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Vortrag in Alkersum : Streifzug durch die Historie

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein virtueller Rundgang durch die St.-Laurentii-Kirche offenbart in der Ferring-Stiftung viele kunsthistorische Schätze.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 08:30 Uhr

In den Räumen der Ferring-Stiftung in Alkersum wurde jüngst zwar kein Gottesdienst im engeren Sinn gefeiert, dennoch kamen viele Interessierte wegen eines Kirchenbesuches: Joachim Taege, neuer Mitarbeiter und Kollege des Teams der Ferring-Stiftung und engagierter Hobby-Kirchenhistoriker, nahm seine Zuhörer mit auf einen virtuellen Rundgang um und durch die Süderender St.-Laurentii-Kirche, verbunden mit einem äußert interessanten Streifzug durch die Jahrhunderte. Mit aktuellem Fotomaterial untermalt, präsentierte Taege die Ergebnisse seiner historischen Recherchen in dem umfangreichen Archiv der Stiftung.

Ein wenig abgelegen auf dem Geestrücken, unweit der prähistorischen Kultstätte „Monklembergen“, wurde St. Laurentii in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut und bereits in der ersten und zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erheblich erweitert. Seine endgültige Form fand das alte Gemäuer mit dem Bau des Kirchturms dann im 15. Jahrhundert. Drei schwere Bronzeglocken, die älteste aus dem 16. Jahrhundert, läuten bis heute zu freudigen und traurigen Ereignissen. Da bis 1864 Westerlandföhr und Amrum dänisch waren, unterstand bis zu dieser Zeit auch die kirchliche Verwaltung dem Bischof von Ribe, auch wenn die Predigtsprache stets niederdeutsch war.

Mit einem Taufbecken aus der Barockzeit im Vorraum der Kirche, einem noch viel älteren Granittaufstein aus dem 12. Jahrhundert, einer Kanzel im Renaissance-Stil von 1620, dem darüber befindlichen Schalldeckel von 1669 oder dem gemauerten Altar aus dem 15. Jahrhundert beherbergt das Gotteshaus neben materiellen Werten auch kulturhistorische Schätze. Nicht nur sakrale Worte, sondern auch die Namen der jeweiligen Stifter sind auf vielen Prinzipalien zu finden.

Zu den bedeutendsten Wertgegenständen der Kirche gehören wohl die drei historischen Messingkronleuchter, Spenden an die Kirche im 17. Jahrhundert vom Kapitän Mats Peters („Der Glückliche Matthias“), seinem Bruder John Peters und seinem Neffen Peter Peters.

Die Kronleuchter hätten sogar die Zeit des Nationalsozialismus überlebt, so Taege, denn sie verschwanden in dieser Zeit, um dann nach Ende des Krieges plötzlich wieder aufzutauchen.

Die historischen Gewölbemalereien, konzipiert vom wohl berühmtesten Pastor der Kirche und Gründer der privaten Navigationsschulen, Richardus Petri (Pastor von 1620-1678), seien durch den Einbau einer modernen Heizungsanlage in Mitleidenschaft gezogen worden, in Rudimenten aber noch zu erkennen, erläuterte der Referent.

Richardus Petri, dessen Sohn Bartholomäus Richardi und dessen Enkel Richardus Richardi fanden ihre letzte Ruhe in der Kirche. Die drei Grabplatten vor dem Altar sind bis heute gut erhalten. Das Privileg, in der Kirche bestattet zu werden, hatten zumeist nur herausragende Persönlichkeiten. Doch auch Maria Flor, die Ehefrau des Diakons Paul Flor, fand 1706 ihre letzte Ruhe dort, da sie sich zu Lebzeiten mit der Gründung des „Witwenstocks“ für Arme und Bedürftige in den sieben zugehörigen Gemeinden eingesetzt hatte.

Eigentlich hätte auch das Grab des Walfangkommandeurs Mats Peters, dessen berühmter Grabstein heute auf dem Friedhof ein Besuchermagnet ist, in der Kirche zu finden sein sollen. Peters hatte der Kirche eine erhebliche Summe vermacht, die die Nachkommen aber nicht auszahlen wollten – mit entsprechender Konsequenz.

Durchaus monetäre Gründe hatte auch das – immerhin bis zum Jahre 1950 praktizierte – „Steedengripen“ (Plätze-Ergattern). Dabei handelte es sich um eine Art Verlosung von Sitzplätzen in der Kirche, die dann für ein Jahr zu mieten waren. Bessergestellte verfügten über eigene Sitzbänke, die sie zuvor gekauft hatten und die sie auch vererben konnten.

Aber auch von kleinen „Wundern“ oder „Mysterien“ in St. Laurentii konnte Taege augenzwinkernd berichten: Die über der Kanzel im Schalldeckel schwebende Taube war ursprünglich grau, weshalb man in den Nachbargemeinden auf Osterlandföhr gern über die „Süderender Nebelkrähe“ witzelte. Dieses Täubchen wurde eines Nachts plötzlich vergoldet – und niemand hatte etwas gesehen.

Dieser (eigentlich unerlaubte) Eingriff ins Kirchengut musste dem Kirchenamt natürlich umgehend gebeichtet werden, das daraufhin schriftlich zurückmeldete: „Für die Wunder, die in St. Laurentii über Nacht passieren, hätte man seitens des Kirchenamtes auch keine Erklärung.“

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