef Jochen Gemeinhardt ganz anders. Sie verfolgen mit dem jetzt von Meynköhn so vehement abgelehnten Konzept ein Ziel, das auf Föhr und Amrum schon seit gut 20 Jahren diskutiert und auf den ostfriesischen Inseln ungefähr genauso lange praktiziert wird: Eine elektronische Kurkarte, die mit dem Fährticket gekoppelt ist, so dass der Gast bei der An- oder Abreise seine Kurabgabe zahlen muss. Denn, so betont das Trio, es gehe nicht nur um die Tageskarte, sondern darum, sämtliche schwarzen Schafe zu erfassen, die sich bis jetzt erfolgreich um die Zahlung herumdrücken. „Dabei brauchen wir das Geld, damit wir den Gästen eine attraktive Infrastruktur anbieten können“, betont Braun.

Geld, zu dessen Zahlung schon jetzt nicht nur Urlauber, die länger auf der Insel bleiben, verpflichtet sind, sondern auch alle Tagesausflügler. Während deshalb beispielsweise in Westerland auf der Nachbarinsel Sylt an den Strandübergängen Kassenhäuschen stehen, an denen die Gäste Eintrittsgeld berappen müssen, hat man das Eintreiben der Tageskurtaxe auf Föhr bisher eher lax gehandhabt. Dabei ist es für die Gäste offenbar überhaupt kein Problem, zu zahlen, glaubt der Geschäftsführer der Tourismus GmbH (FTG). Denn gar nicht mal wenige Besucher würden, seit sie mit einem Schild am Seiteneinstieg auf die Abgabepflicht hingewiesen werden, den FTG-Schalter im Reedereigebäude ansteuern und zahlen. „2016 haben wir so bereits 6500 Euro mehr eingenommen, in diesem Jahr werden es über 9000 Euro“, berichtet Gemeinhardt und wundert sich: „Es ist wirklich erstaunlich, wie ehrlich die Leute sind.“

Dass die Gäste gerne bereit sind, zu zahlen, hatte vor einiger Zeit auch Gemeinhardts Büsumer Kollege Olaf Raffel bei einem Vortrag in Wyk berichtet. In Büsum sprudeln die Kurtax-Einnahmen, seit die Gemeinde Kassenautomaten aufgestellt hat und offensiv mit Vorteilen wirbt, die mit der Kurkarte verbunden sind. Auch Jochen Gemeinhardt schwebt vor, dass die Kurkarte zur Bonuskarte wird und ihre Besitzer von zahlreichen Rabatten profitieren können.

„Wir wollen es dem Gast so einfach wie möglich machen, die Abgabe zu zahlen, und wir wollen eine Lösung finden, die für alle Beteiligten wenig Aufwand bedeutet“, sagt er. Mit der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (NEG) gebe es bereits sei einiger Zeit eine Kooperation. Die Schaffner würden den Fahrgästen in der Kleinbahn die Tageskurkarte anbieten und auf Wunsch ausstellen.

Eine Kooperation auf freiwilliger Basis könnte es auch mit der WDR geben. „Wir haben dazu einen unterschriftsreifen Vertrag in der Schublade liegen“, berichtet Axel Meynköhn. Doch er sei nicht bereit, den zu unterzeichnen, solange Amt und FTG weiter das Ziel einer gesetzliche Regelung verfolgen.

Genau an der will Heidi Braun aber festhalten. „Wir können nicht auf Freiwilligkeit bauen und dann kommt irgendwann ein neuer WDR-Geschäftsführer und alles ist wieder anders“, will Braun sich absichern. „Wir werden dieses Ziel weiter verfolgen“, ergänzt Renate Gehrmann.

Egal, was bei der heutigen Sitzung in Kiel herauskommt – dass Thema „Insel-Card“ wird auf Föhr wohl noch lange ein Dauerthema bleiben.

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